Daily History
Entdeckungsreisen

Kolumbus bricht nach Amerika auf

Palos, Spain

Ein Mann mit einer irrigen Kartografie segelte los und erfand dabei die Neue Welt. Das ist nicht ganz richtig, aber es ist die Art von Irrtum, die Geschichte umschreibt.

Am 3. August 1492 verließen drei Schiffe den Hafen von Palos de la Frontera. Die Santa María war das Flaggschiff, nicht besonders groß, nicht besonders schnell – ein Handelsschiff von etwa 25 Metern Länge, das für den Atlantik wahrscheinlich nicht ideal geeignet war. Neben ihr segelten die Niña und die Pinta, kleinere Karavellen, wendiger, schneller, die Art von Schiffen, die Seefahrer liebten. Christoph Kolumbus stand an Bord und war überzeugt, dass er nach Westen segeln könne und dabei Asien erreichen würde.

Das war die Normalität des 3. August 1492: Die Welt war, wie sie immer gewesen war. Europa endete im Westen beim Atlantik. Afrika war bekannt, Asia war bekannt, aber der Ozean dazwischen war eine Mauer aus Ungewissheit. Niemand wusste, was dahinter lag, und die meisten Gelehrten glaubten, dass Kolumbus sterben würde, wenn er es versuchen würde. Die Reise war zu weit, die Schiffe zu klein, die Vorräte zu knapp. Seine eigenen Männer hatten Angst vor dem Nichts.

Kolumbus selbst war nicht ganz neu in dieser Sache. Er hatte Jahre damit verbracht, Könige und Königinnen um Geld zu bitten. Isabella und Ferdinand von Spanien hatten gerade Granada zurückerobert, die letzte maurische Stadt auf der Iberischen Halbinsel. Sie brauchten einen Sieg, einen Glanz, etwas, das die Welt bemerken würde. Ein Seefahrer, der nach Westen segeln wollte und behauptete, Reichtum zu finden – nun ja, warum nicht? Sie zahlten etwa 1,2 Millionen Maravedís, eine Summe, die klein genug war, um riskant zu sein, aber groß genug, um bedeutsam zu wirken.

Die Fahrt selbst dauerte 33 Tage. Die Männer wurden nervös, dann panisch. Sie sahen Vögel, was bedeutete, dass Land nah sein musste. Sie sahen Unkraut im Wasser. Dann, am 12. Oktober, sahen sie Land. Kolumbus dachte, er sei in Japan angekommen. Er war nicht in Japan. Er war auf einer Insel in der Karibik, wahrscheinlich San Salvador, und er hatte einen Kontinent entdeckt, dessen Existenz er nicht geahnt hatte.

Hier ist das Seltsame: Die Welt änderte sich nicht sofort. Kolumbus segelte zurück nach Spanien, berichtete, was er gefunden hatte, und die meisten Leute glaubten ihm nicht wirklich. Es dauerte Jahre, bis die Nachricht sich verbreitete, bis andere Seefahrer segelten, bis jemand verstand, dass dies nicht Asien war, sondern etwas ganz Neues. Die Kartografie musste neu geschrieben werden. Die Wirtschaft musste umgestellt werden. Millionen von Menschen, deren Existenz Europa nicht kannte, würden bald in europäische Pläne hineingezogen.

Aber am 2. August 1492, dem Tag davor, war die Welt noch ganz. Sie war kleiner, abgeschlossener, vollständiger. Am 3. August um Mittag segelte diese Welt davon, ohne es zu wissen, und kam nie wieder zurück.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Voyage of Columbus

Entdeckungsreisen

USS Nautilus durchquert den Nordpol

Arctic Ocean

USS Nautilus durchquert den Nordpol — Arctic Ocean
Bild: USN official photo # 199068 · Public domain

An einem Augustmorgen im Jahr 1958 fährt ein Stahlrohr mit 111 Menschen an Bord unter das Eis. Niemand kann sehen, wohin es geht. Niemand kann es verfolgen. Die USS Nautilus, ein Atom-U-Boot, das aussieht wie ein grauer Bleistift mit Flossen, taucht unter den Nordpol — nicht über ihn, nicht um ihn herum, sondern direkt darunter.

Das ist die radikale Neuerung hier. Nicht dass es möglich ist — Ingenieure hatten das ausgerechnet. Sondern dass es tatsächlich getan wird, an einem normalen Freitag, von Menschen in einer Metallröhre, die sich auf ihre Instrumente verlassen müssen, weil das Auge dort oben nichts sieht.

Der Kommandant heißt William R. Anderson, ein 38-jähriger Marineoffizier mit dem Gesicht eines Mannes, der Entscheidungen trifft, ohne danach zu fragen, ob man ihn gefragt hat. Die Nautilus ist ein Schiff, das nur deshalb existiert, weil die Eiskalte Kriegslogik von oben sagte: Wir brauchen ein U-Boot, das überall hingehen kann, ohne aufzutauchen. Und so wurde es gebaut, mit einem Kernreaktor im Bauch, der die Energie liefert für Wochen unter Wasser, ohne Luft zu schnappen.

USS Nautilus durchquert den Nordpol — Arctic Ocean
Bild: Victor-ny · CC BY-SA 3.0

Am 3. August 1958, gegen 23 Uhr und 15 Minuten, gibt Anderson den Befehl. Die Nautilus taucht ab. Sie gleitet unter das Packeis, unter Wasser so schwarz wie Tinte, unter Eis so dick wie ein Hochhaus hoch ist. Die Männer an Bord können nicht nach oben schauen und sehen, dass sie noch existieren. Sie müssen es glauben.

Das Seltsame ist: Sie wissen nicht wirklich, wo sie sind. Der Nordpol ist nicht einfach ein Punkt auf einer Karte — unter Wasser ist er unsichtbar. Die Navigation funktioniert hier anders, mit Trägheitssystemen, die berechnen, wohin das Boot geht, indem sie messen, wie schnell es sich bewegt. Es ist wie Fliegen nach Gefühl, nur mit Mathematik.

USS Nautilus durchquert den Nordpol — Arctic Ocean
Bild: Wikimedia Commons · Public domain

Am 15. August, als die Nautilus unter dem Pol durchfährt, macht Anderson eine Durchsage. Er sagt, dass sie es geschafft haben. Die Mannschaft applaudiert in einem U-Boot unter dem Eis am Ende der Welt, wo niemand sie hört, wo niemand beweisen kann, dass sie je dort waren. Nur ihre Instrumente wissen es.

Das ist das Absurde an dieser Geschichte: Die größte technische Leistung des Jahres 1958 fand im Verborgenen statt. Kein Film, keine Fotos, keine Zuschauer. Die Öffentlichkeit erfuhr es erst Tage später, als die Nautilus wieder auftauchte und Anderson es den Reportern erzählte. Die ganze Welt staunte über etwas, das keine Zeugen hatte.

Die Nautilus hatte gerade bewiesen, dass ein Atom-U-Boot überall hingehen konnte — auch unter das Eis der Arktis, auch unter den Punkt, an dem alle Kompassnadeln verrückt werden. Und damit hatte sie auch bewiesen, dass der Nordpol, dieser Ort der Mythen und Träume, plötzlich strategisches Territorium war. Ein U-Boot konnte jetzt überall lauern. Überall horchen. Die Welt war kleiner geworden, und keiner konnte es sehen.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/USS Nautilus (SSN-571)

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