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Politik & Staat

Heinrich von Navarra heiratet Margarete von Valois

France

Heinrich von Navarra heiratet Margarete von Valois — France
Bild: Paul Landowski / Henri Bouchard · CC BY-SA 3.0

Der 18. August 1572 in Paris war ein schwüler Tag, ein Tag, an dem die Luft nach Weihrauch, Menschenmassen und einer unterdrückten Erwartung roch. Es war die Art von Tag, an dem die Sonne unerbittlich auf die Seine brannte und das Pflaster der Rue Saint-Honoré glühte, während Tausende von Menschen, adlige und gewöhnliche, in einer seltenen Mischung von religiösen Gewändern und weltlicher Pracht auf den Beginn eines Spektakels warteten. Ein Spektakel, das den jahrzehntelangen Glaubenskrieg in Frankreich beenden sollte – oder zumindest vorgeben sollte, dies zu tun. Man hatte gute Gründe, skeptisch zu sein; das Land war seit 1562, also seit zehn Jahren, in einem brutalen Konflikt verstrickt, der Tausende von Menschen das Leben gekostet hatte.

Im Herzen dieses politischen Theaters stand eine Ehe: Heinrich III. von Navarra, ein überzeugter Hugenotte und künftiger König von Frankreich, sollte die katholische Prinzessin Margarete von Valois heiraten, die Schwester des amtierenden Königs Karl IX. und Tochter der mächtigen Katharina von Medici. Die Hochzeit selbst war ein diplomatisches Meisterwerk der Mutter der Braut, die hoffte, die tiefen Gräben zwischen Protestanten und Katholiken mit einem Band aus Seide und politischer Notwendigkeit zu überbrücken. Der Bräutigam, so die Legende, soll nur widerwillig zugestimmt haben, als sein Kopf von König Karl IX. höchstpersönlich festgehalten wurde, um ein Nicken zu erzwingen – eine Geste, die den Geist der Vereinigung vielleicht treffend zusammenfasste.

Die Zeremonie selbst war ein Lehrstück in Glaubensspaltung. Während Margarete in der Kathedrale Notre-Dame den katholischen Ritus empfing, wartete Heinrich draußen auf dem Vorplatz, die Hände auf ein Gebetbuch gestützt, um nicht an der Messe teilnehmen zu müssen. Ein wahrhaft ökumenischer Kompromiss, wenn auch einer, der die Kluft nicht wirklich schloss, sondern nur akkurat abbildete. Etwa 4.000 Hugenottenführer und -adelige waren für die Feierlichkeiten nach Paris geströmt, eine Konzentration protestantischer Macht in der katholischen Hochburg, die manche als beispiellose Gelegenheit und andere als tickende Zeitbombe betrachteten. Die Stadt war überfüllt, die Spannungen unter der Oberfläche brodelten, und die ohnehin schon hohe Kriminalität stieg noch weiter an.

Heinrich von Navarra heiratet Margarete von Valois — France
Bild: Gustave Dore (1832-1886) · Public domain

Die Tage vor der Hochzeit waren geprägt von üppigen Banketten und rauschenden Festen, die die Stadt in einen Rausch versetzten. Man aß, trank und tanzte, während unter der Oberfläche die politische Intrige florierte. Der prominenteste Hugenottenführer, Admiral Gaspard de Coligny, war ein Dorn im Auge vieler mächtiger Katholiken am Hof. Seine Anwesenheit und sein Einfluss auf den jungen König Karl IX. beunruhigten besonders Katharina von Medici. Sie soll ihn als „den gefährlichsten Mann im Königreich“ bezeichnet haben.

Nur wenige Tage nach der opulenten Hochzeitszeremonie, am 22. August, wurde Admiral de Coligny bei einem Attentat schwer verletzt. Dies war der Funke in einem bereits lodernden Pulverfass. Die Antwort darauf war nicht die erhoffte Verständigung, sondern eine Bluttat, die als Bartholomäusnacht in die Geschichte eingehen sollte. Die Hochzeit, die als Zeichen des Friedens gedacht war, wurde zum Auftakt einer der grausamsten Massaker der französischen Geschichte, bei dem innerhalb weniger Tage Tausende von Hugenotten getötet wurden. Die Ironie ist kaum zu übersehen: Ein Akt, der Einheit stiften sollte, entfesselte eine Gewalt, die die Spaltung nur noch vertiefte. Es war, als hätte man zwei reißende Ströme mit einem dünnen Faden zu vereinen versucht und sich gewundert, als sie stattdessen eine Flutwelle auslösten. Und Margarete? Sie schrieb später in ihren Memoiren, dass sie von den Ereignissen „vollkommen überrascht“ worden sei. Man kann es ihr glauben, oder auch nicht.

