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Krieg & Konflikt

Der Irak überfällt Kuwait und löst den Golfkrieg aus

Kuwait

Der Irak überfällt Kuwait und löst den Golfkrieg aus — Kuwait
Bild: Zymogen92 · Public domain

Der Mann, der Kuwait in zwei Tagen eroberte, war ein ehemaliger Schullehrer namens Saddam Hussein. Am 2. August 1990 rollen 100.000 irakische Soldaten über die Grenze, und es dauert weniger als 48 Stunden, bis ein ganzes Land aufgehört hat zu existieren — nicht physisch, sondern politisch. Kuwait verschwindet von der Landkarte, wird zur irakischen Provinz erklärt, und die Welt muss entscheiden, ob sie das zulässt.

Was hier passiert ist, ist nicht einfach ein militärischer Überfall. Es ist ein Experiment in der Frage, wie viel internationale Ordnung noch wert ist. Der Grund, warum das funktioniert, liegt in einer merkwürdigen globalen Konstellation: Der Kalte Krieg ist gerade vorbei, Gorbatschow sitzt im Kreml und will sich mit dem Westen arrangieren, und plötzlich gibt es zum ersten Mal seit 45 Jahren eine Chance auf echte internationale Zusammenarbeit. Die Sowjetunion stimmt einer Resolution des UN-Sicherheitsrats zu, die den Irak verurteilt. Stellt euch das vor — Moskau und Washington auf der gleichen Seite.

Die Invasion selbst ist militärisch elegant durchgeführt, fast langweilig in ihrer Effizienz. Die Luftwaffe Kuwaits besteht aus 36 Kampfflugzeugen; der Irak bringt 500 mit. Die Hauptstadt fällt an einem Morgen. Aber die wirkliche Geschichte beginnt, als alle anderen Länder merken, was das bedeutet: Ein Despotismus kann nicht einfach souveräne Staaten annektieren, wenn die Welt das nicht will. Sonst ist jedes Land morgen dran.

Der Irak überfällt Kuwait und löst den Golfkrieg aus — Kuwait
Bild: Unknown authorUnknown author · Public domain

So entsteht eine Koalition. 35 Länder, angeführt von den USA, unterstützen die militärische Antwort. Saudi-Arabien, das nächste große Ziel auf Husseins imaginärer Einkaufsliste, erlaubt plötzlich amerikanische Basen auf seinem Heiligen Boden — ein religiös und politisch ungeheuer riskanter Schritt, der dort noch heute nachwirkt. Im Januar 1991 beginnt die Bombardierung. 100.000 Tonnen Munition fallen auf den Irak in 42 Tagen. Die Bodenkampagne dauert 100 Stunden.

Aber hier wird es interessant: Was folgt, ist nicht Frieden, sondern eine andere Art von Chaos. Der Irak bleibt fragmentiert, der Saddam bleibt an der Macht, und eine ganze Generation von Amerikanern ist jetzt in der Golfregion präsent. Militärische Basen bleiben, Flugverbotszonen werden durchgesetzt, Inspektoren gehen rein und raus. Die Sanktionen gegen den Irak werden so brutal, dass in den 1990ern geschätzt 500.000 irakische Kinder sterben — nicht im Krieg, sondern an Hunger und Krankheit, weil die Infrastruktur zerstört ist und die Wirtschaft kollabiert.

Der Irak überfällt Kuwait und löst den Golfkrieg aus — Kuwait
Bild: Sakiv · CC BY 4.0

Der Ölpreis schießt nach oben, dann wieder runter. Die Golfstaaten werden noch abhängiger von amerikanischer Militärmacht. Und irgendwo in dieser Asche, in dieser Mischung aus Demütigung und Fremdbestimmung, wächst etwas heran, das Al-Qaida heißen wird und das 2001 sein eigenes Experiment mit internationaler Ordnung starten wird.

