Daily History
Wissenschaft & Entdeckung

Trinity: Die Erste Atombombe

Alamogordo, New Mexico, USA

Trinity: Die Erste Atombombe — Alamogordo, New Mexico, USA
Bild: Jack W. Aeby, July 16, 1945, Civilian worker at Los Alamos laboratory, working under the aegis of the Manhattan Project. · Public domain

Robert Oppenheimer stand in der Kontrollbaracke, etwa zehn Kilometer entfernt, und wartete darauf, dass die Welt sich verändern würde – wobei er nicht sicher war, ob das eine gute Idee war.

Es ist 5:29 Uhr und 45 Sekunden am Morgen des 16. Juli 1945. Die Wüste von New Mexico ist noch dunkel. Ein Countdown läuft. In der Baracke sitzen Wissenschaftler, Militärs und Techniker, die meisten von ihnen haben in den letzten drei Jahren an einem geheimen Projekt gearbeitet, das so groß war, dass es eine ganze Stadt brauchte – Los Alamos, wo 130.000 Menschen lebten und arbeiteten, ohne dass die Öffentlichkeit davon wusste. Sie haben gerade eine Bombe gebaut. Jetzt werden sie sehen, ob sie funktioniert.

Der Countdown erreicht Null. Nichts passiert für eine Sekunde – eine Ewigkeit für Menschen, die wissen, dass sie gerade möglicherweise die Atmosphäre in Brand gesetzt haben könnten. (Das war tatsächlich ein ernsthafter Diskussionspunkt gewesen. Edward Teller und andere Physiker hatten sich gefragt, ob eine Atomexplosion eine Kettenreaktion in der Luft auslösen könnte, die den ganzen Planeten verzehrt. Sie beschlossen, dass die Chancen gering genug waren, um es zu versuchen.)

Trinity: Die Erste Atombombe — Alamogordo, New Mexico, USA
Bild: Samat Jain · Public domain

Dann: ein Blitz, heller als die Sonne, obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Das Licht breitet sich aus wie eine neue Realität, die die alte verdrängt. Eine Sekunde später die Schockwelle – nicht nur Lärm, sondern eine physische Kraft, die die Baracke erschüttert. Fenster zersplittern in Gebäuden, die 160 Kilometer entfernt sind. Der Feuerball steigt auf, orange und rot, wächst zu einer Pilzform, die in wenigen Minuten 12.000 Meter hoch ist.

Oppenheimer sagt später, dass ihm dabei ein Vers aus der Bhagavad Gita in den Sinn kommt: "Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten." Es ist eine gute Anekdote. Die Wahrheit ist wahrscheinlich komplizierter und weniger literarisch.

Trinity: Die Erste Atombombe — Alamogordo, New Mexico, USA
Bild: United States Army · Public domain

Was passiert ist, ist folgendes: Wissenschaftler haben herausgefunden, wie man Uran-235-Atome spaltet. Wenn man genug davon spaltet – kritische Masse, nennt man das – entsteht eine Kettenreaktion, bei der jede Spaltung mehr Spaltungen auslöst. Die Energie, die dabei freigesetzt wird, ist unvorstellbar. Trinity setzt etwa 22.000 Tonnen TNT-Äquivalent frei. Der Feuerball hat eine Temperatur von etwa 3.900 Grad Celsius. Alles im Umkreis von einem Kilometer wird verdampft oder verbrannt.

Das Seltsame: Niemand sagt danach wirklich, dass es funktioniert hat. Sie wissen es natürlich. Aber es gibt keinen Jubel in der Baracke. Stattdessen: Stille. Dann Handschütteln. Ein paar Leute weinen. Oppenheimer raucht eine Zigarette. General Leslie Groves, der das ganze Projekt geleitet hat, sagt zu Oppenheimer: "Der General wird begeistert sein." Der General ist Henry "Hap" Arnold, Oberbefehlshaber der US Air Force. Was Groves nicht sagt: Dass die Bombe, die sie gerade gezündet haben, in weniger als einem Monat auf zwei japanische Städte fallen wird. Dass 200.000 Menschen sterben werden. Dass die Welt jetzt weiß, dass es möglich ist, Millionen von Menschen in Sekunden zu töten.

