Daily History
Krieg & Konflikt

Sowjetunion erklärt Japan den Krieg

Moscow, Soviet Union

Sowjetunion erklärt Japan den Krieg — Moscow, Soviet Union
Bild: Dove · CC BY 3.0

Stalin hatte 3 Millionen Soldaten bereit, und er wollte sichergehen, dass die Welt es wusste. Am 8. August 1945, um 17 Uhr Moskauer Zeit, las der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow der japanischen Botschaft vor, dass die Sowjetunion den Krieg erklärte. Nicht weil Japan die Sowjets angegriffen hatte — das war 1904 gewesen, und seitdem herrschte ein fragiles Abkommen. Sondern weil Stalin ein Geschäft mit Roosevelt gemacht hatte, das Roosevelt selbst nicht mehr sehen würde. Drei Monate zuvor war Franklin D. Roosevelt gestorben. Harry Truman wusste kaum, dass er existierte.

Das sowjetische Versprechen war einfach: Wenn Hitler besiegt war, würde Stalin gegen Japan kämpfen. Die Amerikaner brauchten das. Sie hatten gerade Hiroshima zerstört — 70.000 Menschen starben in einer Sekunde, oder so nah daran, dass der Unterschied bedeutungslos war. Trotzdem rechneten die Militärs mit einer Invasion des japanischen Festlandes, und sie schätzten 500.000 bis 1 Million amerikanische Todesfälle. Das war die Mathematik, die Truman kannte. Das war der Grund, warum Stalin plötzlich unverzichtbar war.

Was folgte, war keine Schlacht wie die anderen. Es war eine Demonstration von Rohkraft, so konzentriert und so schnell, dass sie fast unwirklich wirkte. Die Sowjets marschierten in die Mandschurei ein — 1,5 Millionen Soldaten, 5.300 Panzer, 1.900 Flugzeuge. Sie legten in 11 Tagen 800 Kilometer zurück durch Wüste und Bergland. Die japanische Kwantung-Armee, die 700.000 Soldaten stark sein sollte, war in Wirklichkeit unterversorgt, überaltert und demoralisiert. Von den 700.000 starben etwa 10.000 in direktem Kampf. Der Rest wurde gefangen genommen oder zerstreut.

Sowjetunion erklärt Japan den Krieg — Moscow, Soviet Union
Bild: Imperial Japanese Army · Public domain

Japan kapitulierte am 15. August — nicht wegen der sowjetischen Invasion, sondern weil zwei Atombomben und der Schock der sowjetischen Kriegserklärung zusammen das Spiel vorbei machten. Der Kaiser sprach im Radio, die Stimme dünn und formell. "Die Situation ist nicht in unserem Vorteil verlaufen", sagte Hirohito, was vielleicht die größte Untertreibung des gesamten Krieges war.

Aber hier kommt die Wendung, die niemand sehen wollte: Stalin hatte sein Versprechen erfüllt, und jetzt kontrollierte er die Mandschurei, Korea und Teile der Sachalin-Insel. Er hatte den Krieg nicht gewonnen — die Amerikaner hatten das getan — aber er hatte sich einen Platz am Tisch gesichert. Neunzehn Tage Krieg gegen ein zusammenbrechen des Reiches. Drei Millionen Soldaten, die fast nichts tun mussten, um alles zu bekommen, was Stalin wollte.

Sowjetunion erklärt Japan den Krieg — Moscow, Soviet Union
Bild: Unknown authorUnknown author · CC BY 4.0

Als die Sowjets abzogen, hinterließen sie 600.000 japanische Kriegsgefangene in sowjetischen Lagern. Viele starben an Kälte und Hunger in den folgenden Jahren. Der Krieg war vorbei, aber für diese Männer fing das Leiden gerade an. Geschichte liebt es, ihre Rechnungen lange nach dem Ende zu präsentieren.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Soviet invasion of Manchuria

Krieg & Konflikt

Warschauer Pakt Marschiert in die Tschechoslowakei ein

Czechoslovakia

Warschauer Pakt Marschiert in die Tschechoslowakei ein — Czechoslovakia
Bild: Главцентроархив · CC0

An einem Augustmorgen 1968 rollten sowjetische Panzer in die Tschechoslowakei ein — nicht, weil jemand sie angegriffen hatte, sondern weil die Tschechen das Falsche taten: Sie wollten frei denken.

