Daily History
Krieg & Konflikt

Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg

Vienna, Austria-Hungary

Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg — Vienna, Austria-Hungary
Bild: Willibald Krain (1886–1945) · Public domain

Ein Ultimatum, das niemand erfüllen konnte, wurde am 23. Juli 1914 dem serbischen König überreicht – zehn Punkte, jede einzelne eine Demütigung, zusammen ein unmögliches Angebot. Österreich-Ungarn hatte beschlossen, dass die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand mit Krieg beantwortet werden musste, und Serbien sollte das Werkzeug sein, auf dem dieses Prinzip exekutiert wurde.

Die Sache war diese: Bis zu diesem Moment hatten europäische Großmächte Kriege noch wie eine Art diplomatisches Spiel gespielt. Man drohte, man verhandelte, man zog sich zurück. Konflikte waren regional, begrenzt, kontrollierbar. Ein Staat konnte einen anderen bestrafen, ohne dass die ganze Welt in Flammen aufging. Das Gleichgewicht der Kräfte war das Geheimnis – jede Partei wusste, dass zu weit gehen bedeutete, dass andere eingreifen würden. Dieses System war über hundert Jahre alt. Es hatte funktioniert, weil alle es respektierten.

Dann kam der 28. Juli 1914. Österreich-Ungarn erklärte Serbien den Krieg. Nicht, weil die Diplomatie gescheitert war – sie war nie wirklich versucht worden –, sondern weil Wien beschlossen hatte, dass Serbien zerstört werden musste. Der österreichische Generalstab hatte die Zahlen durchgerechnet: Sie könnten es tun. Russland war schwach. Frankreich war weit weg. Deutschland hatte zugesagt, Österreich den Rücken zu decken.

Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg — Vienna, Austria-Hungary
Bild: Achille Beltrame · Public domain

Was folgte, war das Ende der alten Ordnung. Innerhalb von drei Wochen hatte jede europäische Großmacht außer Italien mobilisiert. Russland marschierte auf, um Serbien zu schützen. Deutschland erklärte Russland den Krieg. Frankreich mobilisierte für Russland. Deutschland marschierte in Belgien ein, um Frankreich zu schlagen, und Großbritannien erklärte Deutschland den Krieg, weil Belgien neutral sein sollte. Das Domino-System, das niemand wirklich verstanden hatte, spielte sich ab wie ein Uhrwerk.

Hier ist das Verrückte daran: Niemand wollte diesen Krieg wirklich. Die Kaiser schrieben sich Briefe, in denen sie versuchten, ihn zu verhindern. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war entsetzt, als er erkannte, dass sein Bündnissystem ihn in genau den Zweifrontenkrieg gezogen hatte, den der Generalstab sein ganzes Leben lang hatte vermeiden wollen. Aber niemand wusste, wie man das Rad anhielt. Die Befehle waren ausgegeben. Die Züge fuhren. Die Soldaten marschierten.

Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg — Vienna, Austria-Hungary
Bild: Unknown photographer · Public domain

Vor dem 28. Juli 1914 war es möglich gewesen, sich Krieg zwischen Großmächten vorzustellen und dann zu denken: Das wird nicht passieren. Die Kosten sind zu hoch. Die Verflechtung zu groß. Nach diesem Tag war klar, dass rationale Kalkulationen nicht zählten. Systeme konnten sich selbst zerstören. Und tatsächlich zerstörten sie sich selbst – vier Jahre lang, 20 Millionen Tote, und die alte Welt war einfach weg.

