Daily History
Wissenschaft & Entdeckung

Das Higgs-Boson bestätigt

Geneva, Switzerland

Das Higgs-Boson bestätigt — Geneva, Switzerland
Bild: CERN for the ATLAS and CMS Collaborations · CC BY-SA 3.0

Peter Higgs saß im Auditorium des CERN und weinte, als der Physiker Joe Incandela auf dem Podium verkündete, dass sie ihn gefunden hatten. Nicht Higgs selbst — einen 48 Jahre alten, unsichtbaren Hauch von Energie, den er 1964 theoretisch vorhersagt hatte und der in all den Jahrzehnten danach zum Phantom der Physik wurde. Am 4. Juli 2012 endete das Versteckspiel. Das Higgs-Boson war real.

Was folgte, war nicht die Revolution, die die Boulevardblätter versprachen, sondern etwas subtiler und langfristiger Verderbliches. Die Entdeckung bestätigte das, was Physiker insgeheim bereits wussten: Das Standardmodell funktioniert. Es funktioniert verdammt gut. Das ist das Problem.

Fünf Milliarden Dollar hatte die Welt in den Large Hadron Collider investiert — den 27 Kilometer langen unterirdischen Ring unter der Schweizer Grenze, wo Protonen mit der Energie von zusammenstoßenden Eisenbahnzügen aufeinanderkrachten. Das war keine akademische Spielerei mit Steuergeld. Das war Wissenschaft im größten Maßstab, ausgeführt von 10.000 Forschern aus 100 Ländern, gemanagt wie ein Kriegszug. Und was kam dabei heraus? Der richtige Antwort auf eine alte Frage — keine neue Frage.

Das Higgs-Boson bestätigt — Geneva, Switzerland
Bild: Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Das Higgs-Boson erklärt, wie Teilchen ihre Masse bekommen. Ein grundlegend faszinierendes Problem, gewiss. Aber die Jahre danach offenbarten das eigentliche Drama: Wir hatten das letzte größere Rätsel des Standardmodells gelöst und uns dabei in die Ecke manövriert. Die dunkle Materie, die etwa 85 Prozent der Materie im Universum ausmacht? Immer noch unsichtbar. Die dunkle Energie, die das Universum auseinandertreibt? Ein Name für ein Fragezeichen. Der Grund, warum es überhaupt etwas gibt statt nichts? Unbeantwortet.

Was sich änderte, war subtiler. Die Physik verlor an Großzügigkeit. Die großen Regierungen begannen zu rechnen, zu fragen, wozu denn noch Teilchenbeschleuniger, wenn wir bereits alles wissen, was wir herausfinden können? Das Geld floss langsamer. Neue Experimente wurden verzögert. Die theoretischen Physiker beschrieben die Lage ungefähr so: Wir haben die letzte Lampe unter der Straßenlaterne gefunden und müssen jetzt in die Dunkelheit gehen.

Das Higgs-Boson bestätigt — Geneva, Switzerland
Bild: Jason Socrates Bardi · Public domain

Aber die echte Nachwirkung spielte sich in den Klassenzimmern ab. Für einen kurzen, glorreichen Moment 2012 war Physik nicht nerdig — sie war viral. Millionen sahen die Videos, lasen die Artikel, verstanden zum ersten Mal, dass es Menschen gibt, deren Lebenswerk darin besteht, etwas unsichtbar Kleines zu finden. Peter Higgs saß im Auditorium und weinte, weil ein Gedanke, den er als junger Mann aufgeschrieben hatte, wahr wurde. Die Studierenden, die das sahen — genau wie viele Teenager, die in jenen Wochen nach dem CERN fragten — sie fragten sich plötzlich, ob es sich lohnt, sich mit den größten Rätseln zu beschäftigen, auch wenn man in seinem Leben vielleicht nie die Antwort findet.

