Enola Gay startet zu Hiroshima und leitet das Atomzeitalter ein
Tinian Island, Pacific Ocean
Ein B-29-Bomber namens Enola Gay startete um 2:45 Uhr morgens von einer Landebahn aus Tinian und trug in seinem Bauch eine Bombe, die niemand zuvor gezündet hatte — weil es sie noch nicht lange gab.
Das Flugzeug war 31 Meter lang. Die Bombe wog 4.400 Kilogramm. Der Pilot, Paul Tibbets, war 30 Jahre alt und hatte die Maschine nach seiner Mutter benannt, was einer der wenigen persönlichen Momente in dieser ganzen Angelegenheit war. Er flog mit einer Besatzung von 12 Mann. Keiner von ihnen wusste wirklich, was passieren würde.
Das war das Geheimnis: Die Wissenschaftler, die das Ding gebaut hatten, wussten es auch nicht genau. Sie hatten mathematische Modelle. Sie hatten Berechnungen. Was sie nicht hatten, war eine Prüfung. Man kann ein Atomwaffe nicht Probe sprengen, um sicherzustellen, dass sie funktioniert. Also flogen sie einfach los und hofften, dass die Physik nicht lügt.
Tinian Island liegt 2.400 Kilometer östlich von Hiroshima. Der Flug würde 6 Stunden dauern. Tibbets flog nicht direkt dorthin — niemand wollte, dass jemand sehen würde, wohin er ging. Die Route war eine Schleife über dem Pazifik, eine Umleitung um Feindgebiet herum, die Zeit verschwendete und Treibstoff kostete. Aber Geheimhaltung war wichtiger als Effizienz. Das war 1945.
In Hiroshima war es bereits 7:09 Uhr morgens, als die Enola Gay sich dem Ziel näherte. Die Stadt hatte etwa 350.000 Menschen. Niemand wusste, dass etwas anderes kam als die üblichen Bomberverbände, die seit Monaten Tokio und andere Städte zerstörten. Ein B-29 allein war nichts Besonderes. Japanische Jäger hätten abgehoben sein können. Sie taten es nicht.
Die Bombe fiel um 8:15 Uhr Ortszeit. Sie brauchte 43 Sekunden, um 580 Meter zu fallen, bevor sie explodierte — nicht am Boden, sondern in der Luft über der Stadt, weil das die Zerstörung maximierte. Die Temperatur am Detonationspunkt war 3.700 Grad Celsius. Das Licht war so hell, dass Menschen, die direkt darunter standen, als Schatten auf Steinen zurückblieben. Von den 350.000 Menschen starben innerhalb von Minuten etwa 70.000. Bis Ende 1945 waren es 140.000.
Die Enola Gay war zu diesem Zeitpunkt bereits 22 Kilometer entfernt. Tibbets spürte die Druckwelle, obwohl sie so weit weg war. Er sagte später: "Mein Gott, was haben wir getan?" Das war eine Frage, die die Welt die nächsten 80 Jahre stellen würde, ohne eine befriedigende Antwort zu finden.
Als die Enola Gay zur Tinian Island zurückkehrte, waren es noch 13 Stunden Flug. Tibbets und seine Besatzung saßen oben und wussten, dass sie gerade die Zukunft verändert hatten, aber nur als abstrakte Idee. Die Zahlen — 70.000 sofort, 140.000 bis Jahresende — würden später kommen. Im Moment war es nur das Wissen, dass etwas Unmögliches möglich geworden war.
Das Seltsame: Tibbets lebte noch bis 2007. Er wurde 82 Jahre alt. Er flog noch viele andere Missionen, aber die Welt erinnerte sich nur an diese eine.
Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Enola Gay