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Krieg & Konflikt

Osmanischer Sieg bei Mohács dezimiert Ungarn

Mohács, Hungary

Osmanischer Sieg bei Mohács dezimiert Ungarn — Mohács, Hungary
Bild: Bertalan Székely · Public domain

Es dauerte kaum zwei Stunden. Zwei Stunden im Spätsommerwind der ungarischen Tiefebene, um ein Königreich zu zerlegen, das über drei Jahrhunderte Bestand hatte. Am 29. August 1526, einem warmen, vielleicht schon herbstlich angehauchten Nachmittag, schien die Welt um Mohács, am Ufer der Donau, noch von jener trügerischen Normalität erfüllt zu sein, wie sie jedem epochalen Bruch vorausgeht. Die weite Puszta, mit ihren Gräsern, die im Wind wogten, bot ein prächtiges, aber auch unbarmherzig offenes Terrain für das Schauspiel, das sich entfalten sollte.

Das Geräusch des heranziehenden osmanischen Heeres unter Sultan Süleyman dem Prächtigen muss über Tage hinweg wie ein fernes Donnern über die flache Landschaft getragen worden sein. Zehntausende Männer, schätzungsweise 60.000 bis 100.000, dazu unzählige Lasttiere, Geschütze und Tross. Ein Heer, das nicht nur zahlenmäßig erdrückend war, sondern auch durch Disziplin, Erfahrung und die neuesten Militärtechnologien – insbesondere eine massive Artillerie von rund 300 Kanonen – bestach. Die Ungarn, unter dem jungen, 20-jährigen König Ludwig II., konnten dem nur etwa 25.000 Mann und rund 80 Kanonen entgegenstellen. Ihr mutiger, aber verzweifelter Plan: ein schneller Frontalangriff, bevor die volle osmanische Übermacht zum Tragen kam.

Die Schlacht begann am Nachmittag, als die ungarische Kavallerie in einer wagemutigen Attacke die vorderen Reihen der Osmanen durchbrach. Für einen kurzen Moment schien es, als könnte die Kühnheit über die Zahlen triumphieren. Doch Süleyman hatte seine Artillerie strategisch gut platziert und seine Infanterie, darunter die gefürchteten Janitscharen, hinter einer Reihe von Wagen und Gräben verschanzt. Als die ungarische Kavallerie in diese vorbereiteten Stellungen ritt, prasselte ein vernichtendes Kanonen- und Musketenfeuer auf sie nieder. Die türkische Taktik des vorgetäuschten Rückzugs, um den Feind in die Falle zu locken, funktionierte perfekt. Die ungarischen Linien, bereits durch interne Streitigkeiten und mangelnde Koordination geschwächt, brachen schnell zusammen.

Osmanischer Sieg bei Mohács dezimiert Ungarn — Mohács, Hungary
Bild: Johann Schreier, EHRENSPIEGEL DES HAUSES ÖSTERREICH (A chronicle written for Johann Jakob Fugger around 1555) · Public domain

Was folgte, war keine Schlacht im traditionellen Sinne mehr, sondern ein Massaker. Das Schlachtfeld verwandelte sich in ein Chaos aus fliehenden Soldaten, die von der disziplinierten osmanischen Kavallerie gnadenlos verfolgt wurden. König Ludwig II. selbst, der tapfer an der Spitze seiner Truppen gekämpft hatte, versuchte zu fliehen. Sein Schicksal besiegelte sich jedoch nicht durch einen glorreichen Kampf, sondern in einem der vielen Sumpfgebiete nahe des Flüsschens Csele. Beim Versuch, den überfluteten Bach zu überqueren, stürzte sein Pferd und begrub ihn unter sich. Er ertrank, ermüdet und in schwerer Rüstung, in seichtem Wasser – ein unwürdiger Tod für den letzten Jagiellonen auf dem ungarischen Thron. Die Leiche wurde erst Tage später gefunden.