Das ist die seltsame, widersprüchliche Gabe dieser Entdeckung: Sie zeigte, dass wir doch noch Dinge herausfinden können, und gleichzeitig, wie wenig wir wirklich wissen.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Higgs boson

Krieg & Konflikt

Saladins entscheidender Sieg über die Kreuzfahrer

Hattin, Kingdom of Jerusalem

Saladins entscheidender Sieg über die Kreuzfahrer — Hattin, Kingdom of Jerusalem
Bild: Matthew Paris · Public domain

Etwa vierhundert Jahre lang hatten europäische Könige davon geträumt, Jerusalem zu halten. Am 4. Juli 1187 wachte ein Kreuzfahrerheer aus diesem Traum auf—nicht langsam, sondern augenblicklich, unter der brennenden syrischen Sonne, umzingelt von Saladins Pferden und ohne einen einzigen Tropfen Wasser.

Um die Katastrophe zu verstehen, muss man zuerst sehen, was vorher war. Fast neunzig Jahre lang, seit 1099, hatten die Franken—wie die Araber sie nannten—Jerusalem besessen. Nicht als Abenteuer, sondern als Normalität. Sie bauten Burgen. Sie schlugen Wurzeln. Sie heirateten die Töchter lokaler Aristokraten und schrieben sich selbst in die Landkarte ein, als gehörten sie dort hin für immer. Der König Guy of Lusignan war gerade erst im Vorjahr gekrönt worden. Die Sache sah aus, als würde sie ewig andauern.

Dann machte Saladin etwas sehr Cleveres: Er griff nicht direkt Jerusalem an. Er nahm Tiberias, eine Stadt nördlich des Sees, und wartete. Er wusste, dass die Kreuzfahrer kommen mussten, dass ihr Stolz sie in die Falle locken würde. Im Juli 1187 brachen König Guy und sein Feldherr Raymond of Tripoli mit etwa 20.000 Mann aus Jerusalem auf, um die Stadt zurückzuerobern.

Saladins entscheidender Sieg über die Kreuzfahrer — Hattin, Kingdom of Jerusalem
Bild: Almog · Public domain

Saladins Armee war größer und wartete bereits. Sie sperrte den Kreuzfahrern den Weg zurück und trieb sie in die Hügel von Hattin, ein loses Bergland, das als Tal bekannt war. Es gab dort kein Wasser. Es war Hochsommer. Die Temperatur stieg über vierzig Grad. Saladins Bogenschützen umzingelten das Heer, nah genug zum Quälen, nicht nah genug zum schnellen Ende.

Das, was folgte, war keine spektakuläre Schlacht. Es war eine dreißigstündige Auflösung. Die Fußsoldaten starben zuerst—von Durst gelähmt, von Panik gehetzt. Die Ritter versuchten sich gegenseitig zu schützen, aber die Formation zerriss. Ritterorden, die sich für unbesiegbar hielten, zerfielen in panische Trauben. Am Ende des Tages waren etwa 4.000 Männer tot oder gefangen.

Saladins entscheidender Sieg über die Kreuzfahrer — Hattin, Kingdom of Jerusalem
Bild: Gustave Doré · Public domain

Aber die Zahlen sagen nicht das Schlimmste. Von den überlebenden Rittern wurden die meisten hingerichtet—nicht wild, sondern methodisch. Saladin ließ etwa zweihundert Tempelritter und Johanniter an diesem einen Nachmittag enthaupten. Sie waren Kreuzfahrer, die Männer, die die Burgen hielten, die Symbole der fränkischen Macht. Ihre Hinrichtung war keine Grausamkeit. Sie war Psychologie. Saladin zeigte der islamischen Welt: Diese Männer sind sterblich.

Innerhalb von vier Monaten war Jerusalem gefallen. Die Stadt, für die Hunderttausende gestorben waren, wurde verhandelt wie eine Handelsware. Saladin verlangte eine Lösegeldsumme. Die Kreuzfahrer zahlen sie und gingen. Der Traum der Wiedereroberung Jerusalems würde noch zwei weitere Jahrhunderte andauern, aber die illusion der permanenten fränkischen Herrschaft—sie starb an einem Tag ohne Wasser in einem Tal, dessen Name kein Kreuzfahrer hätte kennen sollen.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Battle of Hattin

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