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Krieg & Konflikt

Westgoten beenden dreitägige Plünderung Roms

Rome, Roman Empire

Westgoten beenden dreitägige Plünderung Roms — Rome, Roman Empire
Bild: Joseph-Noël Sylvestre · Public domain

Drei Tage lang hatten die Schatten über Rom gelegen. Als sie am 27. August des Jahres 410 n. Chr. endlich wichen und die gotischen Legionen durch die Porta Salaria abzogen, fanden die Überlebenden eine Stadt vor, die in ihren Grundfesten erschüttert, aber keineswegs ausgelöscht war. Nach 800 Jahren, in denen kein fremder Feind ihre Mauern durchbrochen hatte, war die ewige Stadt gefallen – nicht durch Belagerung, sondern durch Verrat, als angeblich ein Sklave die Tore öffnete. Die Plünderung, angeführt von Alarichs Westgoten, war brutal, doch erstaunlich begrenzt, ein drei Tage andauernder Albtraum, der die Welt in ihren Grundfesten erschütterte und doch in vielerlei Hinsicht eine leise Vorahnung dessen war, was noch kommen sollte.

Die Stadt Rom, einst das Zentrum eines Reiches, das sich über 5 Millionen Quadratkilometer erstreckte, zählte zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nur noch zwischen 400.000 und 700.000 Einwohnern, ein Schatten ihrer einstigen Blütezeit mit über einer Million. Die westgotische Armee unter Alarich, die vor den Mauern lagerte, umfasste schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Krieger, eine beeindruckende, aber keineswegs erdrückende Zahl im Vergleich zur Größe der Metropole. Sie waren gekommen, um zu fordern, was ihnen der kaiserliche Hof in Ravenna verweigerte: Land, Titel und vor allem Gold. Die ersten Verhandlungen, in denen Alarich die gesamte Gold- und Silbermenge der Stadt, alle aus Seide gewebten Gegenstände und alle gotischen Sklaven forderte, waren abgelehnt worden. Stattdessen zahlte Rom, nach einer ersten Belagerung, 5.000 Pfund Gold, 30.000 Pfund Silber, 4.000 Seidentuniken, 3.000 purpurgefärbte Häute und 3.000 Pfund Pfeffer als Tribut – ein Vermögen, das jedoch nur einen Aufschub der Katastrophe bedeutete.

Die Plünderung selbst war kein unkontrolliertes Gemetzel, obwohl es natürlich zu Gewalt und Zerstörung kam. Kirchen, wie die Petersbasilika, wurden als Zufluchtsorte respektiert, ein Befehl Alarichs, der sich als arianischer Christ präsentierte. Doch die Reichtümer der Stadt waren eine zu große Verlockung. Aus den Villen der Reichen wurden schätzungsweise 15.000 Pfund Gold und 30.000 Pfund Silber geraubt, ganz zu schweigen von unzähligen Kunstwerken und Wertgegenständen. Einige Quellen berichten von 40.000 Menschen, die als Sklaven verschleppt wurden, eine Zahl, die jedoch wahrscheinlich übertrieben ist und eher die Angst der Zeit widerspiegelt als die tatsächliche Demografie der Entführten. Für viele Römer war der Verlust ihrer Freiheit jedoch ein ebenso schwerer Schlag wie der Verlust ihres Besitzes.

Westgoten beenden dreitägige Plünderung Roms — Rome, Roman Empire
Bild: Shepherd, William R. · Public domain

Die materiellen Schäden waren beträchtlich, aber nicht katastrophal. Das Kolosseum stand noch, der Circus Maximus auch. Die Infrastruktur der Stadt, ihre Aquädukte und Straßen, blieben weitgehend intakt. Die psychologischen Auswirkungen waren jedoch immens. „Die Stadt, die die ganze Welt in Gefangenschaft genommen hatte, war selbst in Gefangenschaft geraten“, schrieb der Kirchenvater Hieronymus, als er die Nachricht in Bethlehem erhielt. Er sprach von 10.000 Sklaven, die aus der Stadt flohen – eine Zahl, die die Verzweiflung der Bevölkerung greifbar macht. Viele Menschen starben, nicht nur durch die Hand der Goten, sondern auch an Hunger und Krankheit, die während der Belagerung grassierten.

Was jedoch überrascht, ist die Geschwindigkeit der Erholung. Innerhalb weniger Jahre kehrte ein Großteil der Bevölkerung zurück, und die Reparaturen begannen. Die Plünderung von 410 war, paradoxerweise, kein Todesstoß, sondern ein Symptom einer tiefer liegenden Krankheit: der Erosion der zentralen Macht, der internen Korruption und der überdehnten Grenzen eines Imperiums, das seine Energie verloren hatte. Alarichs Triumph war kurzlebig; er starb nur wenige Monate später, wahrscheinlich an einer Krankheit, und wurde angeblich in einem Flussbett begraben, um sein Grab zu verbergen. Die „ewige Stadt“ würde noch weitere 66 Jahre formell als Hauptstadt eines Weströmischen Reiches existieren, bis 476 ein germanischer Heerführer den letzten Kaiser absetzte. Doch die Aura der Unbesiegbarkeit war für immer verloren, und die Welt war gezwungen, eine unbequeme Wahrheit zu akzeptieren: Selbst die größten Reiche sind nicht für die Ewigkeit gebaut, und drei Tage können ausreichen, um ein 800-jähriges Vermächtnis zu entzaubern.

