Daily History
Naturkatastrophe

Große Hungersnot ergreift Europa

Große Hungersnot ergreift Europa
Bild: Scanned (by me) from the cover of The Great Famine (1996) by William Chester Jordan. Original cover art from a photograp · Public domain

Es ist der 11. August 1315, ein Tag, an dem selbst Könige mit den ungemütlichen Realitäten der Existenz konfrontiert werden. König Edward II. von England, ein Mann, der es gewohnt ist, dass die Welt sich nach seinem Hunger richtet, sitzt irgendwo in Yorkshire oder Nordengland, möglicherweise auf dem Weg zu einem weiteren dieser ewigen Feldzüge gegen die Schotten. Doch heute ist anders. Heute kann der Herrscher über ein ganzes Reich, dessen Ländereien theoretisch über reichlich Korn verfügen sollten, keinen einzigen Laib Brot für sich und sein Gefolge auftreiben. Nicht für Geld, nicht für gute Worte, nicht für Drohungen. Eine absurde Szene: Der mächtigste Mann des Landes, hungrig. Man kann sich die leicht panischen, aber stets höflichen Blicke seiner Diener vorstellen, die ihn darüber informieren, dass die Bäcker nichts mehr haben, die Märkte leer sind. Das Getreide ist weg, bevor es überhaupt reif war, verrottet auf den Feldern oder in den Speichern. Dies ist kein lokales Missgeschick; dies ist der Beginn einer Katastrophe, die Europa in ihren Grundfesten erschüttern wird. Ein König, der hungert, ist nicht nur eine persönliche Unannehmlichkeit; es ist ein Omen.

Die Jahre vor 1315 waren nass. Sehr nass. Ein Klimawandel, der heute als „Kleine Eiszeit“ bekannt ist, hatte Europa fest im Griff. Von 1310 an gab es kaum einen Sommer, der den Namen verdiente. Die Saat verfaulte im Boden, die Ernten wurden weggespült. Die Vorräte aus den mageren Vorjahren waren längst aufgebraucht. Die Preise für Getreide, Brot und Bier schossen in astronomische Höhen. Ein Scheffel Weizen, der 1314 noch 5 Schilling kostete, erreichte im Sommer 1315 in einigen Regionen bis zu 40 Schilling. Das ist das Achtfache – eine Preisexplosion, die selbst moderne Hyperinflationen blass aussehen lässt. Für den Großteil der Bevölkerung, der bereits am Existenzminimum lebte, bedeutete dies den sicheren Tod.

Die Auswirkungen waren verheerend. Schätzungen zufolge starb zwischen 10 und 25 Prozent der europäischen Bevölkerung in den Jahren 1315 bis 1317 – das sind Millionen von Menschen. Ganze Dörfer wurden ausgelöscht. Die Menschen griffen zu allem, was essbar war: Hunde, Katzen, Gras, die Kadaver von Tieren. Berichte sprechen sogar von Kannibalismus, auch wenn diese oft mit Vorsicht zu genießen sind. Die Ironie ist, dass in dieser Zeit der Not die Reichen nicht unbedingt besser dran waren. Sie hatten zwar das Geld, um zu kaufen, aber es gab schlicht nichts zu kaufen, wie Edward II. am eigenen Leib erfahren musste. Der Markt, die unsichtbare Hand, konnte nichts regeln, wenn die Hände der Bauern leer waren.

Die Kirche versuchte, die Katastrophe als göttliche Strafe zu deuten. Religiöse Prozessionen und Gebete sollten den Himmel besänftigen. Die weltlichen Herrscher versuchten verzweifelt, Exportverbote für Getreide zu verhängen oder Höchstpreise festzulegen, was die Lage oft nur verschlimmerte, da es die Anreize für Handel und Produktion weiter untergrub. König Edward II. selbst erließ im Frühjahr 1315 ein Edikt, das die Preise für Lebensmittel deckeln sollte – eine Maßnahme, die so effektiv war, dass er wenige Monate später immer noch hungrig dastand.

