Apollo-Soyuz: Der erste Handschlag im Weltall
Earth orbit
Am 17. Juli 1975 saß Thomas Stafford im Kennedy Space Center in Florida und wartete darauf, dass zwei Männer in einem sowjetischen Raumschiff seine Hand schüttelten. Das war das Problem: Sie sollten das eigentlich nicht tun. Zwei Jahre zuvor hätte man ihn für verrückt erklärt, wenn er so etwas auch nur gedacht hätte.
Die Welt am 18. Juli 1975 war eine, in der Amerika und die Sowjetunion den Weltraum wie zwei Boxer behandelten, die sich im selben Ring befanden, aber nicht miteinander sprachen. Sie flogen ihre Missionen, sammelten ihre Triumphe, ignorierten sich gegenseitig. Das Weltall war ein Ort der Konkurrenz, nicht der Zusammenarbeit. Jedes Programm war ein Beweis für die moralische Überlegenheit eines Systems. Jeder Start war eine stille Erklärung: Wir sind besser. Wir sind weiter. Wir sind stärker.
Dann, am 17. Juli um 19:19 Uhr koordinierter Weltzeit, dockte die Apollo-Kapsel an der Soyuz an. Es war keine dramatische Kollision. Es war präzise, sanft, fast zärtlich — ein Andocken in 225 Kilometern Höhe, wo zwei unterschiedliche Raumfahrtsysteme, zwei unterschiedliche Philosophien, zwei unterschiedliche Welten sich berührten.
Was vorher unmöglich schien, war plötzlich Routine. Die Luken öffneten sich. Stafford und Wally Schirra trafen auf Aleksei Leonow und Oleg Makarov. Sie atmeten unterschiedliche Luft — die Sowjets hatten eine Atmosphäre aus reinem Sauerstoff, die Amerikaner ein Stickstoff-Sauerstoff-Gemisch. Deshalb brauchten sie einen Adapter, ein Übergangsstück, das buchstäblich zwei verschiedene Welten miteinander verband.
Die politische Geschichte war ebenso technisch wie die physische. Wladimir Leonow, der sowjetische Chefdesigner, hatte das Projekt als eine Möglichkeit betrachtet, den Wettrüstungsrausch zu bremsen. Wenn Amerikaner und Sowjets zusammen im Weltall arbeiten konnten, könnte vielleicht auch die Erde weniger gefährlich werden. Es war naiv und gleichzeitig nicht naiv — es war die hoffnungsvolle Logik von Menschen, die begriffen hatten, dass ein Wettrüstung ins All führen würde, wenn man es nicht stoppte.
Drei Tage lang dockte die Apollo an. Die Astronauten tauschten Geschenke aus. Leonow gab Stafford eine sowjetische Medaille. Sie spielten Schach über Funk mit Leuten auf der Erde. Sie aßen zusammen. Sie lachten. Es war eine Szene aus einer anderen Zukunft.
Am 19. Juli undockten die Raumschiffe. Das war das Ende der Mission. Aber es war nicht das Ende der Bedeutung. Der Himmel war nicht länger ein Schlachtfeld, auf dem zwei Ideologien um Überlegenheit kämpften. Er war ein Ort geworden, an dem Menschen — Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, unterschiedlichen Regierungen, unterschiedlichen Angsten — sich begegnen konnten.
Natürlich endete der Kalte Krieg nicht an diesem Tag. Die Rüstung ging weiter. Aber etwas war verschoben worden, ein kleiner Stein in einer großen Mauer. Zehn Jahre später, als die Sowjetunion zu kollabieren begann, würden Menschen sich an dieses Bild erinnern — zwei Raumschiffe, nebeneinander schwebend, als wäre es das Normalste der Welt.