Erste Farbfernsehübertragung Gelingt
New York, USA
Am 22. Juli 1951 saß ein Mann namens Bill Ennor vor einem Fernsehgerät in New York und sah etwas, das sein Gehirn zunächst ablehnte: eine Rose. Nicht grau. Nicht in Abstufungen von Schwarz und Weiß, wie jede Rose, die jemals in einem Wohnzimmer geblüht hatte. Sondern rot. Intensiv, unmöglich rot.
Das war das Problem mit dem Fernsehen bis zu diesem Moment. Die Welt war grau geworden. Nicht wirklich grau – draußen leuchteten Autos in Chromrot, Gärten explodierten in Grün – aber sobald man den Apparat einschaltete, verschwand die Farbe. Das war normal. Das war erwartet. Das war, so schien es, permanent.
Das RCA-System, das seit 1950 existierte, funktionierte zwar, aber es war inkompatibel. Alte Schwarzweiß-Fernseher zeigten nur Schnee. Niemand würde die Geräte austauschen. Millionen von ihnen standen bereits in amerikanischen Wohnzimmern. Also erfand CBS etwas anderes: ein System, das rückwärts funktionierte. Ein Signal, das sowohl auf alten als auch auf neuen Geräten lief. Das war die Technologie, die Ennor an jenem Sommertag sah.
Die Demonstration fand im Labor statt, vor Ingenieuren der Federal Communications Commission. Die Männer in Anzügen – und es waren ausschließlich Männer – beobachteten, wie die Kamera eine Schachtel Äpfel filmte. Orange. Gelb. Rot. Dann folgte ein Modell in einem rosa Kleid. Dann die Rose. Die Ingenieure machten sich Notizen. Sie waren Techniker, nicht Träumer, aber die Notizen häuften sich.
Das Seltsame war: RCA wusste bereits, dass CBS diesen Tag kommen sah. Die Unternehmen hatten sich schon monatelang bekämpft. RCA verdiente Millionen mit seinem inkompatiblen System – Kunden mussten neue Fernseher kaufen. CBS wollte das Gegenteil. Ein System, das alle Fernseher funktionieren ließ, war nicht rentabel für die Gerätehersteller. Aber es war rentabel für CBS. Wenn jeder den Sender sehen konnte, würden mehr Menschen fernsehen. Mehr Menschen bedeuteten mehr Werbung.
Die Ironie war scharf wie Glas: Die Lösung für das Problem war nicht technisch, sondern ökonomisch. CBS gewann nicht, weil die Ingenieure smarter waren. CBS gewann, weil das Geschäftsmodell des Senders mit einem kompatiblen Standard verdienen konnte, während RCA mit einem inkompatiblen verdienen wollte. Die FCC hätte das wissen können. Vielleicht wussten sie es auch.
Im Herbst 1951 gab die FCC dem CBS-System den Vorzug. RCA protestierte heftig. Dann tat RCA etwas Überraschendes: Es entwickelte ein neues System, das ebenfalls kompatibel war. Besser kompatibel. Die FCC änderte ihre Entscheidung. 1953 wurde RCAs Standard zur Norm in den USA.
Das Schwarzweiß-Fernsehen blieb noch zehn Jahre lang die Mehrheit. Die Rose, die Bill Ennor sah, war also nicht der Anfang von etwas Neuem. Sie war eher ein Versprechen, das sich verzögerte. Nicht weil die Technologie nicht bereit war. Sondern weil die Wirtschaft noch nicht bereit war, dass alle das Gleiche sahen.