Große Hungersnot ergreift Europa
Bild: Wikimedia Commons · Public domain

Was folgte, war nicht nur Hunger, sondern auch eine Schwächung der Bevölkerung, die sie anfälliger für Krankheiten machte. Als 30 Jahre später die Schwarze Pest Europa heimsuchte, fand sie einen Kontinent vor, dessen Abwehrkräfte bereits durch die Große Hungersnot massiv geschwächt waren. Die Erfahrung des Hungers prägte das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation. Ein König, der Brot nicht kaufen konnte, war nur ein Vorgeschmack darauf, wie brüchig die Zivilisation sein konnte, wenn das Wetter beschloss, seinen eigenen Kopf durchzusetzen.

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Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Great Famine of 1315–1317

Krieg & Konflikt

Theoderich besiegt Odoaker in der Schlacht an der Adda

Milan, Italy

Theoderich besiegt Odoaker in der Schlacht an der Adda — Milan, Italy
Bild: en:User:Wiglaf, en:User:Dbachmann · CC BY-SA 3.0

Der Fluss Adda, sonst ein ruhiger Vorhang für die Ebene Lombardiens, wurde an diesem Tag zu einer blutroten Bühne. Dreißigtausend Männer, vielleicht sogar mehr, standen sich gegenüber, das Schicksal Italiens hing an jedem gezogenen Schwert. Es war der 11. August des Jahres 490, und die Würfel fielen nicht für Odoaker, den Herrscher Italiens seit vierzehn Jahren, sondern für den Ostgoten Theoderich, dessen Ambitionen so weit reichten wie die 1.600 Kilometer, die er mit seinem Volk aus dem Osten zurückgelegt hatte. Eine erstaunliche logistische Leistung für eine ganze Nation auf Wanderschaft.

Odoaker, ein Skire, der sich 476 selbst zum König Italiens ernannt hatte, nachdem er Romulus Augustulus, den letzten weströmischen Kaiser, entthront hatte, sah sich einer Allianz gegenüber, die er fürchtete: Theoderich und die Westgoten unter Alarich II. Odoaker hatte zu diesem Zeitpunkt ein Reich regiert, das sich über 17 Provinzen erstreckte, und eine Armee von geschätzten 20.000 bis 25.000 Mann befehligt. Er hatte sich in Pavia verschanzt, einer Stadt, die er für uneinnehmbar hielt, und hoffte, die gotische Invasion abwehren zu können. Doch die Allianz Theoderichs war nicht zu unterschätzen.

Theoderich, ein Mann, der über ein Jahrzehnt als Geisel in Konstantinopel die römische Militärkunst studiert hatte, wusste um die Bedeutung koordinierter Angriffe. Seine Armee, verstärkt durch 10.000 westgotische Krieger unter Alarich II., traf auf Odoakers Linien, die strategisch am Fluss positioniert waren. Die Schlacht tobte Stunden, vielleicht einen halben Tag lang, und endete in einer katastrophalen Niederlage für Odoaker. Schätzungen zufolge verlor er an diesem Tag bis zu 10.000 seiner besten Männer, viele ertranken in den Fluten des Adda, als sie versuchten, zu entkommen.

Theoderich besiegt Odoaker in der Schlacht an der Adda — Milan, Italy
Bild: Maria Golińska · CC BY 2.5

Die Konsequenzen waren unmittelbar und brutal. Mailand, die nahegelegene Metropole mit ihrer einstigen Kaiserresidenz, fiel ohne großen Widerstand. Über 8.000 fliehende Soldaten Odoakers wurden gefangen genommen oder zur Übergabe gezwungen. Odoaker selbst entkam mit einem Rest seiner Truppen und zog sich nach Ravenna zurück, einer Festung, die er über drei Jahre lang verteidigen sollte. Ein verzweifelt langer Widerstand, der den Preis der Niederlage nur aufschob, nicht verhinderte.

Die Schlacht am Adda war mehr als nur eine militärische Auseinandersetzung; sie war ein Wendepunkt für Italien. Sie markierte den unwiderruflichen Beginn der ostgotischen Herrschaft und den Todesstoß für Odoakers Traum von einem unabhängigen Königreich. Theoderich, der bald als Theoderich der Große bekannt werden sollte, würde nach der späteren Ermordung Odoakers in Ravenna 493, weitere 33 Jahre über Italien herrschen und eine neue Ära der gotischen Kultur einleiten. Ein Königreich, das 60 Jahre Bestand haben sollte, bevor es selbst in den Wirren des byzantinischen Reiches unterging – eine Ironie des Schicksals für einen Eroberer, der so viel Mühe in den Aufbau gesteckt hatte.

Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Goths

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