Die Verluste waren katastrophal: Etwa 14.000 bis 16.000 ungarische Soldaten, darunter die meisten hohen Adeligen, sieben Bischöfe und zwei Erzbischöfe, fielen. Die Schlacht von Mohács beendete effektiv die Unabhängigkeit Ungarns für die nächsten 150 Jahre. Das Königreich wurde zwischen den Osmanen und den aufstrebenden Habsburgern aufgeteilt, und Mitteleuropa stand nun direkt an der Frontlinie des osmanischen Vormarsches. Der junge König war tot, das Land zerrissen, und die Sonne ging über einem Zeitalter unter, das erst zwei Stunden zuvor noch gewohnt schien. Das Gras auf der Puszta wuchs schnell über die Narben der Schlacht, doch die geopolitischen Folgen blieben für Jahrhunderte bestehen.

Osmanischer Sieg bei Mohács dezimiert Ungarn — Mohács, Hungary
Bild: After Titian · Public domain

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Battle of Mohács

Entdeckungsreisen

Vasco da Gama verlässt Indien, eröffnet Seeweg

Calicut, India

Vasco da Gama verlässt Indien, eröffnet Seeweg — Calicut, India
Bild: Sailko · CC BY 3.0

Manchmal, um die Welt zu verändern, muss man zuerst ein paar Kokosnüsse und ein paar Hühner verschenken. Oder es zumindest versuchen. So geschehen im Mai 1498, als ein gewisser Vasco da Gama, stolz und mit einer gehörigen Portion portugiesischer Überheblichkeit, in Calicut ankam. Seine „Geschenke“ an den lokalen Herrscher, den Zamorin, waren eher, sagen wir, bescheiden: ein paar Hüte, ein paar Zuckerhüte, ein Fass Öl. Der Zamorin, der an Seiden und Edelsteine gewöhnt war, soll sich königlich amüsiert haben. Und da Gama? Er lernte eine harte Lektion in diplomatischer Zurückhaltung, oder besser gesagt, dem Mangel daran. Nun, drei Monate später, ist die Bühne für den Abgang bereitet. Und dieser ist, wie so vieles bei dieser Reise, alles andere als glanzvoll.

Es ist der 29. August 1498, am Morgen. Eine leichte Brise kündigt den Abschied an. Die beiden verbliebenen Schiffe, die „São Gabriel“ und die „São Rafael“, schaukeln leicht im Hafen von Calicut. An Bord herrscht eine eigenartige Mischung aus Erleichterung und Resignation. Vasco da Gama steht an Deck, blickt auf die Küste, die ihm so viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Seine Männer sind blass und ausgemergelt; von den ursprünglich 170 sind nur noch 55 übrig. Die meisten erlagen dem Skorbut, jener heimtückischen Seemannskrankheit, die so viele Expeditionen dezimierte. Man hört das Knarren der Winden, als die Anker gelichtet werden. Die schweren Ketten rasseln, während die letzten Verbindungen zum Land gekappt werden. Dann fangen die Segel den Wind ein, blähen sich langsam. Es ist kein triumphales Auslaufen, kein Jubel, nur ein stilles, fast hastiges Davonschleichen.

Der Zamorin hat den Portugiesen die Abfahrt schwer gemacht. Er verlangte hohe Zölle und versuchte, einige Männer festzuhalten, wohl als Pfand für bessere Geschäfte. Da Gama reagierte nicht mit Verhandlungen, sondern mit einer Entführung: Er nahm sich fünfzehn Fischer als Geiseln. Ein Schachzug, der in den Geschichtsbüchern selten als „charmant“ oder „beispielhaft diplomatisch“ beschrieben wird. Doch für da Gama war es wohl die einzig verständliche Sprache. Er will hier nur noch weg, und das so schnell wie möglich. Der Duft von Gewürzen, der Calicut umhüllt, mag verlockend sein, aber die Erinnerung an die frostige Aufnahme und die leeren Versprechungen wiegen schwerer. Man hat ihm die wahre Ware nicht zeigen wollen, die Gewürze zu Mondpreisen angeboten. Er, der die Welt erobern wollte, fühlte sich eher ausgetrickst.

Vasco da Gama verlässt Indien, eröffnet Seeweg — Calicut, India
Bild: Georges Jansoone · CC BY 2.5

Die Rückreise wird ein Martyrium. Die Winde des Monsuns sind gegen sie, die Hitze unerträglich. Es dauert ganze drei Monate, um nur die arabische Küste zu erreichen – eine Strecke, die sie auf dem Hinweg in weniger als einem Monat zurücklegten. Weitere Matrosen sterben, einer nach dem anderen. Die „São Rafael“ muss schließlich aufgegeben und verbrannt werden, da nicht genug Männer übrig sind, um sie zu segeln. Ein weiteres Schiff, die „Bérrio“, hatte sich schon früher abgesetzt und sollte als erstes Portugal erreichen, um die Nachricht von der Entdeckung zu überbringen. Da Gama selbst wird erst im September 1499 in Lissabon ankommen, ein Jahr und einen Monat nach seiner Abfahrt aus Calicut.

