Österreich-Ungarn Erklärt Serbien den Krieg und Löst den Ersten Weltkrieg aus
Vienna, Austria-Hungary
Am 27. Juli 1914 unterschrieb der österreichisch-ungarische Außenminister Leopold Berchtold ein Dokument, das die Welt in den nächsten vier Jahren mehr verändern würde als jedes andere Blatt Papier seit Napoleons Zeiten. Es war eine Kriegserklärung gegen Serbien. Das Merkwürdige: Niemand, der es unterzeichnete, glaubte wirklich, dass es so enden würde.
Drei Wochen zuvor war Erzherzog Franz Ferdinand tot. Die Schüsse in Sarajevo waren gefallen, und sofort begannen die Diplomaten ihre Züge zu spielen wie Männer, die ein Schachspiel führen, bei dem die Regeln niemand mehr kennt. Wien beschuldigte Serbien der Verschwörung. Berlin versprach bedingungslose Unterstützung. Russland mobilisierte zum Schutz Serbiens. Frankreich mobilisierte zum Schutz Russlands. Und plötzlich war es nicht mehr ein Balkan-Konflikt, sondern ein Spiel, bei dem jeder Zug einen neuen Feind schuf.
Was fasziniert ist nicht die Erklärung selbst, sondern das, was davor kam. Am 26. Juli 1914 war Europa noch friedlich. Die Börsen funktionierten. Die Züge fuhren pünktlich. Ein Mann in London konnte am Morgen aufwachen und glauben, dass sein Sohn in fünf Jahren immer noch am Leben sein würde. Das war die Normalität: ein Jahrhundert ohne großen Krieg, eine Welt, in der Diplomatie und Eisenbahnen alles zu regeln schienen.
Dann kam der 27. Juli.
Berchtold hatte tatsächlich gehofft, dass Russland nicht eingreifen würde. Die österreichischen Generäle glaubten, die Sache wäre in sechs Wochen erledigt. Ein Historiker nannte es später "das Äquivalent zu jemandem, der mit einer Pistole jongliert und denkt, die Kugel werde einfach in der Luft stehen bleiben, wenn man nicht hinsieht." Der Kaiser in Wien war 84 Jahre alt und hatte bereits 66 Jahre regiert. Er war nicht der Mann für Überraschungen.
Am 1. August erklärte Deutschland Russland den Krieg. Am 3. August erklärte es Frankreich den Krieg. Am 4. August marschierte Deutschland in Belgien ein, und Großbritannien erklärte Deutschland den Krieg. In weniger als zwei Wochen war aus einer regionalen Krise ein kontinentaler Konflikt geworden. Die Zeitungen schrieben von Patriotismus und schnellem Sieg. Die Generäle planten Operationen, die Wochen dauern sollten. Ein britischer Minister sagte seinem Freund: "Die Lichter gehen aus in ganz Europa. Wir werden sie in unserem Leben nicht wieder angehen sehen."
Die Ironie war so dicht, dass man sie hätte schneiden können: Die Führungen glaubten an Ordnung, doch sie schufen Chaos. Sie fürchteten einen langen Krieg, doch sie führten ihn herbei. Sie unterzeichneten Papiere, um Konflikte zu verhindern, und eröffneten damit das blutigste Jahrhundert, das Europa je sah. Der Österreicher Berchtold, der diesen Krieg begann, überlebte ihn um 26 Jahre, starb in Pension und wurde in keinem Geschichtsbuch des Landes prominent erwähnt. Sein Name ist längst vergessen. Der Krieg, den er auslöste, ist es nicht.