Am nächsten Morgen liest ein Farmer in der Nähe in der Zeitung, dass ein Munitionslager explodiert ist. Er glaubt es. Es ist die offizielle Erklärung.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Trinity (nuclear test)

Krieg & Konflikt

Massaker von Srebrenica Beginnt

Srebrenica, Bosnia and Herzegovina

Massaker von Srebrenica Beginnt — Srebrenica, Bosnia and Herzegovina
Bild: Michael Büker · CC BY-SA 3.0

An einem Julimorgen im Jahr 1995 marschierten 8.000 Menschen in einen Wald und kamen nicht wieder heraus. Nicht alle starben dort sofort. Manche liefen noch tagelang durch die Wälder von Ostbosnien, während hinter ihnen das Schießen weiterging.

Srebrenica war eine Stadt, die es eigentlich nicht geben durfte. Während des Balkankrieges hatten die Vereinten Nationen sie 1993 zur "sicheren Zone" erklärt — ein Schutzgebiet für Bosniaken, die vor serbischen Milizen flohen. Auf einer Fläche von etwa 150 Quadratkilometern drängten sich am Ende etwa 40.000 Menschen zusammen. Kinder wurden dort geboren. Menschen starben an Hunger. Ein niederländisches Bataillon von etwa 400 Soldaten sollte die Ordnung halten.

Der Kommandant der serbischen Armee, Ratko Mladić, war ein großer Mann mit grauen Haaren und einem Hang zur Sentimentalität. Er schrieb Gedichte. Er liebte seinen Sohn. Er war auch jemand, der Befehle erteilte, die zum Mord an etwa 8.000 Menschen führten — Männer und Jungen von etwa 13 bis 77 Jahren, überwiegend zivil, überwiegend unbewaffnet.

Massaker von Srebrenica Beginnt — Srebrenica, Bosnia and Herzegovina
Bild: Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Die Offensive begann im Juli. Die niederländischen Blauhelme konnten nichts tun. Einer ihrer Offiziere weigerte sich später, die Niederländer hätten kämpfen können; sie hätten nur nicht kämpfen dürfen. Das ist die Wahrheit, die langsam in einem brennt: Sie standen da. Sie sahen, was geschah. Die Regeln des Einsatzes erlaubten ihnen nicht einzugreifen.

Was folgte, war industriell organisiert. Die serbischen Kräfte trennten Männer von Frauen, Jungen von Müttern. Busse fuhren vor. Soldaten notierten Namen auf Zetteln — Verwaltung des Todes. Etwa 25.000 Menschen wurden vertrieben. Die Männer? Sie wurden zu Exekutionsstätten gefahren. Manche wurden in Massengräbern begraben, bevor sie tot waren.

Massaker von Srebrenica Beginnt — Srebrenica, Bosnia and Herzegovina
Bild: User:Emir Arven · CC BY-SA 3.0

Das Merkwürdige ist: Es war nicht geheim. Journalisten berichteten davon. Funksprüche wurden abgefangen. Satellitenbilder zeigten die Massengräber. Die Welt wusste es. Die Vereinten Nationen wussten es. Und trotzdem dauerte es über ein Jahrzehnt, bis Mladić gefasst wurde — versteckt in Serbien, geschützt von Menschen, die ihn nicht an Den Haag ausliefern wollten.

Die Zahl ist das Verstörendste: 8.000. Nicht 8.001, nicht 7.999. In den Jahren danach wurden Massengräber nach Massengrab ausgegraben. Die Zahl blieb gleich. So genau war die Buchführung gewesen.

Heute ist Srebrenica ein Mahnmal. Touristen fahren hin. Ein Museum zeigt Fotos von Menschen, die es nicht mehr gibt. Und in Serbien gibt es Menschen, die sagen, dass es nie passiert ist, dass die Zahlen übertrieben sind, dass es Krieg war und Krieg hat keine Regeln. Das ist vielleicht das Verstörendste von allem: dass man einen Mord an 8.000 Menschen anzweifeln kann und dass Millionen das glauben.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Srebrenica massacre

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