Großbritannien führt den Gregorianischen Kalender ein
Great Britain
Der 3. September 1752 existierte in Großbritannien einfach nicht. Auch der 4., der 5., der 6., der 7., der 8., der 9., der 10., der 11., der 12. und der 13. September verschwanden in einem bürokratischen Akt, der die britische Zeitrechnung um volle elf Tage nach vorne katapultierte. Was für uns heute wie ein absurdes Experiment klingt, war damals die längst überfällige Korrektur eines astronomischen Fehlers, der sich über Jahrhunderte angesammelt hatte und das Königreich in eine chronologische Isolation manövrierte.
Die Schuld trug der Julianische Kalender, eingeführt von Julius Cäsar im Jahr 45 v. Chr. Er basierte auf der Annahme, ein Jahr habe genau 365,25 Tage. Eine beachtliche Leistung für die damalige Zeit, doch leider um etwa 11 Minuten und 14 Sekunden pro Jahr zu lang. Diese winzige Abweichung summierte sich über 17 Jahrhunderte zu einem erheblichen Problem. Bis 1752 lag der Julianische Kalender bereits um ganze elf Tage hinter dem tatsächlichen Sonnenjahr zurück. Das bedeutete unter anderem, dass der Frühlingsanfang und damit das Osterfest immer weiter in den Winter rutschten – ein theologisches und landwirtschaftliches Ärgernis von beträchtlichem Ausmaß.
Die Lösung war seit 1582 in weiten Teilen des katholischen Europas bekannt: der Gregorianische Kalender, benannt nach Papst Gregor XIII. Er korrigierte die Julianische Formel durch eine kluge Anpassung der Schaltjahre: Jahre, die durch 100 teilbar sind, sind nur dann Schaltjahre, wenn sie auch durch 400 teilbar sind. So fielen die Jahre 1700 und 1800 nicht als Schaltjahre an, 1600 und 2000 jedoch schon. Während Frankreich, Spanien und Italien die Änderung innerhalb weniger Monate vollzogen, hielt das protestantische Großbritannien aus Gründen des religiösen Widerstands noch 170 Jahre am alten System fest, was zu erheblichen Verwirrungen im internationalen Handel und der Diplomatie führte.
Das „Calendar (New Style) Act 1750“ legte die Umstellung fest. Nicht nur die elf Tage mussten übersprungen werden, sondern auch der Jahresbeginn wurde vom 25. März auf den 1. Januar vorverlegt. Die Umstellung war nicht ohne Reibereien. Gerüchte besagen, dass wütende Menschenmengen auf die Straßen gingen und „Gebt uns unsere elf Tage zurück!“ riefen, in der Annahme, man habe sie um Lebenszeit oder Lohn betrogen. Historiker haben diese „Kalenderunruhen“ jedoch weitgehend als stark übertrieben oder gar erfunden entlarvt. Tatsächlich enthielt das Gesetz genaue Bestimmungen, um finanzielle Nachteile zu verhindern: Mieten und andere Zahlungen sollten weiterhin für die volle Anzahl der Tage berechnet werden, nicht für die Kalenderdaten, die sich verschoben hatten. Ein Pächter, dessen Miete am 29. September fällig war (dem alten Michaelistag), sollte erst am 11. Oktober bezahlen, also 11 Tage später.
Ein besonders kurioses Detail aus der Zeit der Kalenderreformen findet sich in Schweden. Das Königreich versuchte ab 1700, den Gregorianischen Kalender schrittweise einzuführen, indem es über 40 Jahre hinweg alle Schaltjahre ausließ. Dieser Plan scheiterte jedoch, und so kam es, dass Schweden im Jahr 1712 einen einzigartigen „30. Februar“ erleben musste, um wieder mit dem Julianischen Kalender gleichzuziehen, bevor man sich 1753 endgültig für den Gregorianischen entschied. Großbritannien hingegen vollzog den Sprung in einem einzigen, kühnen Akt. Am 2. September 1752 schliefen die Briten ein und wachten am 14. September auf, um festzustellen, dass ihre Uhren zwar die gleiche Zeit, ihre Kalender jedoch eine völlig neue Epoche anzeigten. Ein kleiner Strich auf dem Papier, der die Welt um 11 Tage nach vorne brachte und sie doch nur wieder mit dem Rest der zivilisierten Welt in Einklang brachte.