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Krieg & Konflikt

Spanische Eroberung Antwerpens verschiebt europäische Macht

Antwerp, Belgium

Spanische Eroberung Antwerpens verschiebt europäische Macht — Antwerp, Belgium
Bild: Cornelis Claesz van Wieringen / Formerly attributed to Hendrick Cornelisz Vroom · Public domain

Eine 730 Meter lange Brücke, gebaut aus 32 Schiffen, die den mächtigen Fluss Schelde in nur sieben Monaten überspannt – das war nicht bloß eine militärische Belagerung. Es war eine titanische Kraftanstrengung, ein technisches Wunderwerk, das Alexander Farnese, Herzog von Parma und Statthalter der spanischen Niederlande, benötigte, um die widerspenstige Handelsmetropole Antwerpen in die Knie zu zwingen. Eine Stadt, die sich dem spanischen König Philipp II. und seinem strikten katholischen Glauben verweigerte, stand vor einer Entscheidung, die ihr gesamtes Wesen verändern würde.

Die Belagerung begann im Juli 1584, doch der wahre Kampf entbrannte um den Fluss. Farneses Ingenieure schufen nicht nur diese schwimmende Brücke, den „Stakenbrug“, sondern auch zwei Forts an den Ufern, das Fort St. Maria und das Fort St. Philipp, um die Konstruktion zu sichern. Diese Barriere schnitt die Stadt von der See ab, ihrem Lebensnerv. Innerhalb der Stadtmauern, die einen Umfang von 16 Kilometern hatten, saßen rund 80.000 Einwohner fest, während die spanische Armee, mit bis zu 15.000 Mann, die Stadt umzingelte. Die einst pulsierende Metropole, die jährlich bis zu 1.000 Handelsschiffe abfertigte, wurde zu einer isolierten Festung.

Die Verteidiger Antwerpens, angeführt von dem calvinistischen Bürgermeister Philips van Marnix, Herrn von St. Aldegonde, versuchten verzweifelt, die Brücke zu zerstören. Am 4. April 1585 starteten sie einen waghalsigen Angriff mit „Höllenbränden“ – Brandschiffen voller Schwarzpulver und Schrapnell. Eines dieser Schiffe detonierte mit der Sprengkraft von 6.000 Kilogramm Pulver, riss über 800 spanische Soldaten in den Tod und schlug eine Lücke in die Brücke. Doch die Spanier reparierten die Bresche in erstaunlich kurzer Zeit. Die Zahl der Toten auf Seiten der Angreifer war geringer, aber der psychologische Schlag war verheerend. Die Hoffnung schwand mit jedem Tag, an dem die Lebensmittelknappheit zunahm.

Spanische Eroberung Antwerpens verschiebt europäische Macht — Antwerp, Belgium
Bild: Dirck van Delen · Public domain

Nach dreizehn Monaten des Aushungerns und der Kämpfe, als die Vorräte erschöpft waren und die Sterblichkeitsrate in der Stadt auf ein alarmierendes Niveau gestiegen war, kapitulierte Antwerpen am 17. August 1585. Die Bedingungen, die Farnese anbot, waren auf den ersten Blick großzügig. Katholiken durften bleiben, Calvinisten erhielten eine Frist von zwei Jahren, um ihre Angelegenheiten zu regeln und die Stadt zu verlassen. Ein Exodus setzte ein, der die demografische Landkarte der Region für immer verändern sollte. Von den geschätzten 100.000 Einwohnern im Jahr 1560 blieben nur etwa 40.000 bis 50.000. Die Bevölkerungszahl halbierte sich praktisch über Nacht.

Diese Vertreibung war keine bloße Wanderungsbewegung. Rund 60.000 der wohlhabendsten, gebildetsten und unternehmungslustigsten Bürger – Kaufleute, Handwerker, Künstler – zogen fort. Sie nahmen ihr Kapital, ihr Wissen und ihre Netzwerke mit sich. Viele von ihnen ließen sich im Norden nieder, besonders in Amsterdam, das damals noch eine vergleichsweise kleine Hafenstadt war. In den folgenden Jahrzehnten stieg Amsterdams Bevölkerung von etwa 30.000 auf über 100.000. Die ehemalige Perle der Schelde, die einst 40 % des gesamten Welthandels abwickelte, wurde zu einer provinziellen Stadt degradiert, während die neue Republik der Sieben Vereinigten Niederlande zur führenden Wirtschaftsmacht Europas aufstieg. Die Eroberung war ein militärischer Triumph, doch der Preis war, dass der Sieger eine fast leere Schatztruhe in Empfang nahm, deren größter Reichtum ihm einfach entglitt und den Grundstein für die Blüte seiner Rivalen legte.

