Schlacht am Jarmuk beginnt, prägend für islamische Expansion
Der Tag begann wie so viele andere, die brütende Hitze der syrischen Steppe unerbittlich, der Staub so fein, dass er sich in jeder Ritze festsetzte. Es war der 15. August des Jahres 636, doch für die Zehntausenden Männer, die sich an den Ufern des Yarmuk-Flusses gegenüberstanden, war dies in erster Linie ein weiterer Tag im August. Ein Monat, der in dieser Region seit jeher mit einer schweißtreibenden, fast erdrückenden Stille einhergeht, unterbrochen nur vom Zirpen der Grillen und dem fernen Wiehern eines Pferdes. Ein ganz gewöhnlicher Morgen, dachte man vielleicht, wären da nicht die unübersehbaren Armeen gewesen, die seit Tagen den Horizont füllten.
Auf der einen Seite stand das byzantinische Heer, eine imposante, wenn auch heterogene Streitmacht, die manch antiken Feldherrn vor Neid erblassen lassen hätte. Von manchen Quellen auf über 100.000 Mann geschätzt – eine Zahl, die heute Historiker mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten, aber unzweifelhaft eine gewaltige Ansammlung von Männern, Waffen und imperialem Anspruch darstellte. Sie waren das Erbe Roms, ausgestattet mit Disziplin, schwerer Rüstung und dem festen Glauben an die Überlegenheit ihrer Zivilisation. Ihre Generäle, darunter der armenische Vahan und der kaiserliche Schatzmeister Theodorus Trithyrius, waren von einem geradezu selbstzerstörerischen Vertrauen in ihre zahlenmäßige Überlegenheit beseelt, das sie schon seit Wochen in taktischer Untätigkeit schwelgen ließ.
Ihnen gegenüber, auf der anderen Seite des Yarmuk-Wadi, lagerte die scheinbar viel kleinere Streitmacht der Rashidun, die Araber des Kalifats. Ihre Zahl wird konservativer auf 25.000 bis 40.000 geschätzt, eine Mischung aus Veteranen und kürzlich rekrutierten Stammeskriegern. Diese Männer waren nicht gekommen, um den Tag zu verbringen, sondern um das Schicksal der Levante neu zu schreiben. Ihr Anführer, Khalid ibn al-Walid, der „Schwert Allahs“, war ein Meister der mobilen Kriegsführung, der wusste, dass in dieser trockenen, unwirtlichen Landschaft Geschwindigkeit und Entschlossenheit oft mehr zählten als schiere Masse.
Seit Wochen hatten sich diese beiden Giganten belauert. Verhandlungen waren gescheitert, kleine Scharmützel hatten die Nerven blank liegen lassen. Die Byzantiner, die sich schon in einer Verteidigungsstellung wähnten, hatten ihre schwere Infanterie in einer langen Linie aufgestellt, die nur schwer zu bewegen war. Sie warteten. Die Hitze stieg, die Sonne brannte auf die Köpfe der Soldaten. Man konnte das Schlagen der Zelte hören, das Klirren der Rüstungen, das Summen der Fliegen. Es war eine Warteschleife des Grauens, in der die Muskeln schmerzten und die Gedanken sich in Endlosschleifen drehten.
Was die Byzantiner nicht wussten, war die fast schon komische Disziplinlosigkeit, die ihre eigenen Reihen durchzog. Verschiedene ethnische Kontingente – Armenier, Slawen, Araber, Griechen – stritten sich um Rang und Reihenfolge, während die muslimischen Kommandeure ihre Reihen aufteilten und die Kavallerie für blitzschnelle Manöver bereithielten. Eine ihrer entscheidenden Taktiken sollte sich als erstaunlich einfach und brutal effektiv erweisen: Die muslimischen Frauen, die die Armeelager begleiteten, waren angewiesen, jeden Mann, der vom Schlachtfeld floh, mit Zeltstangen und Steinen zurück in den Kampf zu treiben. Eine nicht ganz unwesentliche Motivation, um nicht auf die Idee zu kommen, sich vorzeitig aus dem Staub zu machen.
An diesem Morgen, als die Sonne höher stieg und die Luft über dem Wadi zu flimmern begann, schien die Welt noch in einer trügerischen Ruhe zu verharren. Doch die Bühne war bereitet. Die Hitze, die mangelnde Wasserversorgung und die psychologische Last des ständigen Wartens hatten die Nerven der byzantinischen Truppen bereits strapaziert. Ein leichter Wind wehte über die Ebene, der den feinen Sand aufwirbelte. Was folgte, war nicht nur eine Schlacht, sondern eine sechs Tage dauernde, brutale Auseinandersetzung, die den Nahen Osten für immer verändern sollte. Und es begann mit einem ganz gewöhnlichen, sengend heißen Augusttag, an dem die Menschen in ihrer Routine gefangen waren, bevor die Hölle losbrach.