Daily History
Krieg & Konflikt

Österreich-Ungarn Erklärt Serbien den Krieg und Löst den Ersten Weltkrieg aus

Vienna, Austria-Hungary

Österreich-Ungarn Erklärt Serbien den Krieg und Löst den Ersten Weltkrieg aus — Vienna, Austria-Hungary
Bild: Willibald Krain (1886–1945) · Public domain

Am 27. Juli 1914 unterschrieb der österreichisch-ungarische Außenminister Leopold Berchtold ein Dokument, das die Welt in den nächsten vier Jahren mehr verändern würde als jedes andere Blatt Papier seit Napoleons Zeiten. Es war eine Kriegserklärung gegen Serbien. Das Merkwürdige: Niemand, der es unterzeichnete, glaubte wirklich, dass es so enden würde.

Drei Wochen zuvor war Erzherzog Franz Ferdinand tot. Die Schüsse in Sarajevo waren gefallen, und sofort begannen die Diplomaten ihre Züge zu spielen wie Männer, die ein Schachspiel führen, bei dem die Regeln niemand mehr kennt. Wien beschuldigte Serbien der Verschwörung. Berlin versprach bedingungslose Unterstützung. Russland mobilisierte zum Schutz Serbiens. Frankreich mobilisierte zum Schutz Russlands. Und plötzlich war es nicht mehr ein Balkan-Konflikt, sondern ein Spiel, bei dem jeder Zug einen neuen Feind schuf.

Was fasziniert ist nicht die Erklärung selbst, sondern das, was davor kam. Am 26. Juli 1914 war Europa noch friedlich. Die Börsen funktionierten. Die Züge fuhren pünktlich. Ein Mann in London konnte am Morgen aufwachen und glauben, dass sein Sohn in fünf Jahren immer noch am Leben sein würde. Das war die Normalität: ein Jahrhundert ohne großen Krieg, eine Welt, in der Diplomatie und Eisenbahnen alles zu regeln schienen.

Österreich-Ungarn Erklärt Serbien den Krieg und Löst den Ersten Weltkrieg aus — Vienna, Austria-Hungary
Bild: Achille Beltrame · Public domain

Dann kam der 27. Juli.

Berchtold hatte tatsächlich gehofft, dass Russland nicht eingreifen würde. Die österreichischen Generäle glaubten, die Sache wäre in sechs Wochen erledigt. Ein Historiker nannte es später "das Äquivalent zu jemandem, der mit einer Pistole jongliert und denkt, die Kugel werde einfach in der Luft stehen bleiben, wenn man nicht hinsieht." Der Kaiser in Wien war 84 Jahre alt und hatte bereits 66 Jahre regiert. Er war nicht der Mann für Überraschungen.

Österreich-Ungarn Erklärt Serbien den Krieg und Löst den Ersten Weltkrieg aus — Vienna, Austria-Hungary
Bild: Unknown photographer · Public domain

Am 1. August erklärte Deutschland Russland den Krieg. Am 3. August erklärte es Frankreich den Krieg. Am 4. August marschierte Deutschland in Belgien ein, und Großbritannien erklärte Deutschland den Krieg. In weniger als zwei Wochen war aus einer regionalen Krise ein kontinentaler Konflikt geworden. Die Zeitungen schrieben von Patriotismus und schnellem Sieg. Die Generäle planten Operationen, die Wochen dauern sollten. Ein britischer Minister sagte seinem Freund: "Die Lichter gehen aus in ganz Europa. Wir werden sie in unserem Leben nicht wieder angehen sehen."

Die Ironie war so dicht, dass man sie hätte schneiden können: Die Führungen glaubten an Ordnung, doch sie schufen Chaos. Sie fürchteten einen langen Krieg, doch sie führten ihn herbei. Sie unterzeichneten Papiere, um Konflikte zu verhindern, und eröffneten damit das blutigste Jahrhundert, das Europa je sah. Der Österreicher Berchtold, der diesen Krieg begann, überlebte ihn um 26 Jahre, starb in Pension und wurde in keinem Geschichtsbuch des Landes prominent erwähnt. Sein Name ist längst vergessen. Der Krieg, den er auslöste, ist es nicht.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/July Crisis

Politik & Staat

Justizausschuss des Hauses Genehmigt Zweiten Anklageartikel Gegen Nixon

Washington, D.C., USA

Justizausschuss des Hauses Genehmigt Zweiten Anklageartikel Gegen Nixon — Washington, D.C., USA
Bild: Creator: Trikosko, Marion S., photographer; Related Name: O'Halloran, Thomas J. , photographer · Public domain

Die Abstimmung war 27 zu 11. Das war das Ende.