Was er mitbringt, ist nicht der erwartete Reichtum an Gewürzen, sondern nur eine Handvoll Proben und die ernüchternde Erkenntnis, dass die Inder nicht die leichtgläubigen Wilden waren, die man sich in Europa vorgestellt hatte. Stattdessen traf er auf erfahrene Händler, die genau wussten, was ihre Ware wert war, und die von den plumpen Versuchen der Portugiesen, sich einzumischen, wenig beeindruckt waren. Die wahre Beute dieser Reise war nicht Pfeffer oder Zimt, sondern eine Karte. Eine Seekarte, die den Weg nach Osten für immer verändert hatte. Und die Erkenntnis, dass der europäische Hochmut an der indischen Küste auf unerwartet harten Granit gestoßen war.

Vasco da Gama verlässt Indien, eröffnet Seeweg — Calicut, India
Bild: Descobrimentos_e_explorações_portugueses.png: *Portuguese_discoveries_and_explorations.png: *Portuguese_Empire_map.jpg: · CC BY-SA 3.0

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Vasco da Gama

Krieg & Konflikt

Vertrag von Picquigny beendet Hundertjährigen Krieg

Picquigny, France

Vertrag von Picquigny beendet Hundertjährigen Krieg — Picquigny, France
Bild: Jean Froissart · Public domain

Man stelle sich vor: Ein Krieg, der länger währt als das Leben von drei Menschen hintereinander, soll nicht mit einem donnernden Sieg oder einer vernichtenden Niederlage enden, sondern mit einer Handvoll Goldmünzen und einem freundlichen Handschlag. Genau das geschah am 29. August 1475 in Picquigny, Frankreich. Dort trafen sich König Ludwig XI. von Frankreich und König Eduard IV. von England auf einer eigens errichteten Holzbrücke über den Fluss Somme, um einen Konflikt zu beenden, der 116 Jahre gedauert hatte. Und das Ergebnis? England erhielt eine sofortige Zahlung von 75.000 Goldkronen und eine jährliche Pension von 50.000 Kronen. Für die Beendigung eines Jahrhundertkrieges war das ein erstaunlich pragmatischer, fast geschäftsmäßiger Abschluss, der in nur zehn Tagen Verhandlungen zustande kam.

Dieser „Hundertjährige Krieg“ war in Wirklichkeit kein einziger, durchgehender Konflikt, sondern eine Reihe von Kriegen, unterbrochen von langen Phasen des Friedens und der Pest, die zwischen 1337 und 1453 wüteten. Er hatte die politischen Landkarten Europas und die Mentalität zweier Völker nachhaltig geprägt. Doch 1475 waren die Hauptakteure müde. Eduard IV. hatte gerade erst den blutigen Rosenkrieg in England beendet, der ihn mehr als 30.000 seiner eigenen Untertanen gekostet hatte. Sein Schatz war leer, und die Aussicht auf einen weiteren Feldzug in Frankreich, der enorme Ressourcen verschlingen würde, war wenig verlockend. Ludwig XI. hingegen war ein Meister der Diplomatie und der Intrige, bekannt für seine Fähigkeit, seine Feinde mit Gold statt mit Blut zu besiegen. Er sah die Gelegenheit, einen lästigen Kontrahenten vom Kontinent zu vertreiben, ohne einen einzigen Pfeil abfeuern zu müssen.

Die Mechanik dieses „Friedens“ war bemerkenswert. Edward IV. war mit einer Armee von etwa 20.000 Mann nach Frankreich übergesetzt, mit der Erwartung, reiche Beute zu machen. Ludwig XI. wusste das. Anstatt zu kämpfen, schickte er Wein und Proviant ins englische Lager und lud Eduards Adelige zu Festen ein. Er kaufte sie im Wesentlichen mit Luxus und klingender Münze. Die 75.000 Kronen waren dabei nur die erste Rate. Zusätzlich zur jährlichen Pension erhielten Eduards hochrangige Berater und Hofbeamte, darunter der Lordkanzler und der Lord High Admiral, persönliche „Geschenke“ und Pensionen von bis zu 16.000 Livres pro Jahr. Es war ein geschickter Schachzug, der die englische Führungsschicht direkt in Ludwigs Tasche spielte.