Die Invasion Kuwaits war militärisch eine Niederlage für Saddam Hussein. Politisch war sie ein Sieg, der sich über Jahrzehnte auszahlte — nur eben nicht für den Irak.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Invasion of Kuwait

Krieg & Konflikt

Nelsons Sieg in der Schlacht vom Nil

Aboukir Bay, Egypt

Nelsons Sieg in der Schlacht vom Nil — Aboukir Bay, Egypt
Bild: George Arnald · Public domain

Nelson kam mit dreizehn Schiffen an, die Franzosen hatten vierzehn — und trotzdem war die Schlacht am 1. August 1798 in der Bucht von Abukir bereits entschieden, bevor die Sonne aufging.

Einen Tag zuvor war die Welt noch in einem anderen Zustand. Napoleon Bonaparte hatte Ägypten erobert, eine Invasionsflotte von 400 Schiffen über das Mittelmeer geschickt, und die britische Royal Navy war völlig ratlos. Wo war diese französische Armada? Niemand wusste es. Admiral Nelson segelte seit Wochen herum wie jemand, der sein Portemonnaie verloren hat — überall suchend, nirgends findend. Die französische Flotte unter Admiral Brüeys war so gut verborgen in der Bucht von Abukir, dass die Briten sie fast nicht bemerkt hätten. Die Franzosen dachten sich, sie seien sicher genug: Das Wasser war flach, die Küste nah, Sandbänke überall. Wer würde so verrückt sein und hier angreifen?

Nelson war verrückt genug.

Nelsons Sieg in der Schlacht vom Nil — Aboukir Bay, Egypt
Bild: Lemuel Francis Abbott · Public domain

Sein Plan war einfach, aber brutal: nicht von vorne angreifen wie erwartet, sondern zwischen die französischen Schiffe fahren und sie von innen zerfetzen. Mit zwölf Linienschiffen segelte er geradewegs zwischen die französische Flotte und die Küste. Es war dunkel, die Gewässer waren unbekannt, die Sandbänke warteten überall. Ein falscher Manöver und seine Schiffe würden auf Grund laufen. Aber Nelson kannte eine Regel, die die Franzosen nicht kannten: Wer das Risiko nimmt, das die anderen nicht nehmen wollen, gewinnt gegen Gegner, die zu vorsichtig sind.

Das Feuer war apokalyptisch. Die HMS Bellerophon, ein 74er-Linienschiff, stand Brüeys' Flaggschiff L'Orient direkt gegenüber. Zwei Stunden lang bombardierten sie sich gegenseitig, bis L'Orient brannte wie ein Freudenfeuer — und um Mitternacht explodierte das Schiff mit solcher Kraft, dass das Feuer kilometerweit sichtbar war. Die Explosion war so mächtig, dass die Kämpfer auf beiden Seiten für einen Moment verstummten, nur um dann weiterzumachen.

Nelsons Sieg in der Schlacht vom Nil — Aboukir Bay, Egypt
Bild: Unknown artistUnknown artist · Public domain

Von etwa 900 französischen Seeleuten auf L'Orient überlebten vielleicht 70. Insgesamt verlor die französische Flotte 1.700 Mann tot, 1.500 verwundet, 3.000 gefangen. Die Briten verloren 218 Tote und 678 Verwundete. Es war keine Schlacht — es war eine Vernichtung.

Und hier liegt die wirkliche Ironie: Napoleon hatte gerade Ägypten erobert, eine ganze Nation unter seine Kontrolle gebracht. Aber in einer einzigen Nacht, ohne dass er es verhindern konnte, wurde seine Flotte zerstört. Der General, der eben noch unbesiegbar aussah, war plötzlich in Afrika gefangen — nicht von einem stärkeren Feind, sondern von einem Mann, der sich einfach traut, dorthin zu segeln, wo kein vernünftiger Admiral segeln würde.

Nelson wurde zum Helden. Die Franzosen hatten Ägypten, aber die Briten hatten das Meer. Und im Jahr 1798 war das Meer alles.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Battle of the Nile

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