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Entdeckungsreisen

Vasco da Gama erreicht Indien

Calicut, India

Vasco da Gama erreicht Indien — Calicut, India
Bild: Sailko · CC BY 3.0

Ein portugiesischer Kapitän steht an Deck eines zerfallenden Schiffes und sieht Land, das sein Leben hätte zerstören sollen. Das ist der Moment, in dem die Welt sich spaltet.

Es ist der 31. Juli 1498. Vasco da Gama wirft den Anker vor Calicut aus. Sein Schiff, die São Gabriel, hat 300 Tonnen Wasser geschluckt. Die Mannschaft — von ursprünglich 170 Mann sind etwa 60 gestorben — steht auf dem Deck und starrt auf die indische Küste. Nicht mit Ehrfurcht. Mit Erleichterung. Sie haben es geschafft. Das, was niemand für möglich hielt, haben sie getan: Sie sind vom Atlantik zum Indischen Ozean gesegelt, ohne umzukehren, ohne sich zu verirren, und sie haben eine Route gefunden, die die gesamte europäische Wirtschaft neu schreiben würde.

Da Gama war kein Held aus den Legenden. Er war ein Offizier mittleren Alters, den der portugiesische König Manuel I. ausgewählt hatte, weil er methodisch war, nicht weil er kühn war. Sein Vater, Estêvão da Gama, war ein angesehener Navigator — die Familie kannte Schiffe wie andere Familien Häuser kennen. Als Vasco die Route um das Kap der Guten Hoffnung segelte, vertraute er nicht auf Glück. Er vertraute auf Astronomie, auf arabische Karten, die Portugal hatte erwerben können, und auf die Tatsache, dass die portugiesische Krone seit Jahrzehnten in Kartografie und Seefahrt investiert hatte.

Vasco da Gama erreicht Indien — Calicut, India
Bild: Georges Jansoone · CC BY 2.5

Das Erstaunliche ist nicht, dass er ankam. Das Erstaunliche ist, wie schnell die Welt das vergaß. Da Gama brauchte von Lissabon bis Calicut 300 Tage. Das war nicht schnell. Aber es war möglich. Die Gewürze, die Seide, die Stoffe — alles, das Europa von Venedig und Genua kaufte, weil diese Städte die Kontrolle über die Handelsrouten nach Asien hielten — das konnte jetzt direkt kommen. Die Preise würden fallen. Die Vermögen venezianischer Händler würden verdampfen. Das Mittelmeer, für tausend Jahre das Zentrum der Welt, würde zur Provinz.

Da Gama selbst verstand das noch nicht ganz. Er war ein Seemann, kein Ökonom. Als er in Calicut landete, versuchte er zu handeln. Er bot Hüte, Mützen, Perlen und billige Stoffe an. Der lokale Herrscher, der Zamorin, schaute sich die Waren an und fragte ungefähr: Wo sind die Gewürze? Wo ist das Gold? Was soll ich mit diesem Müll? Da Gama musste verstehen, dass er nicht der erste Europäer war, der Handel wollte. Er war nur der erste, der eine Route hatte.

Vasco da Gama erreicht Indien — Calicut, India
Bild: Descobrimentos_e_explorações_portugueses.png: *Portuguese_discoveries_and_explorations.png: *Portuguese_Empire_map.jpg: · CC BY-SA 3.0

Als er 1499 nach Lissabon zurückkehrte, hatte er nur ein Drittel seiner Besatzung mitgenommen. Aber seine Schiffe waren gefüllt mit Pfeffer. Ein Kilogramm Pfeffer kostete in Lissabon das Dreifache von dem, was er in Calicut bezahlt hatte. Der König war zufrieden. Die Händler Venedigs waren es nicht.