Vertrag von Picquigny beendet Hundertjährigen Krieg — Picquigny, France
Bild: Wikimedia Commons · Public domain

Das Treffen auf der Brücke war minutiös choreografiert, um jede Gefahr zu minimieren. Ein massives Gitter trennte die beiden Monarchen, die nur durch eine schmale Öffnung sprechen und Hände schütteln konnten. Es ging nicht um Vertrauen, sondern um das Management von Misstrauen. Ludwig, der als „Spinnenkönig“ bekannt war, legte großen Wert auf seine Sicherheit. Er wusste, dass Eduard ihn hätte gefangen nehmen oder ermorden können. Die Vereinbarung selbst war, gemessen an der Dauer des vorausgegangenen Konflikts, erstaunlich kurzlebig: Sie sollte nur sieben Jahre halten. Doch die entscheidende Klausel war das Versprechen Eduards, seine Truppen aus Frankreich abzuziehen und keine weiteren Ansprüche auf die französische Krone zu erheben – im Austausch für das Gold.

Am Ende war es also nicht die militärische Überlegenheit, die den Krieg beendete, sondern eine geschickte Mischung aus Bestechung und pragmatischem Kalkül. England verzichtete auf seine jahrhundertealten Ansprüche, und Frankreich kaufte sich den Frieden mit einem Preis, der, inflationsbereinigt, heute mehrere hundert Millionen Euro betragen würde. König Ludwig XI. hatte die englische Armee nicht besiegt, er hatte sie gekauft. Und so endete der längste Krieg Westeuropas mit einem Handschlag, einem Gitter und einer Summe Gold, die den Frieden teurer, aber auch viel schneller machte als jeder weitere Krieg. Es war ein Geschäft, das die französische Krone festigte und England auf die Insel zurückwarf, wo es sich auf seine Seemacht konzentrieren sollte – eine Konsequenz, die niemand an diesem Augusttag 1475 hätte voraussagen können.

Vertrag von Picquigny beendet Hundertjährigen Krieg — Picquigny, France
Bild: Attributed to Philippe de Mazerolles · Public domain

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Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Hundred Years' War

Krieg & Konflikt

Timur erobert Bagdad zum ersten Mal

Baghdad

Timur erobert Bagdad zum ersten Mal — Baghdad
Bild: user:shakko · CC BY-SA 3.0

Als Timur, der gefürchtete Eroberer aus Zentralasien, im Sommer 1393 auf Bagdad zumarschierte, hatte Sultan Ahmad Jalayir eine derart präzise Vorstellung von seiner eigenen Unantastbarkeit, dass er die Belagerung der Stadt nicht persönlich abwartete. Stattdessen verbrachte er die Tage zuvor mit der Verlegung seiner persönlichen Schätze und eines Teils seines Harems über den Tigris. Eine Geste, die, gelinde gesagt, nicht gerade das Vertrauen seiner Untertanen in die Verteidigungsfähigkeit der Stadt stärkte. Bagdad, einst das leuchtende Zentrum der Abbasiden, hatte zwar in den Jahrhunderten nach der mongolischen Verwüstung viel von seinem Glanz verloren, war aber noch immer eine Metropole von kultureller Bedeutung und strategischem Wert. Die Vorstellung, dass dieser Ahmad, ein Mann, der so oft vor seinen Feinden geflohen war wie andere Leute ihr Frühstück einnahmen, sich nun heldenhaft an die Spitze der Verteidigung stellen würde, war vielleicht von Anfang an ein wenig optimistisch.

Die Stadt, die sich am 29. August 1393 vor Timur auftat, hatte eine lange Geschichte des Überlebens. Sie war eine Drehscheibe des Handels und der Gelehrsamkeit, ein Ort, an dem Gelehrte und Dichter weiterhin Zuflucht fanden, auch wenn die politischen Verhältnisse oft prekär waren. Unter den Jalayiriden hatte sich eine gewisse Routine eingestellt: Kriege waren extern, interne Machtkämpfe waren an der Tagesordnung, aber das Leben in der Stadt ging weiter. Man handelte, man betete, man dichtete. Die Stadtmauern und der Tigris schienen einen gewissen Schutz zu versprechen. Man hatte schon Schlimmeres überstanden. Man hatte sich arrangiert.