Der österreichische Außenminister Leopold Berchtold unterschrieb die Kriegserklärung mit den Worten: "Jetzt können wir nur noch beten." Das war nicht die Sprache eines Mannes, der einen Sieg geplant hatte. Es war die Sprache eines Mannes, der gerade etwas Unumkehrbares getan hatte und es nicht einmal richtig verstand.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/July Crisis

Politik & Staat

Vierzehnter Zusatzartikel ratifiziert

United States

Vierzehnter Zusatzartikel ratifiziert — United States
Bild: National Archives of the United States · Public domain

Die Männer, die am 28. Juli 1868 die vierzehnte Zusatzbestimmung ratifizierten, wussten nicht, dass sie gerade eine Zeitbombe schärften. Sie dachten, sie lösten ein Problem. Tatsächlich schufen sie eines, das hundert Jahre später explodieren würde.

Drei Jahre waren seit Lees Kapitulation vergangen. Der Süden lag in Trümmern. Und nun musste Amerika entscheiden, was Bürgerschaft eigentlich bedeutete. Die vierzehnte Zusatzbestimmung war die Antwort der Republikaner im Kongress — eine Antwort, die so radikal war, dass die meisten ihrer Verfasser nicht wirklich verstanden, was sie gerade in Kraft setzten.

Der Text selbst wirkt harmlos: Niemand darf einem Bürger das Leben, die Freiheit oder das Eigentum nehmen ohne ordentliches Verfahren. Der Staat muss allen den gleichen Schutz der Gesetze gewähren. Einfach. Fair. Langweilig, könnte man meinen. Aber hier liegt die Täuschung. Diese 367 Wörter würden zum Schlachtfeld aller kommenden Verfassungskämpfe werden.

Vierzehnter Zusatzartikel ratifiziert — United States
Bild: National Archives of the United States · Public domain

Die Republikaner waren in Panik. Die Südstaaten sollten wieder in die Union zurück, aber nur unter Bedingungen. Die Versklavung war vorbei — das war klar. Aber wie sollte man verhindern, dass die Südstaaten einfach neue Gesetze schrieben, die Schwarze Menschen faktisch versklaven würden? Die Antwort war genial und gleichzeitig naiv: Man würde die Bundesverfassung selbst ändern. Man würde Bürgerschaft definieren. Man würde Gleichheit garantieren. Auf dem Papier.

Das Problem war: Niemand wusste wirklich, was das bedeuten sollte. Der Kongress debattierte monatelang über ein Wort, das heute in jeder Schulbank der Vereinigten Staaten herumgeistert — "equal protection", gleicher Schutz. Was ist gleich? Gleiche Chancen? Gleiche Ergebnisse? Gleiche Behandlung? Die Verfassungsväter der vierzehnten Zusatzbestimmung gaben keine Antwort. Sie konnten es nicht.

Vierzehnter Zusatzartikel ratifiziert — United States
Bild: Mathew Benjamin Brady · Public domain

Von den 36 Staaten, die abstimmen mussten, ratifizierten genau 28 die Zusatzbestimmung. Das war knapp. Die Südstaaten lehnten ab — mit Ausnahme derer, die von Bundesarmeen besetzt waren und keine Wahl hatten. Niemand jubelte. Es war eine Niederlage, die wie ein Sieg aussah.

Und dann passierte das Sonderbare: Das, was die Republikaner 1868 schrieben, um die Macht der Südstaaten zu brechen, wurde hundert Jahre später zur Waffe gegen die Jim-Crow-Gesetze. Die gleiche Klausel, die Schwarze Menschen nicht schützte, als sie geschrieben wurde, schützte sie, als eine neue Generation von Richtern sie las. Die Verfasser hätten das nicht vorgesehen. Sie hätten es wahrscheinlich nicht einmal gewollt.

Am Ende war die vierzehnte Zusatzbestimmung das perfekte Beispiel für etwas, das Amerika immer wieder tut: Es schreibt Prinzipien auf, die es selbst nicht verstanden hat, und hofft, dass zukünftige Generationen sie besser ausfüllen können. Manchmal funktioniert das. Manchmal auch nicht. In diesem Fall funktionierte es — aber erst, nachdem noch einmal hundert Jahre Kampf nötig waren.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Fourteenth Amendment to the United States Constitution

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