Juan de la Cierva präsentiert das Autogyr
Madrid, Spain
An einem Julimorgen im Jahr 1923 erhob sich über den Feldern vor Madrid ein Flugzeug, das aussah, als hätte jemand ein Fahrrad mit einem Propeller und einem großen Hubschrauberdach verwechselt. Es war die C.4, das Werk eines spanischen Ingenieurs namens Juan de la Cierva, und während es sich in den Himmel schraubte, geschah etwas Merkwürdiges: Es trat aus dem Schatten jenes Flugzeugdesigns, das seit Orville und Wilburs ersten zwölf Sekunden über Kitty Hawk die Welt besaß.
Bis zu diesem Moment war Fliegen eine einfache Gleichung. Man brauchte ein Flugzeug mit Flügeln, die Luft nach unten zu drücken, während der Propeller es vorwärtszog. Schneller Flug war gut. Schneller Flug war sicher. Die Langsamkeit war der Feind, weil ein Flugzeug, das zu langsam wurde, einfach aus dem Himmel fiel wie ein Stein, dem man die Hände wegnahm. Hunderte von Piloten hatten gelernt, dies genau so zu fürchten.
De la Cierva löste das Problem mit einer Idee, die so einfach war, dass man sich fragte, warum sie nicht sofort jedem eingefallen war: Was, wenn man dem Flugzeug einfach einen Rotor auf dem Dach gab? Nicht einen Propeller—einen Rotor, der sich selbst drehte, während das Flugzeug fliegt. Nicht angetrieben, sondern freifallend in seiner eigenen Luft. Die Windströmung würde ihn zum Drehen bringen und Auftrieb erzeugen.
Am 9. Juli 1923 funktionierte es tatsächlich.
Wie oft in solchen Momenten saßen die großen Flugzeugindustrien gerade am falschen Tisch. Sie hatten Millionen in die Perfektion der Hochgeschwindigkeitsflieger gesteckt. Die Autogyro konnte nur etwa 120 Kilometer pro Stunde erreichen—schnell genug, um interessant zu sein, aber nicht schnell genug, um schneller als die Konkurrenz zu sein. Das war tückisch. Aber sie konnte in weniger als 50 Metern abheben. Sie konnte langsam genug fliegen, dass ein Pilot mit Risiken verhandeln konnte, statt sie zu fürchten. Und falls der Motor ausfiel, sank die Maschine wie ein Fallschirm herab, nicht wie ein Stein.
Die Flugzeugindustrie betrachtete dies mit dem Interesse eines etablierten Restaurants gegenüber einem neuen Lokal, das nur Gemüse serviert. Die Autogyro war sicher. Sie war praktisch. Sie war ein Werk echter Ingenieur-Genialität. Sie war auch eine Antwort auf eine Frage, die niemand mehr zu stellen schien.
De la Cierva würde sein Patent 14 Jahre später verkaufen. Die Autogyro würde eine merkwürdige Karriere machen—bewährte sich in den Zwischenkriegsjahren als Kurierflugzeug, verschwand dann irgendwie aus unserem Gedächtnis, sobald die Hubschrauber-Ingenieure endlich herausgefunden hatten, wie man den Rotor antreibt. Das sollte etwa 20 Jahre später geschehen.
Geschichte ist voll solcher Menschen: die das Richtige zur falschen Zeit erfinden, oder zur richtigen Zeit, aber für die falsche Zukunft. De la Cierva starb 1936 in einem Flugzeugunglück—nicht im Autogyro, sondern in einem Standardflugzeug, das in Aachen zu Boden ging.