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Krieg & Konflikt

Westgoten plündern Rom zum ersten Mal seit 800 Jahren

Rome, Italy

Westgoten plündern Rom zum ersten Mal seit 800 Jahren — Rome, Italy
Bild: Joseph-Noël Sylvestre · Public domain

Als in den frühen Morgenstunden des 24. August 410 die Salarische Pforte Roms nicht aufgebrochen, sondern von innen geöffnet wurde, war das kein Akt des Heldentums seitens der Westgoten. Es war der traurige Höhepunkt einer langen, zähen Verhandlung, die eine Seite wiederholt scheitern ließ: die Römer selbst. Rom wurde nicht von einem blutrünstigen Barbaren überrannt, der nichts als Zerstörung im Sinn hatte. Es fiel einer Mischung aus politischer Kurzsichtigkeit, Paranoia und einer gehörigen Portion römischen Hochmuts zum Opfer.

Der Mann, der vor den Toren stand, Alarich I., war kein einfacher Stammesführer. Er war ein Westgote, ja, aber auch ein römischer Feldherr, der sich jahrelang im Dienste des Imperiums aufgerieben hatte. Er wollte kein Reich erobern; er wollte einen sicheren Platz für sein Volk innerhalb der römischen Grenzen, Land, Getreide und einen offiziellen Titel, der seine Autorität legitimierte. Immer wieder hatte er versucht, zu verhandeln, immer wieder hatte er Belagerungen inszeniert, um die kaiserlichen Ohren in Ravenna zu erreichen. Und immer wieder hatte Kaiser Honorius, ein Mann, dessen Leidenschaft angeblich seinen Hühnern galt – eines davon nannte er „Rom“ und war erleichtert, als er erfuhr, nicht die Stadt, sondern sein Huhn sei tot –, die Angebote ignoriert oder durchkreuzt.

Die Tragödie begann nicht erst im Jahr 410, sondern Jahre zuvor, mit der Ermordung des fähigsten Mannes, den Rom noch hatte: Stilicho. Dieser brillanter General war selbst ein Vandale, aber er hatte das Weströmische Reich über ein Jahrzehnt lang zusammengehalten. Er war der einzige, der die römische Armee noch effektiv führen konnte, der die Westgoten verstand und der Alarichs Forderungen ernst nahm. Doch unter dem Einfluss neidischer Höflinge und dem misstrauischen Honorius wurde Stilicho 408 hingerichtet. Eine Entscheidung, die aus heutiger Sicht so klug war wie das Entfernen des eigenen Herzens, um Gewicht zu sparen. Rom war nun nicht nur militärisch führungslos, sondern auch jeglicher diplomatischer Finesse beraubt.

Westgoten plündern Rom zum ersten Mal seit 800 Jahren — Rome, Italy
Bild: Shepherd, William R. · Public domain

Alarich belagerte Rom zweimal vor der eigentlichen Plünderung. Beim ersten Mal erpresste er ein astronomisches Lösegeld: 5.000 Pfund Gold, 30.000 Pfund Silber, 4.000 Seidentuniken, 3.000 Pfund gefärbten Pfeffer und 3.000 Pfund Pelzwerk. Man könnte sagen, er war ein sehr teurer, aber geduldiger Verhandlungsführer. Die Stadt war so ausgehungert, dass sie sogar Gladiatorenfleisch aß, aber Honorius in Ravenna blieb ungerührt. Er weigerte sich standhaft, Alarich Land zuzugestehen und ihn als römischen Befehlshaber anzuerkennen. Was Alarich wollte, war nicht der Untergang Roms, sondern ein Vertrag, der ihm und seinem Volk ein würdiges Dasein ermöglichte – als Teil des Reiches, nicht als dessen Zerstörer.

Als Rom dann fiel, war es keine Vernichtung wie die eines Pompeji. Die Plünderung dauerte nur drei Tage. Die Westgoten waren Arianer, eine christliche Strömung, und Alarich befahl, Kirchen und Heiligtümer zu respektieren. Viele Römer, die sich in Basiliken wie St. Peter geflüchtet hatten, blieben unversehrt. Der Schaden war immens, aber die Stadt wurde nicht in Schutt und Asche gelegt. Es war eine Demütigung, ein Schock, der durch die gesamte bekannte Welt hallte, doch Rom erholte sich, wenn auch nie wieder zu alter Größe.

Westgoten plündern Rom zum ersten Mal seit 800 Jahren — Rome, Italy
Bild: Photographed by User:Bullenwächter · CC BY-SA 3.0

Die eigentliche Ironie? Alarich zog nach Süden, starb nur wenige Monate später und wurde angeblich in einem Flussbett begraben, dessen Lauf man für die Beisetzung umleitete. Sein Traum von einem dauerhaften Frieden für sein Volk innerhalb des Imperiums blieb unerfüllt. Der Fall Roms im Jahr 410 war somit weniger ein triumphaler Sieg der Barbaren als vielmehr ein selbstverschuldetes Desaster, das den Preis für eine fatale Mischung aus Arroganz und Inkompetenz aufzeigte. Die Stadt, die sich 800 Jahre lang als unbesiegbar wähnte, fiel nicht, weil sie militärisch unterlegen war, sondern weil ihre Führung die Hilferufe eines potenziellen Verbündeten ignorierte.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Sack of Rome (410)