Timur, der „eiserne Hinkende“, hatte jedoch keine Zeit für Arrangements. Er kam nicht, um zu verhandeln oder ein neues Kapitel in der langen Geschichte Bagdads aufzuschlagen, sondern um eine klare Botschaft zu senden. Seine Armee, ein perfekt organisierter Schrecken aus Steppe und Wüste, überschritt die Grenzen des Jalayiridenreiches mit einer Geschwindigkeit, die die lokalen Befehlshaber schlicht überforderte. Während Ahmad sich in seine Festung Alwan zurückzog, dann weiter nach Syrien floh, um den Mamluken um Asyl zu bitten – eine wiederkehrende Angewohnheit des Sultans, die er im Laufe seiner Regentschaft noch perfektionieren sollte –, stand Bagdad plötzlich allein da.

Timur erobert Bagdad zum ersten Mal — Baghdad
Bild: Alivardi · CC BY-SA 4.0

Die Kapitulation war eine Frage von Stunden, nicht von Tagen. Die Verteidiger, demoralisiert durch die Flucht ihres Herrschers und überwältigt von der schieren Masse und Disziplin Timurs Truppen, leisteten wenig Widerstand. Was folgte, war keine vollständige Zerstörung wie unter Hülegü, aber eine gründliche Plünderung. Die Reichtümer der Stadt, die Ahmad nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte, wechselten den Besitzer. Timur, der sich als Bewahrer islamischer Kultur stilisierte, aber vor allem als unerbittlicher Eroberer agierte, verschonte die Gelehrten und Handwerker, die er nach Samarkand deportieren ließ – eine gängige Praxis, um seine eigene Hauptstadt zu bereichern. Der Rest der Bevölkerung wurde einem Schicksal überlassen, das oft brutal und ohne Pardon war.

Die Eroberung war ein Schock, aber auch eine Blaupause für das, was kommen sollte. Es war nur das erste Mal, dass Timur Bagdad einnahm. Ahmad Jalayir würde die Stadt mehrmals zurückerobern und wieder verlieren, stets in einem grotesken Tanz der Flucht und Rückkehr. Letztlich aber sollte sich zeigen, dass der größte Teil der Stadt, die so viele Stürme überstanden hatte, sich erst von Timurs *zweiter* Eroberung, über ein Jahrzehnt später, nie wieder wirklich erholen würde. Und Sultan Ahmad? Er würde sein Leben in einem Mamluken-Gefängnis beenden, nachdem er sich mit so ziemlich jedem wichtigen Herrscher seiner Zeit angelegt hatte. Ein Mann, dessen größte Leistung vielleicht darin bestand, so oft geflohen und doch immer wieder zurückgekehrt zu sein, bis das Glück ihn endgültig verließ."

Timur erobert Bagdad zum ersten Mal — Baghdad
Bild: naturalearthdata.com, offered to the Public Domain per Terms of Use · CC BY-SA 4.0

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Timur

Krieg & Konflikt

Englische Marine besiegt Kastilien bei Winchelsea

Winchelsea, England

Englische Marine besiegt Kastilien bei Winchelsea — Winchelsea, England
Bild: Loyset Liédet · Public domain

Ein König, der auf dem Meer kämpft, nicht von einem sicheren Ufer aus befehlend, sondern mitten im Getümmel, das war im Jahr 1350 schon eine Anmaßung. König Eduard III. hatte sich in den Bug seines Flaggschiffs, der *Thomas*, zurückgezogen, um ungestört mit seinen Rittern zu speisen, während die See vor Winchelsea sich sammelte. Doch der Anblick der herannahenden kastilischen Flotte riss ihn aus seiner Mahlzeit. Was dann folgte, war nicht die geordnete Choreografie einer Seeschlacht, wie sie spätere Jahrhunderte kannten, sondern ein brutales Gerangel, Schiff an Schiff, Mann an Mann, das die Grenzen des Seekriegs neu definierte.

