Trinity: Die Erste Atombombe
Alamogordo, New Mexico, USA
Robert Oppenheimer stand in der Kontrollbaracke, etwa zehn Kilometer entfernt, und wartete darauf, dass die Welt sich verändern würde – wobei er nicht sicher war, ob das eine gute Idee war.
Es ist 5:29 Uhr und 45 Sekunden am Morgen des 16. Juli 1945. Die Wüste von New Mexico ist noch dunkel. Ein Countdown läuft. In der Baracke sitzen Wissenschaftler, Militärs und Techniker, die meisten von ihnen haben in den letzten drei Jahren an einem geheimen Projekt gearbeitet, das so groß war, dass es eine ganze Stadt brauchte – Los Alamos, wo 130.000 Menschen lebten und arbeiteten, ohne dass die Öffentlichkeit davon wusste. Sie haben gerade eine Bombe gebaut. Jetzt werden sie sehen, ob sie funktioniert.
Der Countdown erreicht Null. Nichts passiert für eine Sekunde – eine Ewigkeit für Menschen, die wissen, dass sie gerade möglicherweise die Atmosphäre in Brand gesetzt haben könnten. (Das war tatsächlich ein ernsthafter Diskussionspunkt gewesen. Edward Teller und andere Physiker hatten sich gefragt, ob eine Atomexplosion eine Kettenreaktion in der Luft auslösen könnte, die den ganzen Planeten verzehrt. Sie beschlossen, dass die Chancen gering genug waren, um es zu versuchen.)
Dann: ein Blitz, heller als die Sonne, obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Das Licht breitet sich aus wie eine neue Realität, die die alte verdrängt. Eine Sekunde später die Schockwelle – nicht nur Lärm, sondern eine physische Kraft, die die Baracke erschüttert. Fenster zersplittern in Gebäuden, die 160 Kilometer entfernt sind. Der Feuerball steigt auf, orange und rot, wächst zu einer Pilzform, die in wenigen Minuten 12.000 Meter hoch ist.
Oppenheimer sagt später, dass ihm dabei ein Vers aus der Bhagavad Gita in den Sinn kommt: "Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten." Es ist eine gute Anekdote. Die Wahrheit ist wahrscheinlich komplizierter und weniger literarisch.
Was passiert ist, ist folgendes: Wissenschaftler haben herausgefunden, wie man Uran-235-Atome spaltet. Wenn man genug davon spaltet – kritische Masse, nennt man das – entsteht eine Kettenreaktion, bei der jede Spaltung mehr Spaltungen auslöst. Die Energie, die dabei freigesetzt wird, ist unvorstellbar. Trinity setzt etwa 22.000 Tonnen TNT-Äquivalent frei. Der Feuerball hat eine Temperatur von etwa 3.900 Grad Celsius. Alles im Umkreis von einem Kilometer wird verdampft oder verbrannt.
Das Seltsame: Niemand sagt danach wirklich, dass es funktioniert hat. Sie wissen es natürlich. Aber es gibt keinen Jubel in der Baracke. Stattdessen: Stille. Dann Handschütteln. Ein paar Leute weinen. Oppenheimer raucht eine Zigarette. General Leslie Groves, der das ganze Projekt geleitet hat, sagt zu Oppenheimer: "Der General wird begeistert sein." Der General ist Henry "Hap" Arnold, Oberbefehlshaber der US Air Force. Was Groves nicht sagt: Dass die Bombe, die sie gerade gezündet haben, in weniger als einem Monat auf zwei japanische Städte fallen wird. Dass 200.000 Menschen sterben werden. Dass die Welt jetzt weiß, dass es möglich ist, Millionen von Menschen in Sekunden zu töten.
Am nächsten Morgen liest ein Farmer in der Nähe in der Zeitung, dass ein Munitionslager explodiert ist. Er glaubt es. Es ist die offizielle Erklärung.