Erste Schlacht von Bull Run Beginnt
Manassas, Virginia, USA
An einem Julimorgen des Jahres 1861 packten Tausende Washingtoner ihre Picknickkörbe und fuhren mit Kutschen zu einem Ort namens Bull Run, um einem Krieg zuzuschauen. Sie erwarteten ein kurzes Schauspiel, eine schnelle Schlacht, in der die Unionstruppen die Rebellen vertreiben würden. Stattdessen sahen sie, wie die amerikanische Republik auseinanderbrach — und viele von ihnen mussten panisch fliehen, als die Schießerei näher kam.
Das Interessante, das die meisten Schulbücher übersehen, ist dies: Der Krieg sollte überhaupt nicht stattfinden. Oder zumindest nicht so. Die Konföderierten unter General P.G.T. Beauregard wollten die Union einfach in Ruhe lassen. Die Union unter Präsident Abraham Lincoln war es, die beschloss, die Sache zu erzwingen. Lincoln brauchte einen schnellen Sieg, um die nordstaatliche Moral zu stärken und den Süden einzuschüchtern. Sein General Irvin McDowell erhielt den Befehl, Virginias Eisenbahnknotenpunkt Manassas anzugreifen — heute nennt man es Bull Run, nach dem Fluss, der durch das Schlachtfeld fließt.
McDowell war kein Idiot. Er kannte die Zahlen. Etwa 30.000 Unionssoldaten gegen 22.000 Konföderierten. Die Chancen waren auf seiner Seite. Was er nicht wusste — oder nicht wissen wollte — war, dass die Konföderierten Verstärkung erwarteten. Ein anderes südstaatliches Heer unter Joseph E. Johnston war nur wenige Meilen entfernt und konnte, wenn es schnell genug war, eintreffen. Das ist die entscheidende Detail, die Lincoln und McDowell übersahen: Die Eisenbahn. Die Konföderierten nutzten sie, um Johnston rechtzeitig zu verlegen. Etwa 12.000 zusätzliche Soldaten kamen gerade noch an.
Die Schlacht selbst war chaotisch. Die Unionstruppen drängten die Konföderierten zunächst zurück. Die südlichen Linien wankten. Ein südstaatlicher General namens Thomas Jackson stand wie ein Felsen auf einem Hügel — Kugeln flogen um ihn herum, und er rührte sich nicht. Ein anderer General, Barnard Bee, sah das und schrie zu seinen Männern: "Seht, da steht Jackson wie eine Steinmauer!" Jackson bekam einen neuen Namen an diesem Tag: Thomas "Stonewall" Jackson. Die Geschichte erinnert sich an sein Mut, aber es war auch Verzweiflung — er wusste, dass sein Heer ohne Verstärkung verloren war.
Dann kam die Wende. Als die Union glaubte, bereits gewonnen zu haben, trafen Johnstons Truppen ein. Die Konföderierten griffen an. Die Unionssoldaten, viele von ihnen Anfänger ohne echte Kampferfahrung, begannen zu zerfallen. Dann wurde es zur Flucht. Der Weg zurück nach Washington verwandelte sich in Chaos — Soldaten warfen ihre Waffen weg, Kutschen kollidierten, die Zivilisten, die zum Picknick gekommen waren, fuhren in wilder Panik davon.
Die Zahlen waren brutal: etwa 900 Tote auf jeder Seite, insgesamt 2.700 Verwundete. Für Amerika war es ein Schock. Das Land hatte gehofft, dass dieser Krieg kurz sein würde. An diesem Tag, auf diesem schlammigen Feld in Virginia, wurde klar, dass es Jahre dauern würde. Lincoln saß in seinem Büro und las die Berichte. Die schnelle Niederlage, die er verhindern wollte, hatte er erzwungen. Die Lektion war hart: In einem Krieg zwischen zwei Völkern gibt es keine kurzen Siege, nur längere Niederlagen.