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Osmanisches Reich besiegt Mamluken in der Schlacht von Marj Dabiq und erobert Syrien

Marj Dabiq, Syria

Osmanisches Reich besiegt Mamluken in der Schlacht von Marj Dabiq und erobert Syrien — Marj Dabiq, Syria
Bild: Chamboz · CC BY-SA 4.0

Manchmal genügt ein einziger Tag, um die Landkarte nicht nur zu verschieben, sondern in ihrer Bedeutung komplett neu zu zeichnen. Vor dem 24. August 1516 waren die Mamluken die unangefochtenen Herren Syriens, ein militärisches Bollwerk, das über zweieinhalb Jahrhunderte hinweg Kreuzzügler und Mongolen gleichermaßen abgewehrt hatte. Ihre Kavallerie war legendär, ihre Ritterlichkeit sprichwörtlich. Dann kam Sultan Selim I. und seine Osmanen mit einem unerschütterlichen Vertrauen in etwas, das die Mamluken für unehrenhaft hielten: Schießpulver.

Stellen Sie sich das vor: Auf den Feldern von Marj Dabiq, nördlich von Aleppo, standen sich zwei Welten gegenüber. Auf der einen Seite, glänzend in Rüstung und mit geschwungenen Krummsäbeln, die Mamluken unter Sultan Qansuh al-Ghawri. Eine Armee, deren Herz und Seele die Reiterei war, die ihre Kunst über Generationen perfektioniert hatte. Sie ritten in den Kampf, wie sie es immer getan hatten, mit dem unerschütterlichen Glauben an die Überlegenheit ihrer Kavallerie im direkten Nahkampf. Auf der anderen Seite die Osmanen. Selim I. hatte seine Infanterie, die gefürchteten Janitscharen, nicht nur mit Musketen ausgerüstet, sondern auch seine Artillerie strategisch positioniert, ihre Kanonen durch Wagenketten verbunden, um seine Schützen zu schützen und eine undurchdringliche Feuerwand zu schaffen.

Das war der Trick, das Geheimnis, das die Mamluken nicht nur ignorierten, sondern aktiv verachteten. Das Schießpulver, das sie als ein Werkzeug der Feiglinge abtaten, die sich nicht trauten, Mann gegen Mann zu kämpfen. Sie hatten zwar selbst einige Kanonen, aber sie verstanden die Taktik dahinter nicht. Sie sahen sie als Belagerungswaffen, nicht als dynamisches Element auf dem Schlachtfeld. Ihre wenigen Kanonen blieben oft in ihren Festungen oder wurden ineffizient eingesetzt, von untrainierten Sklaven bedient. Die Osmanen hingegen hatten eine hochspezialisierte Artillerie, die nicht nur schoss, sondern auch gezielt verheerende Salven abfeuern konnte. Sie hatten die Janitscharen, die aus der Ferne eine tödliche Präzision entwickelten, die kein Schwertduell bieten konnte.

Osmanisches Reich besiegt Mamluken in der Schlacht von Marj Dabiq und erobert Syrien — Marj Dabiq, Syria
Bild: Chamboz (talk · contribs) · CC BY-SA 4.0

Der Kampf begann und entwickelte sich schnell zu einem Massaker. Die mamlukische Kavallerie stürmte vor, wie sie es tausendmal zuvor getan hatte, doch diesmal trafen sie auf eine unsichtbare Mauer aus Blei und Eisen. Die osmanischen Kanonen rissen Schneisen in ihre Reihen, die Musketenschüsse der Janitscharen dezimierten die Elitekrieger, bevor sie überhaupt in Reichweite für ihre Schwerter kamen. Der Mythos der unbesiegbaren Mamluken brach an diesem Tag zusammen, nicht durch überlegenes Reiterkönnen, sondern durch die unerbittliche, unpersönliche Macht des Schießpulvers. Es war, als würden sie versuchen, einen Panzer mit einem Schwert zu besiegen. Der 78-jährige Mamluken-Sultan Qansuh al-Ghawri, so heißt es, erlitt angesichts der Vernichtung seiner Armee einen Schlaganfall und fiel vom Pferd, um im Getümmel zu sterben, vielleicht sogar von seinen eigenen fliehenden Truppen zertrampelt. Ein eher undankbares Ende für einen Mann, der eine Ära verkörperte.

Mit diesem Sieg fielen nicht nur Syrien und später Ägypten an das Osmanische Reich, sondern auch die Kontrolle über die heiligen Stätten Mekka und Medina. Die Osmanen übernahmen die Rolle der Beschützer des Islam, und Selim I. nahm den Titel des Kalifen an, was das Osmanische Reich zu einer noch mächtigeren islamischen Weltmacht machte. Vor diesem Tag war es undenkbar, dass ein Reich ohne die traditionelle Kavallerie-Dominanz so weite Gebiete erobern und halten könnte. Danach war klar: Die Zukunft gehörte dem Schwarzpulver. Eine Technologie, die einst als feige abgetan wurde, hatte die Welt für immer verändert. Die Mamluken, die sich weigerten, dies zu begreifen, bezahlten den höchsten Preis.

Osmanisches Reich besiegt Mamluken in der Schlacht von Marj Dabiq und erobert Syrien — Marj Dabiq, Syria
Bild: Chamboz · CC BY-SA 4.0

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Ottoman Empire

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