Daily History
Politik & Staat

NHS gegründet: Kostenloses Gesundheitswesen für Großbritannien

United Kingdom

NHS gegründet: Kostenloses Gesundheitswesen für Großbritannien — United Kingdom
Bild: Elliott & Fry · Public domain

Am Morgen des 5. Juli 1948 passiert das Unmögliche in vollkommener Stille. Kein Fanfarenstoß, keine Menschenmasse, kein Moment, den ein Fotograf hätte festhalten können. Aneurin Bevan, der walisische Arbeiterminister mit dem Gesicht eines Boxers und dem Wortschatz eines Dichters, besucht das Park Hospital in Manchester. Die Betten sind bereits besetzt. Patienten liegen dort — manche mit Lungenentzündung, andere mit gebrochenen Knochen — und zahlen nichts. In der Geschichte der modernen Staaten ist das der Augenblick, in dem sich eine Gesellschaft selbst umdefiniert. Und es läuft ab wie eine Routineschicht.

Bis dahin war Krankheit in Großbritannien eine Klassenangelegenheit gewesen. Wer Geld hatte, rief einen Arzt. Wer keines hatte, litt oder starb. Die Arbeiter zahlten kleine Beiträge in Krankenkassen ein, aber Zahnbehandlung, Brillen, spezialisierte Operationen — das war den Wohlhabenden vorbehalten. 1931, inmitten der Depression, hatte ein Drittel der Bevölkerung gar keine ärztliche Versicherung. Bevan, aufgewachsen in Tredegar, Wales, in einer Familie von Bergleuten, hatte diese Unlogik sein Leben lang gekannt. "Niemand war jemals von einer Krankheit geheilt worden, weil er arm ist", sagte er später. Die Lösung, die er 1945 nach dem Wahlsieg der Labour-Partei entwarf, war strukturell radikal: Der britische Staat würde jeden Arzt, jedes Krankenhaus, jede Zahnarztpraxis kaufen — nicht als brutale Enteignung, sondern als Angebot. Die Ärzte würden verstaatlichte Angestellte. Die Patienten würden nichts zahlen.

Das hätte scheitern können. Tatsächlich hätte es beinahe. Die Ärzte leisteten Widerstand — erbittert. Sie fürchteten staatliche Kontrolle, reduzierte Einkommen, Bürokratie. 1948, als es ernst wurde, weigerten sich viele, sich registrieren zu lassen. Bevan musste verhandeln, nachgeben, versprechen, dass Ärzte ihre Unabhängigkeit bewahren könnten. Ein klassisches Zugeständnis: Der Staat zahlt, aber die Ärzte bleiben quasi freiberuflich. Es war ein Kompromiss, der das System rettet.

Am 5. Juli öffnet sich etwas Größeres als ein Krankenhaus. Es ist die erste Gesundheitssystem der Welt, das nicht an Reichtum gebunden ist. Der NHS startet mit etwa 2.800 Krankenhäusern und etwa 5.000 zur Verfügung stehenden Pflegekräften. In den ersten Wochen machen die Menschen massiv von ihrer neuen Freiheit Gebrauch — viele zum ersten Mal seit Jahren zum Zahnarzt gehen. Die Nachfrage schießt in die Höhe. Die Kosten auch.

Was Bevan nicht sehen konnte: dass dieser stille 5. Juli, dieser normale Morgen in Manchester, einen Standard setzen würde, den Besucher aus aller Welt später als Beweis anführen würden, dass es funktioniert. Der erste Staat, der es schafft. Das Irische ist nur dieses: Die britischen Ärzte, die dagegen kämpften, wurden am Ende selbst zu seinen größten Verteidigern. Sie hätten sich nicht vorstellen können, ohne ihn zu arbeiten.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/NHS

Politik & Staat

Wagner Act: Arbeiterrechte auf Kollektivverhandlungen

Washington, D.C., United States

Weniger als anderthalb Jahre, nachdem Roosevelt das Gesetz unterzeichnete, besetzten Arbeiter die General Motors Fabrik in Flint, Michigan. Sie blieben zwei Monate lang. Sie schliefen dort, aßen dort, verweigerten die Arbeit — und niemand durfte sie einfach hinaustreiben. Was am 5. Juli 1935 noch unmöglich gewesen war, wurde Routine: Arbeiter, die sich weigerten zu arbeiten, konnten nicht mehr ohne Konsequenzen gefeuert oder verhaftet werden.

Davor war die Realität grausam simpel. Ein Fabrikarbeiter, der einer Gewerkschaft beitrat oder von Union-Aktivität sprach, konnte am nächsten Tag entlassen werden. Die Polizei durfte Streiks auseinandertreiben. Privatunternehmen beschäftigten bewaffnete Männer — "company police" nannten sie das — um Arbeiter einzuschüchtern oder zu verprügeln. Widerstand gegen diese Gewalt war legal nicht möglich. Der Staat stand konsequent an der Seite der Fabrikbesitzer.

Das war nicht Extremismus; das war Standard. Im Jahr 1914 töteten von der Rockefeller-Familie bezahlte bewaffnete Männer in Ludlow, Colorado, mindestens 13 Menschen — darunter zwei Frauen und elf Kinder, die in Zelten neben einer Bergarbeiterkolonie lebten. Das Ludlow Massaker war horribel, doch es war nicht Ausnahme. Es war das natürliche Endprodukt eines Systems, das Arbeiter als Eigentum behandelte.

Der Wagner Act — offiziell National Labor Relations Act — brach dieses System auf. Er etablierte ein Prinzip, das bis dahin radikal war: Arbeiter hatten das Recht, sich zu organisieren, zu streiken und kollektiv mit ihrem Arbeitgeber zu verhandeln. Eine neue Regierungsbehörde, die National Labor Relations Board, sollte diese Rechte durchsetzen. Wenn eine Mehrheit der Arbeiter einer Gewerkschaft beitrat, musste der Arbeitgeber mit dieser Gewerkschaft verhandeln — nicht aus Wohlwollen, sondern per Gesetz.

Die konservativen Kritiker brüllten "Sozialismus!" Sie hatten nicht völlig Unrecht. Aber Roosevelt und sein Team verstanden etwas Elementares: Ein System, das Arbeitern keinen legalen Weg zu Beschwerde gab, würde sich selbst zerstören — nicht durch ordentliche Petitionen, sondern durch Revolte und Bomben. Besser, dachte man, legalisieren wir den Protest, als dass wir ihn unterdrücken, bis er explodiert.

Nur funktionierte das Gegenteil. Statt Ruhe kam Ausnahmezustand. Die Gewerkschaftsmitgliedschaft verdoppelte sich innerhalb von Monaten. Zwischen 1936 und 1941 erlebte Amerika die größte Welle von Streiks in seiner gesamten Geschichte — Sit-down Strikes, wilde Streiks, Konfrontationen in hunderten Fabriken. Der Staat hatte nicht Frieden erzwungen. Er hatte legalisiert, was er vorher unterdrückt hatte, und entfesselt damit eine Generation von Kämpfen.

Heute behandeln wir das Recht zu streiken als natürlich American, so grundlegend wie Wahlen. Wir vergessen: Diese Rechte waren gekämpft, umstritten, fast unmöglich — bevor ein Präsident sie aufzwang. Und sobald sie existierten, sobald sich Millionen Arbeiter organisieren konnten, gab es kein Zurück. Nicht weil der Kampf vorbei war, sondern weil er nun legal war und keiner ihn mehr stoppen konnte.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/National Labor Relations Act

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