Westgoten beenden dreitägige Plünderung Roms — Rome, Roman Empire
Bild: Photographed by User:Bullenwächter · CC BY-SA 3.0

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Sack of Rome (410)

Politik & Staat

Russland und Qing-China unterzeichnen den Vertrag von Nertschinsk

Nerchinsk, Russia

Russland und Qing-China unterzeichnen den Vertrag von Nertschinsk — Nerchinsk, Russia
Bild: CIA · Public domain

Man stelle sich vor: Ein Heer von über 10.000 Qing-Soldaten belagert eine kleine russische Festung, nur wenige hundert Mann stark. Das ist nicht der Auftakt eines blutigen Krieges, sondern die Kulisse für diplomatische Verhandlungen. Im August des Jahres 1689 trafen sich in Nerchinsk, einer abgelegenen sibirischen Siedlung, die Boten zweier aufstrebender Weltmächte, um etwas zu klären, das auf keiner Landkarte exakt verzeichnet war: die Grenze zwischen ihnen.

Da war Fjodor Alexejewitsch Golowin, ein Mann in seinen späten Dreißigern, Gouverneur von Sibirien, der von Moskau eine klare Anweisung erhalten hatte: Irgendwie einen Frieden zu schließen und die Pelzhandelsrouten zu sichern. Er hatte eine lange, beschwerliche Reise hinter sich, monatelang durch die unwirtliche Steppe. Mit ihm reisten etwa 1.500 Kosaken und Bogenschützen, eine beeindruckende Truppe für die russische Seite, aber ein Tropfen auf den heißen Stein im Angesicht der Qing-Delegation.

Die Qing-Delegation wurde angeführt von Prinz Songgotu, einem Onkel des jungen Kangxi-Kaisers, ein erfahrener Höfling und Staatsmann, geschätzt über 50 Jahre alt. Er war mit einer Streitmacht von, je nach Schätzung, 10.000 bis 15.000 Mann angereist – eine Demonstration der Stärke, die kaum zu übersehen war. An seiner Seite standen zwei Jesuiten, der Portugiese Thomas Pereira und der Flame Ferdinand Verbiest. Diese Männer des Glaubens, die sich eigentlich der Missionierung verschrieben hatten, fanden sich in der Rolle der entscheidenden Dolmetscher wieder, übersetzten komplexe diplomatische Nuancen zwischen Latein, Manju, Russisch und Chinesisch. Man kann sich die Potenziale für Missverständnisse, die sich in diesem Babel der Sprachen auftürmten, nur lebhaft ausmalen.

Die eigentlichen Verhandlungen waren eine zähe Angelegenheit, die sich über Wochen hinzog. Die Russen wollten den Amur für sich beanspruchen, eine Region reich an Pelztieren und strategisch wichtig. Die Qing-Dynastie, die sich gerade von den Wirren der Ming-Dynastie erholte und ihre Grenzen festigen wollte, sah dies als einen Affront. Man stritt sich um Flussläufe, Bergrücken und imaginäre Linien, die weder von den Nomadenstämmen noch von den sibirischen Siedlern wirklich beachtet wurden. Die Jesuiten Pereira und Verbiest spielten eine Schlüsselrolle, indem sie die russischen Gebietsansprüche, die den Qing-Vertretern völlig inakzeptabel waren, abmilderten und als Vermittler auftraten, um einen vollständigen Zusammenbruch zu verhindern.

Russland und Qing-China unterzeichnen den Vertrag von Nertschinsk — Nerchinsk, Russia
Bild: Jean Baptiste Bourguignon d'Anville · Public domain

Das Ergebnis war der Vertrag von Nerchinsk vom 27. August 1689. Er legte den Fluss Argun und das Stanowoigebirge als Grenze fest, wobei Russland den Amur-Gebieten entsagte. Im Gegenzug wurden Handelsbeziehungen aufgenommen, und die Qing-Dynastie versprach, russische Diplomaten und Händler in Peking willkommen zu heißen. Es war der erste völkerrechtliche Vertrag Chinas mit einer europäischen Macht. Die Ironie dabei: Der Vertragstext existierte in fünf Sprachen – Latein, Russisch, Manju, Mongolisch und Chinesisch –, und keine Version war mit den anderen absolut identisch. Jede Seite hatte ihre Nuancen, ihre bevorzugten Formulierungen, die den anderen vielleicht nicht ganz so klar waren.

Dieser Vertrag, der unter dem Schatten einer militärischen Übermacht zustande kam, hielt erstaunlich lange, fast zwei Jahrhunderte. Doch was die Qing als endgültige Festlegung ihrer Nordgrenze verstanden, sahen die Russen lediglich als eine temporäre Lösung. Ein Papiertiger, dessen Zähne nur so scharf waren, wie die Fähigkeit der jeweiligen Seiten, ihn durchzusetzen. Und so kam es, dass die russischen Expansionen im 19. Jahrhundert die Grenzen von Nerchinsk neu zogen, als wäre der Vertrag nie mehr als ein netter Vorschlag gewesen.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Treaty of Nerchinsk

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