Da Gama war nicht derjenige, der die Welt veränderte. Aber er war derjenige, der zeigte, dass es möglich war. Und manchmal ist das genug.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Vasco da Gama

Technik

Assuan-Hochdamm eingeweiht

Aswan, Egypt

Assuan-Hochdamm eingeweiht — Aswan, Egypt
Bild: NASA · Public domain

Im Juli 1970 stand Ägypten vor einer Mauer aus Beton, die höher war als jedes Bauwerk, das das Land je errichtet hatte – und dahinter staute sich das Wasser des Nils zu einem See, der größer war als Luxemburg. Der Assuan-Hochdamm war fertig. Am 31. Juli unterzeichnete Präsident Anwar Sadat die offizielle Einweihung, und damit endete eine Ära, in der der Nil das tat, was Flüsse seit Jahrtausenden taten: er kam, er ging, er überschwemmte, er trocknete aus. Der Mensch hatte gelernt, ihn zu befehlen.

Das war das Versprechen, und es klang unwiderstehlich. Ein Damm von 111 Metern Höhe, 3.830 Meter breit, mit einer Wassermenge dahinter, die 26 Milliarden Kubikmeter fassen konnte – genug für zwei komplette Nilfluten. Das bedeutete: Keine Hungersnöte mehr durch Dürren. Keine Überschwemmungen mehr, die Dörfer auslöschten. Stattdessen konstante Bewässerung für die Felder, Elektrizität für Millionen, ein modernes Ägypten, das nicht mehr von den Launen eines uralten Flusses abhängig war.

Die Sowjets hatten das Ding gebaut – wenigstens finanziert und geplant – weil Gamal Abdel Nasser, Sadats Vorgänger, sich nach dem Suez-Krieg 1956 an den Westen abgestoßen sah. Die Amerikaner hatten das Projekt zunächst blockiert. Also wandte sich Nasser nach Osten, und die Sowjets kamen mit Ingenieuren, Geld und der Gelegenheit, einen kapitalistischen Rivalen zu schwächen. Für Ägypten war es ein Pakt mit praktischem Nutzen; für die Supermächte war es wieder nur ein Schachzug im Kalten Krieg, diesmal mit Wasser statt Waffen.

Assuan-Hochdamm eingeweiht — Aswan, Egypt
Bild: Wikimedia Commons · Public domain

Aber hier beginnt die Geschichte interessant zu werden. Der Staudamm tat genau das, was er sollte – die Fluten kontrollierten, die Elektrizität lieferten – und zerstörte gleichzeitig etwas, das niemand wirklich ersetzen konnte. Der Nil hatte für fünftausend Jahre Sediment mitgebracht, fruchtbaren schwarzen Schlamm, der die ägyptischen Felder von selbst erneuerte. Mit dem Damm blieb dieser Schlamm stecken, im neuen See, dem Nassersee. Die Bauern mussten nun künstliche Dünger kaufen. Die Böden wurden mit der Zeit salziger. Die Fischerei kollabierte, weil sich die Fischbestände im Mittelmeer veränderten – der Nil brachte keine Nährstoffe mehr ins Meer.

Und es gab noch etwas anderes: 90.000 Menschen mussten umgesiedelt werden, weil ihre Dörfer unter Wasser verschwinden würden. Die meisten waren Nubier, eine ethnische Gruppe mit eigenem Erbe, eigener Sprache. Sie wurden verstreut in neue Siedlungen. Ihre Tempel – wie Abu Simbel – wurden in einer der größten Rettungsoperationen der Archäologie Stein für Stein abgebaut und an höherer Stelle wieder aufgebaut. Eine beeindruckende Leistung. Auch ein merkwürdiges Vermächtnis: Wir konnten die Steine retten, aber nicht die Gemeinschaften.

Assuan-Hochdamm eingeweiht — Aswan, Egypt
Bild: Not credited · Public domain

Als Sadat 1970 das Band durchschnitt, sah die Welt einen Triumph. Ein Land, das sich der Natur unterordnet hatte, hatte gesiegt. Was die Welt weniger sah, war die Rechnung – nicht nur in Erosion und Salzgehalt, sondern in dem stillen Wissen, dass es manchmal unmöglich ist, eine alte Ordnung zu ersetzen, ohne etwas zu verlieren, das man nicht wieder bekommt.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Aswan High Dam

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