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Krieg & Konflikt

Seldschuken zerschlagen Byzantiner bei Manzikert, beanspruchen Anatolien

Manzikert, Anatolia

Seldschuken zerschlagen Byzantiner bei Manzikert, beanspruchen Anatolien — Manzikert, Anatolia
Bild: Fabienkhan modified by Ewan ar Born · CC BY-SA 2.5

Der Kaiser wollte eigentlich nur seine Grenzen sichern. Er wollte zeigen, wer der Herr im Haus war. Was er stattdessen bekam, war die Eröffnung eines Jahrhunderts der Agonie und eine Schmach, die seine eigene Garde vollendete.

Es ist der 26. August 1071. Auf dem Schlachtfeld vor Manzikert in Ostanatolien stehen sich zwei gewaltige Armeen gegenüber. Auf der einen Seite das byzantinische Heer, eine bunte Mischung aus kaiserlichen Truppen, fränkischen und normannischen Söldnern, Warägern und armenischen Kontingenten, geführt von Kaiser Romanos IV. Diogenes. Auf der anderen Seite die turkmenischen Reiter des Seldschuken-Sultans Alp Arslan, ein Heer, das für seine Schnelligkeit und tödliche Präzision berüchtigt ist.

Was die Geschichtsbücher oft als entscheidende Niederlage Byzanz' darstellen, war in Wahrheit eine Verkettung unglücklicher Entscheidungen und ein Akt des Verrats, der den Weg für die spätere türkische Herrschaft in Anatolien ebnete. Romanos IV. war kein glücklicher Kaiser; er war ein Militär, der den Thron bestiegen hatte, um das Reich vor den ständigen Überfällen der Seldschuken zu schützen. Sein Feldzug nach Manzikert war eher eine Strafexpedition und eine Machtdemonstration, kein Krieg zur totalen Vernichtung. Er wollte die Seldschuken zum Frieden zwingen, nicht ihr Reich erobern.

Seldschuken zerschlagen Byzantiner bei Manzikert, beanspruchen Anatolien — Manzikert, Anatolia
Bild: Zereshk · CC BY 3.0

Doch das byzantinische Reich war zutiefst gespalten. Die mächtige Doukas-Familie, die Romanos den Thron streitig machte, verfolgte ihre eigenen, finsteren Pläne. Am Tag der Schlacht, als die Byzantiner nach anfänglichen Erfolgen in die Falle der flüchtenden turkmenischen Reiter gelockt wurden und Romanos den Befehl zum Rückzug gab, geschah das Unfassbare: Andronikos Doukas, der Befehlshaber der kaiserlichen Reserve, weigerte sich, dem Befehl Folge zu leisten. Er verbreitete sogar das Gerücht, der Kaiser sei tot, und zog seine Truppen ab. Das linke byzantinische Flügelheer, bestehend aus schwer gepanzerten Söldnern und lokalen Kontingenten, zersplitterte. Romanos' Armee, ohnehin schon zermürbt von den Hitze und den Pfeilhageln, wurde eingekesselt und vernichtet.

Der Kaiser selbst kämpfte tapfer, bis sein Pferd unter ihm zusammenbrach und er gefangen genommen wurde. Als Romanos vor Alp Arslan stand, fragte der Sultan: „Was würdest du tun, wenn ich dir in die Hände fiele?“ Romanos antwortete: „Ich würde dich öffentlich geißeln und dann enthaupten.“ Alp Arslan lachte, verhandelte stattdessen ein mildes Lösegeld, schickte Romanos mit Geschenken und einer Ehrenwache nach Hause und bot ihm sogar ein Bündnis an. Der Seldschuken-Sultan hatte kein Interesse daran, Byzanz zu zerstören; er wollte Stabilität und einen loyalen Vasallen im Westen.

Seldschuken zerschlagen Byzantiner bei Manzikert, beanspruchen Anatolien — Manzikert, Anatolia
Bild: User Zereshk on en.wikipedia · Public domain

Doch die Geschichte hatte andere Pläne. Kaum zurück in Kleinasien, wurde Romanos von seinen eigenen Leuten, angeführt von den Doukai, gestürzt, gefangen genommen und brutal geblendet. Er starb kurz darauf an seinen Wunden. Die nachfolgenden Jahre stürzten Byzanz in einen Bürgerkrieg, der das Reich noch mehr schwächte als die Niederlage bei Manzikert selbst. Die Seldschuken, die ursprünglich nur Tribut und Anerkennung wollten, sahen sich plötzlich mit einem Machtvakuum konfrontiert und begannen, sich in Anatolien auszubreiten. Was als eine interne byzantinische Intrige begann, endete mit der dauerhaften Etablierung einer neuen Macht in Kleinasien und der Verschiebung des geopolitischen Gleichgewichts für Jahrhunderte.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Seljuk dynasty