Heinrich von Navarra heiratet Margarete von Valois — France
Bild: Gravure de Frans Hogenberg ( Genève). · Public domain

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Huguenots

Entdeckungsreisen

Roanoke: Die verlorene Kolonie verlassen aufgefunden

Roanoke Colony, America

Roanoke: Die verlorene Kolonie verlassen aufgefunden — Roanoke Colony, America
Bild: John White · Public domain

Nach drei quälend langen Jahren auf See und einer gefühlten Ewigkeit des Wartens, brennt die Ungeduld in John White. Am Abend des 17. August 1590, als die Dämmerung über die Küste der heutigen Outer Banks in North Carolina hereinbricht, nähert sich sein Schiff der Insel Roanoke. Er ist der Gouverneur der Kolonie, die er hier 1587 gründete und drei Jahre zuvor verlassen musste, um dringend benötigte Vorräte aus England zu holen. Mit an Bord: die brennende Hoffnung, seine Tochter Eleanor Dare und seine kleine Enkelin Virginia Dare, das erste englische Kind, das auf amerikanischem Boden geboren wurde, endlich wieder in die Arme schließen zu können. Die Erwartung, die jetzt an Bord herrscht, ist fast greifbar. Man ruft, man feuert Signale ab. Keine Antwort. Nur die ewige Brandung. Ein eigenartiges Gefühl, eine Mischung aus Vorfreude und aufkeimender Sorge, legt sich über die Männer.

Die Nacht vergeht, und mit ihr wächst die Beklemmung. Am Morgen des 18. August 1590, als die Sonne über dem Atlantik aufsteigt und die sumpfigen Ufer in ein klares Licht taucht, ist die Entscheidung gefallen: Landung. White und seine Männer rudern an Land. Die Luft ist schwül, der Geruch von feuchter Erde und unbekannten Pflanzen liegt in der Luft. Sie treten vorsichtig aus dem Dickicht. Der Anblick, der sich ihnen bietet, ist verstörend: Das Fort, das sie einst mit so viel Mühe errichtet hatten, ist verschwunden. Die Häuser sind abgebaut. Es gibt keine Spur von Menschen, keine Geräusche, die auf Leben hindeuten könnten, nur das Zirpen der Insekten und das Rauschen der Wellen. Ein Geisterdorf.

Der erste Schock weicht einer fieberhaften Suche. White bewegt sich durch das verlassene Gelände, jeden Stein, jeden Baumstumpf absuchen. Er erinnert sich an seine Anweisungen an die Kolonisten, falls sie gezwungen sein sollten, den Standort zu wechseln. Ein Kreuz sollte geritzt werden, wenn sie in Gefahr waren. Aber da ist nichts. Nirgendwo ein Zeichen von Kampf oder Gewalt. Die einzige Botschaft, die sie finden, ist das Wort „CROATOAN“, tief in einen Baumstamm geritzt, das „O“ ist etwas unleserlich, und die Buchstaben „CRO“ sind auf einen Palisadenpfosten geschnitzt. Croatoan, das war der Name einer benachbarten Insel, die von einem befreundeten Indianerstamm bewohnt wurde. White und seine Männer starren auf die Inschrift. Keine Kreuze, keine Hinweise auf Not. Nur dieser einzelne, unvollständige Hinweis.

Roanoke: Die verlorene Kolonie verlassen aufgefunden — Roanoke Colony, America
Bild: Nicholas Hilliard · Public domain

Die Wahrheit ist, White hatte seine Kolonisten 1587 mit einem Versprechen zurückgelassen: Er würde innerhalb weniger Monate zurückkehren. Doch die spanische Armada und der darauf folgende Krieg zwischen England und Spanien fesselten alle verfügbaren Schiffe und Seeleute. Erst nach drei Jahren, als die Gefahr vorüber war und er sich mühsam einen Weg durch das militärische Chaos gebahnt hatte, konnte er endlich die Überfahrt antreten. Ein klassischer Fall von „Pech gehabt“, wenn auch mit katastrophalen Folgen.

Die Suche nach den Verschwundenen erweist sich als aussichtslos. Ein Sturm zieht auf, die Schiffe werden beschädigt, die Vorräte knapp. White und seine Mannschaft müssen die Heimreise antreten, ohne auch nur eine Seele gefunden zu haben. Die „Verlorene Kolonie“ von Roanoke wird zu einem der größten ungelösten Rätsel der amerikanischen Geschichte, ein Flüstern im Wind, das bis heute Fragen aufwirft. Was geschah mit den 117 Kolonisten, darunter Whites eigene Familie? Wurden sie von Indianern assimiliert? Starben sie an Hunger oder Krankheit? Die einzige Gewissheit ist die Stille, die auf Roanoke herrschte, als John White endlich zurückkehrte, um nichts als ein in einen Baum geritztes Wort zu finden.

Roanoke: Die verlorene Kolonie verlassen aufgefunden — Roanoke Colony, America
Bild: William Ludwell Sheppard · Public domain

Interessanterweise fand man später in einigen Indianerstämmen der Region, wie den Tuscarora oder Lumbee, Personen mit europäischen Gesichtszügen und englischen Nachnamen. War dies das Echo der verlorenen Kolonisten? Es ist eine der vielen Spekulationen, die bis heute keine endgültige Antwort gefunden haben. Manchmal ist das größte Drama eben nicht das, was passiert, sondern das, was niemand mehr erzählen kann.

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Quelle: en.wikipedia.org/wiki/John White (colonist and artist)

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