Daily History
Krieg & Konflikt

Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg und tritt in den Ersten Weltkrieg ein

London, United Kingdom

Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg und tritt in den Ersten Weltkrieg ein — London, United Kingdom
Bild: Collection DocAnciens/docpix.fr · Public domain

Sir Edward Grey saß in seinem Büro im Foreign Office und wusste, dass er gleich das Schicksal von Millionen Menschen besiegeln würde. Es war der 4. August 1914, Dienstagabend, und draußen in London herrschte eine Art Wahnsinn – Menschenmassen drängten sich auf den Straßen, manche jubelnd, manche betend, alle wartend auf das, was der Außenminister ihnen sagen würde.

Grey war kein Mann der dramatischen Gesten. Mit 52 Jahren wirkte er eher wie ein gewissenhafter Beamter als wie jemand, der gerade sein Land in den größten Krieg stürzen würde, den die Welt je gesehen hatte. Doch genau das war passiert. Deutschland hatte Belgien überfallen – nicht aus strategischer Notwendigkeit, sondern weil der Schlieffen-Plan, ein deutscher Kriegsplan aus dem Jahr 1905, vorsah, Frankreich schnell zu schlagen, indem man durch das neutrale Belgien marschierte. Ein Land, das Großbritannien vertraglich zu schützen verpflichtet war.

Die britische Regierung unter Premierminister Herbert Asquith hatte eine Wahl, die keine Wahl war. Deutschland musste bis Mitternacht Belgien räumen. Die Antwort kam prompt: Nein. Um 23 Uhr verkündete Grey im Unterhaus, was jeder bereits wusste und was niemand wirklich ertragen konnte – Großbritannien war im Krieg.

Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg und tritt in den Ersten Weltkrieg ein — London, United Kingdom
Bild: John Warwick Brooke · Public domain

Aber hier ist das Merkwürdige: Grey selbst wollte diesen Krieg nicht. Er hatte monatelang verhandelt, gehofft, dass der europäische Diplomatie-Apparat das Unvermeidliche noch abwenden könnte. Als ihm später klar wurde, dass es vorbei war, soll er zu einem Bekannten gesagt haben: "Die Lichter gehen in ganz Europa aus. Wir werden sie in unserem Leben nicht wieder angehen sehen." Das war nicht die Aussage eines Kriegstreibers. Das war die Aussage eines Mannes, der verstanden hatte, dass etwas Fundamentales gerade zerbrach.

In den Straßen Londons hingegen tanzten Menschen. Nicht alle – es gab auch Angst, Verwirrung, Tränen. Aber in Trafalgar Square und rund um den Buckingham Palace versammelten sich Tausende, die Britannia-Flaggen schwingend, als hätte gerade jemand einen Fußballsieg verkündet. Sie hatten keine Ahnung, dass in den nächsten vier Jahren über 700.000 Briten sterben würden. Dass ein ganzer Jahrgang von Männern in den Schützengraben landen würde. Dass die Welt, die sie kannten, einfach aufhören würde zu existieren.

Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg und tritt in den Ersten Weltkrieg ein — London, United Kingdom
Bild: Unknown authorUnknown author · Public domain

Grey unterzeichnete das Ultimatum mit seiner eigenen Hand. Ein einzelner Mann, mit Tinte und Papier, ein Schriftzug – und plötzlich waren 46 Millionen Briten im Krieg. Die meisten von ihnen erfuhren es aus der Zeitung am nächsten Morgen. Sie hatten nicht abgestimmt. Sie hatten nicht entschieden. Aber ab sofort war ihr Leben nicht mehr ihr eigenes.

