Attentat der Operation Walküre auf Hitler
Rastenburg (Wolfs Lair), East Prussia
Ein Offizier trägt zwei Pfund Sprengstoff in einer Aktentasche in ein Zimmer mit Adolf Hitler — und Hitler verlässt das Zimmer lebend. Das ist die Geschichte vom 20. Juli 1944, und sie funktioniert nur, weil niemand damit rechnete, dass Gewalt aus dieser Richtung käme.
Claus Philipp Schenk Graf von Stauffenberg war 36 Jahre alt, Oberst der Wehrmacht, und er hatte einen Plan, den er seit Monaten perfektioniert hatte. Der Sprengstoff — 500 Gramm Plastit in zwei Paketen — sollte in einer Konferenztasche neben Hitlers Stuhl explodieren. Die Entfernung betrug weniger als zwei Meter. Bei dieser Distanz ist die physikalische Realität einfach: Niemand sollte überleben. Stauffenberg wusste das. Er war Ingenieur.
Das Wolf's Lair in Rastenburg, Ostpreußen, war eine der am besten gesicherten Orte des Reiches — 8 Kilometer Zaun, Maschinengewehre, Wachen alle 50 Meter. Aber es gab einen Fehler im System, einen winzigen Fehler, den nur ein Insider sehen konnte. Die Konferenzbaracke war aus Holz gebaut. Nicht aus Beton. Das war für Hitlers Sicherheit gedacht — er wollte sich nicht in einem Bunker gefangen fühlen. Stauffenberg sah das Holz und sah seine Chance.
Am Morgen des 20. Juli flog Stauffenberg von Berlin nach Rastenburg. In seiner Aktentasche: zwei Sprengpakete, ein Telefon, eine Pistole und die Namen von 380 Offizieren, die bereits zugesagt hatten, ihn zu unterstützen. Das Netzwerk der Verschwörer reichte bis zu Generälen, Richtern, Diplomaten — Männer, die das System von innen zerstören wollten. Sie hatten einen Plan für danach: Operation Walküre, ein Notfall-Mobilisierungscode, der die Wehrmacht unter ihre Kontrolle bringen sollte, sobald Hitler tot war.
Um 12:42 Uhr zündet Stauffenberg den Sprengstoff. Die Explosion ist so laut, dass sie 200 Meter entfernt noch zu hören ist. Ein Fensterrahmen fliegt 40 Meter weit. Stauffenberg sieht das und weiß: Das kann niemand überleben. Er fliegt am selben Tag nach Berlin, um die Verschwörer zu treffen und die Übernahme zu koordinieren.
Dann kommt der Anruf. Hitler ist am Leben.
Die Baracke war zu groß. Der Sprengstoff, obwohl präzise berechnet, hatte sich in alle Richtungen ausgebreitet. Der massive Holztisch hatte die Druckwelle von Hitler abgelenkt. Vier Offiziere starben; Hitler hatte Verbrennungen, ein gebrochenes Bein, Trommelfellschäden. Aber er lebte.
Bis Mitternacht waren die meisten Verschwörer verhaftet. Stauffenberg wurde im Hof des Bendlerblocks erschossen — um 20:08 Uhr, weniger als 8 Stunden nach dem Anschlag. Seine letzten Worte sollen "Es lebe das heilige Deutschland" gewesen sein. Von den 380 Offizieren, die zugesagt hatten, wurden 200 hingerichtet. Manche wurden erhängt, während Filme ihrer Hinrichtungen Goebbels vorgeführt wurden, der sie sich ansah wie Unterhaltung.
Das Absurdeste daran: Der Anschlag hätte funktionieren können. Die Physik war richtig. Die Planung war brillant. Aber die Bauweise einer Baracke — die Entscheidung eines Diktators, nicht in einem Bunker zu sitzen — rettete sein Leben und tötete stattdessen Hunderte derjenigen, die ihn töten wollten.