Vor diesem Tag war die Vorstellung einer entscheidenden Seeschlacht, die von Königen persönlich auf den Planken ihrer Schiffe geführt wurde, eher Stoff für Sagen als für ernsthafte Strategie. Die Meere waren gefährlich, unberechenbar, und die Kriegsführung dort war oft eine Angelegenheit von Überfällen, Piraterie und dem Schutz von Handelsrouten. Eine Flotte war eine Ansammlung bewaffneter Handelsschiffe, keine speziell gebaute Kriegsmaschine. Die Kastilier, unter dem Kommando von Charles de la Cerda, waren in der Tat Händler, die ihre Schiffe – große, hochbordige Karacken – in schwimmende Festungen verwandelt hatten, beladen mit Steinwerfern und Armbrustschützen. Ihre Aufgabe: englische Handelsschiffe abfangen und den Kanal unsicher machen.

Eduard III. wusste, dass die See ein Schlachtfeld sein konnte, aber er verstand es auf eine Weise, die seinen Zeitgenossen fremd war. Seine Flotte, bestehend aus einer ähnlichen Mischung aus Handelsschiffen, war im Vergleich zu den hoch aufragenden kastilischen Giganten eher eine „Muschelschale“. Doch der englische König hatte einen entscheidenden Vorteil: den Wind und seine Langbogenschützen. Als die Flotten sich näherten, peitschte der Wind die Segel der englischen Schiffe vorwärts, während die kastilischen Schiffe, schwerfällig und hoch, nur langsam manövrieren konnten. Der König, in seinem eigenen Schiff, der *Thomas*, rammte ein kastilisches Schiff, dessen Mast brach und es zur Seite kippte. Die Luft füllte sich mit dem Knarren von Holz, dem Kreischen von Eisen und den Schreien der Männer.

Der Kampf war brutal und persönlich. Englische Langbogenschützen, berühmt für ihre Präzision und Reichweite, schossen Salven auf die Decks der kastilischen Schiffe, dezimierten die Besatzungen, bevor überhaupt Enterhaken geworfen werden konnten. Als die Schiffe aneinandergerieten, verwandelten sich die Decks in blutige Arenen. Die englischen Seeleute, oft selbst erfahrene Piraten und Fischer, kämpften mit der Verzweiflung derer, die ihr Zuhause verteidigen. Edward selbst, dessen eigenes Schiff zu sinken drohte, weil ein Loch unter der Wasserlinie klaffte, sprang auf ein anderes kastilisches Schiff und kämpfte weiter. Es war ein Chaos aus Rauch, Feuer und dem Geruch von Meerwasser und Blut.

Englische Marine besiegt Kastilien bei Winchelsea — Winchelsea, England
Bild: Unknown authorUnknown author · CC BY-SA 3.0

Als der Tag zur Neige ging, war die kastilische Flotte zerschlagen. Von den ursprünglich 40 Schiffen waren etwa 24 in englische Hände gefallen oder versenkt worden. Es war ein überwältigender Sieg, nicht nur zahlenmäßig, sondern auch psychologisch. Vor Winchelsea war die Dominanz einer Nation auf See eine Frage des Zufalls oder der reinen Schiffszahl. Danach begann sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass Taktik, die Qualität der Besatzung und die Entschlossenheit eines Anführers eine scheinbar überlegene Macht bezwingen konnten. Die Schlacht bewies, dass ein König, der bereit war, persönlich das Risiko einzugehen, die Moral seiner Männer ins Unermessliche steigern konnte. Es war ein kurzer, blutiger Lehrgang in maritimer Machtprojektion.

Doch die Ironie des Ganzen? Trotz dieses eindrucksvollen Sieges und der persönlichen Tapferkeit Eduards III. wurde die englische Seeherrschaft nicht sofort etabliert. Die spanische Seemacht erholte sich, und die Piraterie ging weiter. Es dauerte Jahrhunderte und zahlreiche weitere Konflikte, bis die Ideen, die in Winchelsea in Flammen aufgingen, wirklich in der globalen Strategie verankert waren. Der Sieg war ein Versprechen auf die Zukunft, kein Garant. Und so kämpfte ein König auf den Wellen, um eine Lektion zu erteilen, die die Welt erst viel später verstand.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Battle of Winchelsea

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