Am 27. Juli 1974 saßen die Abgeordneten des Justizausschusses des US-Repräsentantenhauses in Washington und stimmten darüber ab, ob Präsident Richard Nixon wegen Behinderung der Justiz angeklagt werden sollte. Das Ergebnis war nicht knapp. Nicht einmal parteipolitisch gespalten. Republikaner und Demokraten zusammen — 27 gegen 11 — sagten: Dieser Mann muss gehen.

Was vorher unmöglich war, wurde an diesem Tag alltäglich: Ein Präsident konnte tatsächlich von seinem Amt entfernt werden. Nicht durch Krieg, nicht durch Revolution, sondern durch Verfahren. Durch Papiere. Durch Fragen, die gestellt wurden und beantwortet — oder eben nicht beantwortet — werden mussten.

Nixon hatte Watergate. Das war nicht einfach ein Skandal wie andere Skandale. Am 17. Juni 1972 waren fünf Männer in das Hauptquartier der Demokratischen Partei eingebrochen. Das sollte niemandem schaden — nur Informationen sammeln, die Wahlkampagne absichern. Aber dann kam die Frage: Wusste der Präsident davon? Und wenn ja, was tat er, um es zu verbergen?

Justizausschuss des Hauses Genehmigt Zweiten Anklageartikel Gegen Nixon — Washington, D.C., USA
Bild: Department of Defense. Department of the Army. Office of the Deputy Chief of Staff for Operations. U.S. Army Audiovisual · Public domain

Zwei Jahre vergingen. Bänder wurden entdeckt. Bänder, auf denen Nixon selbst sprach, Monate nach dem Einbruch, und sagte: Schweigt. Zahlt das Geld. Macht das Ganze zu. Die Worte waren eindeutig. "I'm not a crook" — so hatte er es 1973 der Presse gesagt. Aber die Bänder zeigten etwas anderes.

Der Justizausschuss las die Transkripte. Sie lasen, wie der Präsident versuchte, eine FBI-Untersuchung zu blockieren. Wie er versuchte, Zeugen zum Schweigen zu bringen. Wie er die Justiz selbst zur Waffe machte — oder versuchte es.

Das Ungeheuerliche war nicht, dass ein Präsident Fehler machte. Präsidenten sind Menschen. Das Ungeheuerliche war, dass das System funktionierte. Der Ausschuss konnte das überprüfen. Die Gerichte konnten entscheiden. Das Parlament konnte abstimmen. Niemand — nicht einmal der mächtigste Mann des Landes — stand über dem Verfahren.

Justizausschuss des Hauses Genehmigt Zweiten Anklageartikel Gegen Nixon — Washington, D.C., USA
Bild: Marion S. Trikosko or Thomas J. O'Halloran, photographer · Public domain

Bis dahin war das theoretisch. Das Impeachment war eine Waffe, die in der Verfassung stand wie eine alte Kanone im Museum — beeindruckend, aber benutzt? Andrew Johnson 1868, das war alles. 106 Jahre her. Und selbst das war umstritten, fast verloren.

Nixon änderte das. Vier Tage nach der Abstimmung des Justizausschusses trat er zurück. Die zweite Anklage — Behinderung der Justiz — würde nie zur vollständigen Abstimmung im ganzen Haus kommen, weil der Präsident weg war. Aber das war auch nicht mehr nötig. Das Verfahren selbst hatte gewonnen.

Was danach kam, war merkwürdig alltäglich: Präsidenten konnten scheitern. Sie konnten zur Rechenschaft gezogen werden. Das System war nicht perfekt — es brauchte zwei Jahre, Bänder, öffentliche Debatten, eine Krise, die das Land spaltete. Aber es funktionierte.

Das Paradoxe: Nixon wollte die Präsidentschaft retten. Stattdessen machte er sie schwächer und stärker zugleich — schwächer, weil der Präsident nun wusste, dass es Grenzen gab; stärker, weil diese Grenzen real waren und hielten.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Impeachment of Richard Nixon

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