Das Absurde daran: Grey hätte sich ungerecht behandelt fühlen dürfen. Die Welt war in diesem Moment nicht fair zu ihm, nicht zu Asquith, nicht zu den Millionen von Jungen, die in wenigen Wochen die Uniform anziehen würden. Aber Fairness war ein Konzept für Zeiten des Friedens. Jetzt zählte nur noch eins – wer würde überleben, und wer nicht.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/World War I

Persönlichkeiten

Anne Frank schreibt ihren letzten Tagebucheintrag vor der Verhaftung

Amsterdam, Netherlands

Anne Frank schreibt ihren letzten Tagebucheintrag vor der Verhaftung — Amsterdam, Netherlands

Anne Frank schrieb am 4. August 1944 einen Satz, den sie nie wieder schreiben würde: "Ich hoffe, daß ich dir alles anvertrauen kann, wie ich das bisher noch bei niemand gekonnt habe, und daß du mir eine große Stütze sein wirst."

Drei Tage später kamen die Männer.

Was macht eine normale Woche zu einer normalen Woche, wenn man sich seit zwei Jahren in einem Hinterhaus versteckt? Für die acht Menschen hinter der unsichtbaren Tür in der Prinsengracht 263 war es die Routine des Überlebens, die alles trug. Morgens: absolute Stille, weil unten im Lagerhaus die Arbeiter ankamen. Mittags: vorsichtiges Essen. Nachmittags: Anne und die anderen saßen im dunklen Wohnzimmer und lasen, schrieben, stritten, träumten. Das war normal geworden. Das war das Leben.

Anne war fünfzehn Jahre alt und schrieb ein Tagebuch für eine Freundin namens Kitty, die nicht existierte. Das war genial und verzweifelt zugleich: Sie konnte mit jemandem sprechen, der nicht antworte, der nicht urteile, der nicht verraten könne. In diesen Wochen des August 1944 schrieb sie über ihre Mutter, die sie nicht verstand; über Peter van Daan, den Jungen im Haus, den sie zu lieben begann; über ihre Träume von Schauspielerei und Journalismus. Sie war eine Teenagerin, nicht eine Heldin. Sie dachte an Jungen. Sie war eifersüchtig. Sie war lebendig.

Anne Frank schreibt ihren letzten Tagebucheintrag vor der Verhaftung — Amsterdam, Netherlands
Bild: Martin Gray89 · CC BY-SA 4.0

Die Welt draußen sah für die meisten Menschen in Amsterdam relativ normal aus, wenn man von der Besatzung absah. Die Alliierten waren inzwischen in der Normandie gelandet, die Deutschen wussten, dass sie verlieren würden. Aber in Amsterdam war das ein abstraktes Wissen. Die Maschine der Verfolgung lief noch, fast automatisch, als hätte sie ihre eigene Logik entwickelt, losgelöst von der Realität, dass das Reich zusammenbrach.

Anne Franks Tagebuch endete am 4. August mit einer Reflexion über ihre "doppelte Natur" – sie war impulsiv, aber auch nachdenklich; laut, aber auch verschlossen. Ein normales Mädchen, das über sich selbst nachdachte, wie Millionen andere Mädchen es täten.

Dann kam der 13. August.

Anne Frank schreibt ihren letzten Tagebucheintrag vor der Verhaftung — Amsterdam, Netherlands
Bild: Rodrigo Galindez · CC BY 2.0

Ein Anruf. Eine Denunziation – von wem, wurde nie ganz geklärt. Die Gestapo kam mit Gewehren und Handschellen. Sie brauchten nicht lange zu suchen; die Tür war versteckt, aber nicht unmöglich zu finden, wenn man wusste, wo man suchen musste. In weniger als einer Stunde war es vorbei. Die acht Menschen wurden in einen Lastwagen geladen. Das Tagebuch blieb auf dem Boden liegen, Seiten überall verstreut.

Die Ironie war so präzise, dass man sie nicht hätte erfinden können: Anne hatte geschrieben, um der Vergessenheit zu entgehen. Um Kitty zu sagen, dass sie existierte. Um festzuhalten, dass sie mehr war als eine Statistik, mehr als eine Nummer, die man später auf eine Arm tätowieren würde. Das Tagebuch sollte ihre Stimme retten.

Statt dessen rettete es sie nach ihrem Tod.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/The Diary of Anne Frank

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