Ludwig XVI. verhaftet, zum Volksfeind erklärt
Manche Tage ändern alles, aber dieser hier bestätigte nur, was ohnehin schon beschlossene Sache war. Der 13. August 1792 ist nicht der Tag, an dem Frankreich seine Monarchie verliert. Er ist der Tag, an dem ein König, der schon lange nur noch eine Hülle war, formell zu einem Staatsfeind erklärt wird. Louis XVI. sitzt bereits im Temple, diesem massiven, zinnenbewehrten Relikt aus dem 13. Jahrhundert, das die Revolution nun zweckentfremdet hat. Es ist ein Gefängnis, und er, der König von Gottes Gnaden, ist sein prominentester Insasse.
Um 11 Uhr morgens, so präzise die Berichte, beginnen die Vorbereitungen. Die Nationalversammlung, die nun die wahre Macht hält, hat den Befehl erteilt: Der König muss von seiner königlichen Würde entkleidet und als gewöhnlicher Bürger behandelt werden. Eine Delegation betritt seine Kammer, angeführt von Pétion, dem Bürgermeister von Paris, einem Mann, der einst ein loyaler Diener der Krone gewesen war. Sie bringen ein Dekret mit, das den Kern des revolutionären Willens kondensiert: Louis Capet, ehemals Louis XVI., wird von nun an unter die Obhut der Stadt Paris gestellt und ist in den Temple-Turm zu überführen.
Der König, der bis vor Kurzem noch versucht hatte, den Anschein von Autorität zu wahren, wirkt überraschend gefasst. Er hat schon zu viele Demütigungen erlebt, als dass diese eine ihn noch wirklich überraschen könnte. Er erhält das Dekret und liest es mit einer Ruhe, die irritiert. Seine Frau, Marie Antoinette, und seine Kinder sind bei ihm. Sie verstehen die Tragweite, die Louis scheinbar nur noch erträgt. Die Königin, die sich bis zuletzt an die Illusion ihrer Macht klammerte, erkennt nun die Endgültigkeit der Situation. Es ist ein unwiderrufliches Urteil, gesprochen nicht von einem Gericht, sondern von der Straße und der Nationalversammlung.
Die Übergabe der königlichen Familie erfolgt im Hof des Temple. Es ist kein Aufstand, kein Tumult, sondern eine beinahe bürokratische Angelegenheit. Louis, seine Frau, seine Kinder Marie Thérèse und Louis Charles, sowie Madame Élisabeth, seine Schwester, werden von der königlichen Garde in die Hände der Nationalgarde übergeben. Diese Gardisten, viele von ihnen ehemalige königliche Soldaten, die nun die Kokarde der Revolution tragen, sind nicht mehr seine Untertanen. Sie sind die Vollstrecker eines neuen Frankreichs. Der kleine Louis Charles, der Dauphin, ist gerade einmal sieben Jahre alt. Er wird als Louis XVII. in die Geschichte eingehen, obwohl er niemals regieren wird – ein König ohne Krone, ohne Reich, ohne Zukunft.
Ein Detail, das in der Hektik des Umbruchs beinahe untergeht: Die königlichen Siegel, die seit Jahrhunderten die Autorität der französischen Könige verbürgten, werden noch am selben Tag zerbrochen. Ein symbolischer Akt, der das Ende einer Ära besiegelt. Louis XVI. ist nun Louis Capet, Bürger und Gefangener. Die königliche Familie hatte nur wenige Wochen zuvor versucht, aus Paris zu fliehen, ein verzweifelter, kläglich gescheiterter Versuch, der sie in Varennes zum Gespött und zum Gefangenen machte. Hätten sie es damals geschafft, wäre die Geschichte anders verlaufen. Aber sie scheiterten, und das Urteil, das an diesem Augusttag gefällt wird, ist die logische, wenn auch bittere Konsequenz. Der Mann, der einst über ein Reich herrschte, dessen Krone nun in den Händen seiner ehemaligen Untertanen liegt, ist nicht mehr nur ein König ohne Macht. Er ist ein Feind der Republik, die noch nicht einmal offiziell ausgerufen ist.
Quelle: en.wikipedia.org/wiki/Louis XVI