USS Indianapolis durch japanische Torpedos versenkt
Philippine Sea
Um 00:36 Uhr in der Nacht des 30. Juli 1945 explodiert die USS Indianapolis in zwei Teilen. Das Schiff sinkt in zwölf Minuten. Von den 1.196 Mann an Bord werden 300 ins Wasser gespült; die anderen gehen mit dem Schiff unter oder ertrinken in den ersten Minuten des Chaos. Was folgt, ist kein Kampf gegen den Feind. Es ist ein Kampf gegen das Meer selbst — und gegen die Zeit, die niemandem hilft.
Das Kreuzergewicht von knapp 10.000 Tonnen zählt plötzlich nichts mehr. Der japanische U-Boot-Kapitän Hashimoto Mochitsura hat zwei Torpedos abgefeuert — um 00:33 Uhr. Der erste trifft den Bug. Der zweite trifft mittschiffs und zerreißt das Schiff wie Papier. Kapitän Charles McVay steht auf der Brücke, als das erste Loch in den Rumpf reißt. Er befiehlt Abandon Ship. Es ist das erste und einzige Mal in diesem Krieg, dass ein amerikanischer Kriegsschiff von einem U-Boot versenkt wird — und es passiert fünf Tage vor Kriegsende in der Pazifik. Die Ironie sitzt tief.
Aber das Versenken ist nur der Anfang. Niemand sendet einen Notruf ab. Die Funkanlage ist zerstört. Das Schiff hat gerade die Atombombe nach Tinian Island gebracht — die Bombe, die Hiroshima zerstören wird — und jetzt sinkt es lautlos in die Dunkelheit. Niemand weiß, wo die Indianapolis ist. Niemand sucht nach ihr.
Die Überlebenden treiben im Wasser. Es gibt nicht genug Rettungsflöße für alle. 300 Männer verteilen sich auf vier Flöße; der Rest hält sich an Wrackteilen fest oder schwimmt einfach. Sie haben kein Wasser, keine Medikamente, keine Hoffnung auf schnelle Rettung. Die Sonne brennt. Die Haie kommen.
Das Schlimmste ist nicht das Ertrinken. Es ist das Warten. Nach 84 Stunden — dreieinhalb Tage — bemerkt ein Flugzeug zufällig Ölflecken auf dem Wasser. Der Pilot meldet es. Ein Rettungsschiff wird losgeschickt. Als die Überlebenden endlich an Bord geholt werden, sind von 1.196 nur noch 317 am Leben. 879 sind tot. Es ist die größte Marinekatastrophe in der Geschichte der US Navy.
Die Geschichte wird noch seltsamer. Kapitän McVay wird vor Gericht gestellt — nicht wegen des Versenks, sondern weil das Schiff nicht schnell genug gesunken ist. Die Marine beschuldigt ihn der Fahrlässigkeit. Der U-Boot-Kapitän Hashimoto wird als Zeuge in die USA gebracht, um gegen McVay auszusagen. Ein besiegter Feind bezeugt gegen den amerikanischen Kommandanten. McVay wird schuldig gesprochen. Später wird er rehabilitiert, aber der Schaden ist angerichtet.
Jahrzehnte später schreibt ein Junge namens Hunter Scott eine Schularbeit über die Indianapolis. Er findet Überlebende, interviewt sie, entdeckt Fehler in den offiziellen Berichten. Seine Arbeit führt dazu, dass McVay posthum völlig entlastet wird. Ein Teenager korrigiert die Marine. Die Indianapolis sinkt nicht wegen eines Befehls. Sie sinkt, weil niemand zuhörte — und weil Krieg nicht nach Logik funktioniert, selbst wenn der Krieg gerade endet.