Krieg & Konflikt

Englische Langbogenschützen dezimieren Franzosen in der Schlacht von Crécy

Crécy, France

Englische Langbogenschützen dezimieren Franzosen in der Schlacht von Crécy — Crécy, France
Bild: Jean Froissart · Public domain

Die Luft an diesem 26. August 1346 war dick vom Geruch nasser Erde, von Angst und vom unausgesprochenen Versprechen einer Katastrophe. Ein dreizehnjähriger Prinz namens Edward, später bekannt als der Schwarze Prinz, stand in der englischen Schlachtreihe, seine Rüstung neu, sein Herz wahrscheinlich ein pochender Amboss. An seiner Seite, Tausende von gewöhnlichen Männern: walisische Langbogenschützen, deren Daumen so verhornt waren wie alte Eichenwurzeln, und einfache Bauern, die zum ersten Mal die französische Küste sahen. Sie waren eine kleine Armee, vielleicht 12.000 Mann, müde von einem langen Marsch, und warteten auf ein Schicksal, das unausweichlich schien.

Dem standen die Franzosen gegenüber, eine tosende Welle von vielleicht 25.000 bis 30.000 Mann, angeführt von König Philipp VI. Ein Meer aus glänzender Rüstung und wehenden Bannern. Ihre adeligen Ritter, überfüllt von ritterlichem Eifer und jahrhundertealtem Dünkel, sahen die englische Stellung nicht als Herausforderung, sondern als lästiges Hindernis auf dem Weg zum Ruhm. Unter ihnen, vor die Kavallerie gepresst, standen die Genueser Armbrustschützen. Sie waren Söldner, Profis, aber ihre Armbrüste – diese komplexen Waffen aus Holz, Horn und Sehnen – waren nass und schlaff vom plötzlichen Regenschauer. Während ein englischer Langbogenschütze bis zu zehn Pfeile pro Minute abfeuern konnte, brauchte ein Armbrustschütze für einen einzigen Schuss oft eine Minute, um die Sehne mit einem Kurbelmechanismus zu spannen. Ein grotesker Wettbewerb, der noch nicht einmal begonnen hatte.

Als der französische König den Befehl zum Angriff gab, schickte er die Genueser vor. Sie stolperten über das matschige Feld, ihre Waffen schwer und nutzlos. Die englischen Langbogenschützen, gut geschützt und mit ihren Bögen trocken unter ihren Umhängen gehalten, warteten. Als die Distanz stimmte, sangen die Bögen. Ein Pfeilhagel, wie ihn Europa noch nie gesehen hatte, zerriss die Reihen der Söldner. Tausende von gefiederten Stäben, die jeden Schutz durchschlugen. Die Genueser, demoralisiert und dezimiert, flohen. Ihre eigene Kavallerie, die von hinten drängte, sah in der Flucht einen Verrat und ritt rücksichtslos über sie hinweg, um nur selbst in den Pfeilhagel zu geraten.

Englische Langbogenschützen dezimieren Franzosen in der Schlacht von Crécy — Crécy, France
Bild: Wikimedia Commons · Public domain

Der ganze Tag war ein Tanz der Fehlentscheidungen auf französischer Seite. Immer wieder stürmten die Ritter, einzeln oder in kleinen Gruppen, blindlings in die Pfeilregen und die gut formierten englischen Linien. Das Ideal der individuellen ritterlichen Tapferkeit, so romantisch in den Minneliedern beschrieben, entpuppte sich auf dem Schlachtfeld von Crécy als kollektiver Selbstmord. Männer wie Johann von Böhmen, blind, aber voller Stolz, ließen sich an ihre Lanzen binden und ritten in den Tod, nur um zu beweisen, dass sie da waren. Die Engländer kämpften mit einer Disziplin, die den Franzosen völlig fremd war, als eine Einheit, nicht als eine Ansammlung von Egos.

Am Abend, als die Sonne unterging und der Nebel über das Feld kroch, blieben die Engländer standhaft. Die Franzosen waren geschlagen, ihre Verluste immens. Zwischen 10.000 und 15.000 Franzosen lagen tot oder sterbend auf dem Feld, darunter elf Fürsten und 1.500 Ritter. Die Engländer hatten nur ein paar Hundert Tote zu beklagen. Es war eine Schlacht, die die militärischen Spielregeln auf den Kopf stellte. Nicht mehr die schwere Kavallerie, das Symbol der ritterlichen Ehre, bestimmte den Ausgang. Sondern der disziplinierte Fußsoldat mit seiner effektiven Waffe.

Englische Langbogenschützen dezimieren Franzosen in der Schlacht von Crécy — Crécy, France
Bild: Attributed to Philippe de Mazerolles · Public domain

In den folgenden Jahrhunderten würde man lernen, dass es auf einem Schlachtfeld nicht darum geht, wer am mutigsten stirbt, sondern wer am klügsten überlebt. Und dass ein Junge mit einem Bogen mehr bewirken konnte als ein ganzes Geschlecht stolzer Könige.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Hundred Years' War

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