Potsdamer Konferenz Gestaltet die Nachkriegswelt
Potsdam, Germany
Churchill saß in einem Sessel, der nicht für ihn bestimmt war. Der britische Premierminister hatte sich in Potsdam, einem verschlafenen Vorort Berlins, niedergelassen, um mit Stalin und Truman die Welt neu zu verteilen – und merkte dabei, dass er selbst bereits am Rand dieser Welt stand.
Es war der 17. Juli 1945. Europa lag in Trümmern. Die Bomben waren verstummt, aber die Fragen, die sie hinterlassen hatten, waren lauter denn je: Wer kontrolliert was? Wer zahlt? Wer bestraft? Drei Männer saßen sich gegenüber, jeder mit einer anderen Vorstellung davon, wie die Erde aussehen sollte, wenn das Treffen vorbei war.
Churchill war der Veterane unter ihnen – ein Mann, der zwei Weltkriege kommen sah wie ein Bauer Gewitter kommen sieht. Truman war seit weniger als drei Monaten Präsident und trug noch immer die Nervosität eines Mannes, der unvorbereitet befördert wurde. Stalin war der Schachspieler, der bereits während des Krieges sein nächstes Spiel geplant hatte, während die anderen noch die aktuelle Partie zu gewinnen versuchten.
Was sich in Potsdam ereignete, war nicht nur eine Konferenz – es war das Moment, in dem die Illusion der Einigkeit zusammenbrach. Zuvor hatten die Alliierten vorgegeben, an einem Strang zu ziehen. Die Sowjetunion und der Westen würden gemeinsam das Nazi-Reich zerschlagen und dann friedlich auseinandergehen. Aber in den Sommerwochen von 1945 wurde klar, dass das eine Märchengeschichte war, die niemand wirklich geglaubt hatte.
Die Zahlen erzählen die Geschichte: 385 Millionen Menschen lebten in den Gebieten, die neu verteilt wurden. Polen würde nach Westen rücken, Deutschland würde schrumpfen, die Sowjetunion würde expandieren. Es war die größte territoriale Umgestaltung seit dem Wiener Kongress – aber dieses Mal ohne den Luxus der Zeit. Die Grenzen wurden nicht gezogen von Diplomaten in Anzügen, die wussten, was sie taten. Sie wurden gezogen von erschöpften Männern, die Angst voreinander hatten.
Churchill verlor sein Amt während der Konferenz. Während er noch im Sitzungssaal saß, stimmte Großbritannien ab – und wählte ihn ab. Er kehrte zur Konferenz zurück, nicht mehr als Premierminister, sondern als Anführer einer Opposition. Es gibt wenige Momente in der Geschichte, in denen man so deutlich sehen kann, wie die Macht einem davonrennt.
Was vorher unmöglich war, wurde danach alltäglich: Die Welt aufzuteilen wie ein Kuchen, ohne zu fragen, ob die auf dem Kuchen sitzen mögen. Millionen wurden vertrieben – Deutsche aus Osteuropa, Polen, Ukrainer – in einer Umsiedlung, die so gigantisch war, dass sie kaum noch als Katastrophe wahrgenommen wurde. Sie war einfach Arithmetik der neuen Ordnung.
Aber das Merkwürdigste war dies: Die drei Männer, die in Potsdam saßen, um Frieden zu schaffen, schafften nur die Voraussetzungen für einen neuen Krieg. Sie wussten es nicht, oder wollten es nicht wissen. Sie waren zu erschöpft, um weiter zu denken als bis zur nächsten Grenzlinie. Innerhalb von vier Jahren würde ein Eiserner Vorhang fallen, und die Welt, die sie in Potsdam gebaut hatten, würde für die nächsten 45 Jahre in zwei Teile gerissen sein.