Es klingt absurd, weil es absurd war. Der Schriftsteller Alexander Dubček hatte im Januar die Kommunistische Partei übernommen und etwas Ungeheuerliches vorgeschlagen: Reformen. Nicht die Abschaffung des Sozialismus, sondern ein Lächeln darin — Pressefreiheit, Versammlungsrecht, ein wenig Luft zum Atmen. In Prag nannten sie es den Prager Frühling. In Moskau nannten sie es Verrat.

Das Sowjetische Imperium war wie ein Schachspieler, der nicht verlieren kann, weil er alle Spielsteine kontrolliert. Leonid Breschnew und seine Generäle saßen in Moskau und beobachteten, wie sich die Tschechoslowakei, Ungarn, Polen — die ganze Ostblockreihe — zu bewegen begann. Wenn die Tschechen Erfolg hätten, würde jemand anderes es versuchen. Und dann? Das System selbst könnte wackeln. Also beschlossen sie etwas, das in der modernen europäischen Geschichte noch nie vorgekommen war: Sie würden einen Verbündeten mit militärischer Gewalt unterwerfen.

Warschauer Pakt Marschiert in die Tschechoslowakei ein — Czechoslovakia
Bild: Ulrich Kohls · CC BY-SA 3.0 de

In der Nacht des 20. August 1968 bewegten sich 500.000 Soldaten aus fünf Ländern — Sowjets, Polen, Ungarn, Rumänen, Bulgaren — über die Grenze. Es war die größte militärische Aktion in Europa seit 1945. Flugzeuge landeten auf Prager Flugplätzen. Panzer rollten über die Moldau-Brücken. Und die Tschechen? Sie hatten keine Armee, um dagegen zu kämpfen. Dubček hatte bewusst keine Waffen bereitstellen lassen.

Stattdessen geschah etwas, das die sowjetischen Generäle nicht geplant hatten: Die Tschechen widersprachen mit Worten. Junge Menschen stellten sich vor Panzer. Studenten bemalten sowjetische Soldaten mit Hakenkreuzen und fragten sie, ob sie faschistisch aussehen würden. In den ersten Tagen wurde fast niemand getötet — es war ein Krieg aus Blicken und Fragen und dem tiefsten aller sowjetischen Albträume: Nicht-Gehorsam ohne Gewalt.

Warschauer Pakt Marschiert in die Tschechoslowakei ein — Czechoslovakia
Bild: Koard, Peter · CC BY-SA 3.0 de

Aber Breschnew brauchte keine Toten, um zu gewinnen. Er brauchte nur Zeit. Nach drei Wochen war Dubček erledigt. Die Reformen wurden rückgängig gemacht. Die Sowjets hatten bewiesen, dass sie überall, jederzeit, ohne echten Grund einmarschieren konnten. Und die Welt — Amerikas, Westeuropas, der neutralen Länder — konnte nur zusehen.

Hier liegt das Seltsame: Diese Invasion zerstörte nicht den Eiskalten Krieg. Sie zementierte ihn. Vorher konnte man hoffen, dass das sowjetische System von innen heraus reformierbar sei. Danach wusste man: Es würde sich selbst zerstören, bevor es sich selbst änderte. Es brauchte nur zwanzig Jahre. Der Prager Frühling starb 1968. Der sowjetische Imperialismus starb 1989. Was die Panzer nicht zerstört hatten — die Hoffnung auf Veränderung — zerstörte am Ende den Zerstörer selbst.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Warsaw Pact invasion of Czechoslovakia

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