Mamluken stoppen Mongolen bei Ain Jalut
Palestine
Man hätte erwarten können, dass der größte Schock für die Welt des 13. Jahrhunderts von jenen kam, die auf Kamelen ritten, Pfeile regnen ließen und ganze Reiche in Staub verwandelten. Doch der wahre Augenöffner, das Detail, das die Geschichte von Grund auf neu schreibt, kommt aus einer gänzlich anderen Ecke: Es waren Sklaven. Kein edler Ritterorden, keine angestammte Dynastie, sondern jene, die man als menschliche Ware kaufte und verkaufte, die den scheinbar unaufhaltsamen Ansturm der Mongolen aufhielten.
Am 3. September 1260, in einer unscheinbaren Talsenke namens Ain Jalut im heutigen Palästina, prallten zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite stand das mongolische Heer unter Kitbuqa, einem nestorianischen General, der nach Westen vorrückte und eine Spur der Verwüstung hinterließ, die von Samarkand bis Bagdad reichte. Auf der anderen Seite die Mamluken, eine Militärkaste, die nur wenige Jahre zuvor selbst die Macht in Ägypten an sich gerissen hatte. Ihre Herkunft war ihr größtes Paradoxon: türkische und kaukasische Sklaven, die im Kindesalter gekauft, islamisiert und zu Elitekriegern ausgebildet wurden. Sie waren die ultimative Meritokratie des Schwertes, loyal nicht einer Familie oder einem Land, sondern ihrem Ausbilder und ihrer eigenen Kohorte.
Was die meisten über diesen epochalen Zusammenstoß übersehen, ist die interne Krise der Mongolen, die dem Ganzen eine fast komische Note verleiht, wäre das Ergebnis nicht so blutig gewesen. Kurz zuvor hatte der große Khan Möngke seinen Tribut an die Pest gezahlt, und Hulagu, der Bruder des verstorbenen Khans und Anführer des Ilkhanats, zog einen Großteil seiner Truppen ab, um an der Nachfolgeregelung in der mongolischen Heimat teilzunehmen. Er ließ nur ein Kontingent von vielleicht 10.000 bis 20.000 Mann unter Kitbuqa zurück, mit dem Befehl, die eroberten Gebiete zu halten. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte. Der unbezwingbare mongolische Schrecken war plötzlich nur noch eine geschrumpfte, wenn auch immer noch furchterregende, Streitmacht.
Die Mamluken hingegen, unter dem Sultan Qutuz und seinem General Baibars, waren ein Modell an Entschlossenheit und militärischer Disziplin. Sie wussten, dass dies ihre letzte Chance war, die islamische Welt vor der vollständigen Eroberung zu bewahren. Ihre Taktik war raffiniert: Baibars führte eine Vorhut an, die die Mongolen in einen Hinterhalt lockte, während Qutuz mit der Hauptstreitmacht lauerte. Als die mongolischen Reiter in die Falle tappten, umzingelten die Mamluken sie mit einer Disziplin, die den Mongolen selbst eigen war. Es war ein Kampf auf Leben und Tod, dessen Ausgang lange ungewiss war. Qutuz soll seinen Helm abgeworfen und „Oh Islam!“ gerufen haben, um seine Männer anzuspornen, als die Linien zu wanken schienen. Dies war nicht nur ein Kampf um Territorium, sondern um die Seele einer Zivilisation.
Die Schlacht endete mit einer vernichtenden Niederlage für die Mongolen. Kitbuqa wurde gefangen genommen und hingerichtet, und seine Armee fast vollständig ausgelöscht. Die Mamluken, die aus dem Nichts aufgetaucht waren, hatten das Unmögliche vollbracht. Sie stoppten nicht nur die mongolische Expansion im Nahen Osten, sondern markierten auch den Wendepunkt im Ruf der Unbesiegbarkeit, der den Mongolen jahrzehntelang vorauseilte. Von diesem Tag an war klar: Die Welt war doch nicht dazu bestimmt, von Dschingis Khans Nachkommen regiert zu werden. Und das Absurdeste daran? Die Retter waren diejenigen, die man einst als Eigentum betrachtete – ein Schelm, wer da keinen gewissen Spott der Geschichte erkennt.
Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Mamluk