Spanische Eroberung Antwerpens verschiebt europäische Macht — Antwerp, Belgium
Bild: Anthonie Waldorp · Public domain

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Eighty Years' War

Entdeckungsreisen

Erster englischer Kolonieversuch in Roanoke

Roanoke Island, North Carolina, United States

Erster englischer Kolonieversuch in Roanoke — Roanoke Island, North Carolina, United States
Bild: anonymous · Public domain

Man stellt sich eine Kolonie vor: Bauern, die den Boden bestellen, Familien, die Häuser bauen, den Traum von einem neuen Leben. Doch als Ralph Lane im August 1585 mit über hundert Männern auf Roanoke Island anlandete, war seine Vorstellung von „Kolonisierung“ eine ganz andere. Lane war kein Bauer oder Handwerker, er war ein Soldat, ein Festungsingenieur, und sein Auftrag, obwohl von Sir Walter Raleigh als „Kolonie“ bezeichnet, roch eher nach militärischer Operation als nach friedlicher Besiedlung.

Die wahre Geschichte der ersten Roanoke-Expedition ist weniger eine von Siedlern, die sich in einer neuen Welt niederlassen, als vielmehr die einer Aufklärungsmission mit Garnisonsauftrag. Diese Männer – es waren fast ausschließlich Männer, 107 an der Zahl, plus einige Matrosen – sollten keine Getreidefelder anlegen. Sie suchten nach Gold, nach einem Durchgang zum Pazifik und, am wichtigsten, nach einem strategischen Stützpunkt, von dem aus man spanische Schatzschiffe abfangen konnte. Roanoke war im Grunde ein temporäres Piratennest, getarnt als ziviles Unterfangen.

Und Ralph Lane war der perfekte Mann für diese Art von Mission. Er hatte in Irland gegen Rebellen gekämpft, war mit militärischer Disziplin und dem Bau von Befestigungsanlagen vertraut. Die Engländer brachten keine Pflüge oder Kühe mit, sondern militärische Ausrüstung, Werkzeuge für den Bergbau und eine ungeduldige Erwartung, schnell Reichtum zu finden. Sie begannen mit dem Bau einer sternförmigen Festung – ein klassisches militärisches Design, das auf eine längere Belagerung vorbereitet war, nicht auf eine friedliche Koexistenz mit der Natur oder den Einheimischen.

Erster englischer Kolonieversuch in Roanoke — Roanoke Island, North Carolina, United States
Bild: John Everett Millais · Public domain

Das Problem war, dass die indigenen Secotan, die dort seit Jahrhunderten lebten, keine Spanier waren. Sie waren nicht bereit, sich einfach unterzuordnen oder als unerschöpfliche Quelle für Nahrungsmittel und Arbeitskräfte zu dienen. Lane und seine Männer waren von den Secotan für einen Teil ihres Überlebens abhängig, da ihre eigenen Vorräte schrumpften und ihre landwirtschaftlichen Fähigkeiten kaum vorhanden waren. Die Briten schickten John White, einen Künstler, um die Flora und Fauna zu dokumentieren, aber auch, um die Ressourcen der Region zu katalogisieren, die man für sich beanspruchen konnte.

Die Spannungen eskalierten schnell. Lane, der von seinen Erfahrungen in Irland geprägt war, sah die Ureinwohner weniger als potenzielle Handelspartner denn als eine Bedrohung, die unter Kontrolle gehalten werden musste. Als der Secotan-Häuptling Wingina – dessen Name die Kolonisten zu „Pemisapan“ verballhornten – die Nahrungslieferungen einstellte, reagierte Lane mit rücksichtsloser Gewalt. Er inszenierte ein Treffen unter dem Vorwand von Verhandlungen und ließ Wingina und seine Männer ermorden. Eine Militärstrategie, die in Irland vielleicht funktioniert hatte, führte in der Neuen Welt ins Verderben.

Erster englischer Kolonieversuch in Roanoke — Roanoke Island, North Carolina, United States
Bild: Frederick William Fairholt · Public domain

Nicht lange danach tauchte Sir Francis Drake mit seiner Flotte auf, frisch von einer erfolgreichen Kaperfahrt gegen die Spanier. Er bot Lane und seinen Männern an, sie mitzunehmen. Obwohl Drake ihnen Vorräte und ein neues Schiff anbot, um die Kolonie zu halten, war die Moral am Boden, der anfängliche Goldrausch verflogen, und die Beziehungen zu den Einheimischen unwiederbringlich zerstört. Innerhalb weniger Tage war die gesamte Garnison an Bord von Drakes Schiffen und auf dem Heimweg. Die erste englische „Kolonie“ in Nordamerika hielt nur zehn Monate und verließ ein Schlachtfeld, nicht eine neue Heimat. Sie hinterließen eine Festung, die mehr über ihre militärischen Absichten verriet als über ihren Wunsch, sich in die Landschaft einzufügen.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Walter Raleigh

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